Baugenehmigung für Windmessanlage seit Monaten abgelaufen
Der Mast muss weg

140 Meter hoch ist der Windmessmast. Demnächst müssen wieder Höhenkletterer anrücken, der Rückbau steht an. Bild: njn
Politik
Erbendorf
18.01.2016
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Es ist ruhig geworden um den Windmessmast auf den Höhen des Hessenreuther Waldes. So ruhig, dass beinahe der Rückbau des 140 Meter-Bauwerks vergessen worden wäre. Dem Verein für Landschaftspflege und Artenschutz Bayern ist (VLAB)aufgefallen: Der Mast dürfte gar nicht mehr stehen.

Seit viereinhalb Monaten hätte der Mast bereits verschwunden sein müssen. Das bestätigt das Landratsamt Tirschenreuth auf Anfrage unserer Zeitung: "Die Baugenehmigung war bis 31. August befristet und ist erloschen", heißt es in einer Erklärung. Dass der Mast überhaupt noch steht, habe die Tirschenreuther Behörde durch den VLAB erfahren, bestätigt dessen Vorsitzender Johannes Bradtka. Er sei mehrfach angesprochen worden, wann die Anlage zurückgebaut wird. Deshalb habe er beim Landratsamt nachgefragt.

Die Behörde hat inzwischen eine Überprüfung eingeleitet, erklärt Sprecher Walter Brucker. Sobald eine Baukontrolle feststellt, dass die Anlage tatsächlich noch steht, werde sie den Rückbau vorantreiben. Der Bauherr werde dann mit kurzer Fristsetzung zum Rückbau aufgefordert, auch ein Zwangsgeld sei möglich.

Abbau derzeit nicht möglich


Über diese drohende Strafe war sich der Betreiber der Anlage, die Erbendorfer Firma NES, am Montag nicht bewusst. Geschäftsführerin Birgit Grünbauer sagte zum "Neuen Tag", dass ihr die Laufzeit der Genehmigung gar nicht bekannt sei. Klar sei jedoch, dass der 140-Meter-Mast bei der derzeitigen Witterung nicht abgebaut werden kann. Dafür seien Spezialmaschinen und Berufskletterer nötig. Vermutlich wird es Frühjahr, bis der Mast verschwindet.

Seit Oktober 2012 steht die Anlage nahe des Abspann-Gipfels. NES hat ihn damals aufgestellt. Mit dem TÜV Süd und dem Bayerischen Wirtschaftsministerium wollte die Natural Energy Solutions GmbH herausfinden, wie stark der Wind über dem Höhenzug weht. Vor allem ging es bei der Untersuchung darum, wie es sich mit der Windhöffigkeit in 140 Metern über dem Boden verhält, also dort wo sich die Rotoren der Windenergieanlagen tatsächlich drehen. Die Betriebserlaubnis war zunächst auf zwei Jahre befristet und wurde dann nochmals bis 31. August 2015 verlängert. Von den Ergebnissen der Windmessung ist Grünbauer begeistert. "Die Windwerte sind die besten, die in Bayern bislang gemessen wurden." Zumindest galt dies bis 2015. "Ich weiß nicht, ob es inzwischen anderswo bessere Ergebnisse gab." Diese Ergebnisse haben Grünbauer und ihre Mitstreiter bei der NES darin bestärkt, die Planungen für Windenergieanlagen auf dem Berg voranzutreiben. Ein Zeitplan lasse sich jedoch nicht vorgeben. Derzeit sei die NES damit beschäftigt, die Unterlagen für die Bauanträge vorzubereiten.

Widerstand absehbar


Für Gegenwind dürfte weiterhin die VLAB sorgen. Der Verein zählt zu den größten Kritikern der Windenergie. Die bayernweit anerkannte Umwelt- und Naturschutzvereinigung ging im vergangenen Jahr aus dem Verein "Unser Hessenreuther Wald" hervor, der sich vor allem dem großen Waldgebiet zwischen Haide- und Fichtelnaab angenommen hat. Der Hessenreuther Wald sei Rückzugsraum für verschiedene gefährdete Vogelarten. Unter anderem brüten dort Adler, Schwarzstorch und Rotmilan. Unter anderem deshalb hat der VLAB bereits angekündigt, mit allen Mitteln gegen Windenergieanlagen im Hessenreuther Wald vorzugehen.
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Siegfried Wieder aus Erbendorf | 19.01.2016 | 09:25  
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