BUND spricht sich gegen Pläne aus
Anspannung am Abspann

Im März 2014 waren auch Vertreter des BUND beteiligt, als auf der Abspann-Kuppe ein Kompromiss für den Ausbau vorgestellt wurde. Ob es bei diesem bleibt ist nun unklar. Bild: stg
Politik
Erbendorf
16.09.2016
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Der BUND Naturschutz bremst beim Ausbau der B 299 am Hessenreuther Berg. Die Naturschützer werfen den Planern vor, sich nicht an Absprachen zu halten und schließen auch ein Klage nicht aus.

Der BUND Naturschutz hat in der Anhörung zum Planfeststellungsverfahren für den B 299-Ausbau die Pläne abgelehnt. Das bestätigt der zuständige BUND-Regionalreferent, Reinhard Scheuerlein. Ob der BUND juristisch gegen die Umsetzung vorgehen würde, ließ Scheuerlein offen. "Das werden wir entscheiden, wenn es so weit ist."

Die Ablehnung erscheint überraschend, weil der Naturschutzverband am Runden Tisch saß, an dem Anfang 2014 die vorliegende Ausbauvariante als Kompromiss zwischen Naturschutz und Verkehrssicherheit erarbeitet wurde. Ein Widerspruch sei die Ablehnung aber nicht, erklärt Scheuerlein, denn die nun ausgelegten Pläne weichen von denen ab, die die Beteiligten am 7. März 2014 auf dem Abspanngipfel als Ergebnis des Runden Tisches vorgestellt hatten.

"Schon diese Pläne waren schmerzhaft", erklärt Scheuerlein nun. Dies gelte besonders, weil es zwar formell um eine Bundesstraße geht, die Strecke tatsächlich aber wenig frequentiert werde. Die Abweichungen vom Kompromiss mache den Plan für den BUND unzumutbar. Scheuerlein verweist zum einen auf die im Plan vorgesehene maximale Steigung von neun Prozent. "Der Kompromiss sah zehn Prozent vor." Eine geringere Steigung macht einen größeren Geländeeinschnitt nötig. Dieser macht es Wildtieren schwerer, die Straße zu queren. Nach dem Ausbau werde auf der Straße schneller gefahren, die Gefahr von Wildunfällen wächst.

Dies gelte um so mehr, weil auch die vorgesehene Grünbrücke am Abspanngipfel deutlich kleiner ausfallen soll, als am Runden Tisch vereinbart. "Damals war von 80 Metern Breite die Rede, nun soll sie nur mehr 36 Meter breit sein." Zu dieser Verringerung komme, dass der Übergang zudem für die Forstwirtschaft genutzt werden soll. "Das Bauamt verzichtet in seiner Erläuterung sogar auf den Begriff 'Grünbrücke'", sagt Scheuerlein. Es sei zweifelhaft, ob Tiere diese Brücke annehmen. Scheuerlein verweist auf die Bedeutung des Waldgebiets zwischen Haide- und Fichtelnaab für die Tierwelt. Rotwild gebe es bereits, wann Luchs und Wildkatze heimisch werden, sei wohl nur eine Frage der Zeit. Das Landesamt für Umwelt weise den Hessenreuther Wald als Rotwild- und Luchsgebiet aus.

"Daher lehnt der BUND Naturschutz die Verkleinerung der geplanten Grünbrücke ab und fordert die Beibehaltung der beim Runden Tisch erzielten Vereinbarung", heißt es in einer Presseerklärung. "Großflächig unzerschnittene Räume" dienen als Rückzugs- und Ausbreitungsgebiet seltener Arten. Der geplante Ausbau würde zu "einer deutlichen Erhöhung der Trennwirkung innerhalb des Waldgebiets führen". Der BUND pocht deshalb auf eine wenigstens 80 Meter breite Grünbrücke. Diese soll sich zudem an die Vorgaben des "Merkblatts zur Anlage von Querungshilfen für Tiere und zur Vernetzung von Lebensräumen an Straßen" orientieren. Nur dann "kann sie ihre Funktion zur Abmilderung der Trennwirkung übernehmen", heißt es in der Presseerklärung weiter.

VLAB sieht keinen Grund zum WiderspruchBeim Staatlichen Bauamt war am Donnerstag niemand zu erreichen, der am Runden Tisch teilgenommen hat. Das Amt erhält aber Unterstützung von einem anderen Umweltschutzverband. Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz Bayern (VLAB) saß damals ebenfalls am Runden Tisch, und VLAB-Vorsitzender Johannes Bradtka sieht heute keinen Grund, den nun vorliegenden Tekturplan anzuzweifeln.

"Alle wesentlichen Zusagen hat das Bauamt bei den Planungen eingehalten", sagt Bradtka. Das Gefälle der Straße sei dem VLAB nicht wichtig, entscheidend sei, dass der Einschnitt wie vereinbart weniger als zehn Meter beträgt. In der kleineren Grünbrücke sieht Bradtka kleinen Grund zu klagen, im Gegenteil: "Es ist doch positiv, wenn ein Bauwerk in der Natur kleiner ausfällt." Wegen des deutlich geringeren Einschnitts ist eine kleinere Brücke nur konsequent. Zudem sei die Breite der Brücke niemals teil des Kompromisses gewesen.

Anders war dies bei zusätzlichen Querungshilfen für Wildtiere. Diese habe das Bauamt zum Teil unter der Straße in der Planung berücksichtigt. In Absprache mit dem VLAB entstehen diese Übergänge an den natürlichen Wanderrouten der Tiere und seien deswegen sinnvoller als die Grünbrücke auf dem Gipfel. Der Ausbau der Straße sei natürlich ein Eingriff in die Natur, aber ein vertretbarer, findet Bradtka. Weil die Planer ihre Zusagen eingehalten haben, stehe auch der VLAB zu seinem Wort. "Wir sind ein zuverlässlicher Partner und stehen zu unserem Wort." (wüw)
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