Wippe auf der Kippe

Lokales
Erbendorf
14.08.2015
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Die Lauserbühler wollen ihre liebste Lärmquelle behalten: Die Stadt Erbendorf möchte den Spielplatz im Viertel zu Bauland machen. Die Anwohner halten das für keine gute Idee.

(wüw) Der Lauserbühl macht mobil: Die Menschen im Osten der Stadt fürchten um ihren Spielplatz. Wenn es nach dem Stadtrat geht, soll aus dem Areal ein Baugebiet werden. Als die Ratsmehrheit Ende Juli die Änderung des Bebauungsplans beschloss, hat sie wohl nicht mit dem Widerstand der Anwohner gerechnet. 100 Unterschriften haben Gerda Götzl und ihre Mitstreiter für den Platz in der Windischkapellenstraße schon gesammelt, bis Anfang September haben sie noch Zeit weitere Einwände zu sammeln und sie bei der Stadt einzureichen.

Kleine Attraktion

Dabei sagen die Anwohner selbst, dass ihr Spielplatz nichts besonderes ist - im Gegenteil: "Hier ist seit Jahren nichts mehr gemacht worden", sagt Gerda Götzls Mann Bernhard. Tatsächlich stehen da nur Schaukel, Wippe und eine Handvoll anderer Geräte, alle etwas rostig, länger nicht lackiert. Und doch sei der Platz ein Treffpunkt, für Kinder zum Spielen, für Mütter und Großeltern zum Ratschen. Größere nutzen die freie Fläche hinter den Spielgeräten als Bolzplatz. Auch die Kleinen vom Kindergarten kommen vorbei, wenn sie Abwechslung von den eigenen Spielsachen brauchen. Wieso die Stadt dem Viertel die kleine Attraktion nehmen will, verstehen nicht nur die Götzls nicht. Denn die Stadt macht aus ihrer eignen Fläche zwar Bauland, möchte derzeit dort aber gar nicht bauen. Auch andere Pläne gebe es offiziell nicht, sagen die Anwohner. Das sorgt für Spekulationen. "Wenn man sagen würde, wir brauchen Bauplätze für Einfamilienhäuser, dann könnten wir das verstehen", sagt Bernhard Götzl. Misstrauisch macht die Anwohner zudem, dass der Platz zur WA-Fläche werden soll.

In einem solchen "Allgemeinen Wohngebiet" sind nicht nur Wohnhäuser möglich, auch Handwerks- oder Gastronomiebetriebe könnten dort entstehen. Für solche Ärger- und Lärmquellen wollen die Lauserbühler ihren Spielplatz nicht hergeben - Kindergeschrei habe noch nie für Ärger gesorgt.

Ärger wollen die Anwohner auch jetzt nicht, schon gar nicht mit der Stadt. Wir nutzen nur unser Recht, gegen die Änderung des Flächennutzungsplan Einspruch einzulegen", sagt Gerda Götzl. Dass sich so viele andere anschließen, überrasche und bestätige sie: "Ein Spielplatz ist wichtig für unsere Kinder." Den Platz gebe es seit den 1960er Jahren, einst habe sie selbst dort gespielt, später ihre Kinder. "Der Platz gehört hierher." Dass er im Umkreis die einzige Landemöglichkeit für einen Rettungshubschrauber ist, kommt dazu.

Viele Zusagen

Manche Anwohner glauben, dass die Stadt die Fläche nur umwidmet, um sich das Geld für den Unterhalt zu sparen. Gut möglich, dass die Lauserbühler auch hier bald selbst aktiv werden. Lange ist dort wenig passiert, durch das drohende Aus aufgeschreckt, melden sich nun aber immer mehr, die sich für den Platz einbringen wollen. Vereine wollen Patenschaften zu übernehmen, es gebe Zusagen von Handwerkern, die für neue Spielgeräte sorgen wollen, sagen die Götzls. Daraus kann nur etwas werden, wenn die Stadt den Spielplatz lässt, wo er ist. Dann könnte sich die kurzfristige Aufregung als Glücksfall für den Platz erweisen.
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