Fischessen der SPD in Erbendorf
Gegen Hass und Hetze

Je weniger Menschen mit Flüchtlingen zu tun haben, desto lauter schreien sie.
Politik
Erbendorf
12.02.2016
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"Es ist ein besonderer Aschermittwoch", stellte Kreisvorsitzender Reiner Fischer beim Fischessen der SPD im Gasthof "Zur Hetsche" fest. Das Zugunglück von Bad Aibling wirkte nach. Es wurde - wie angekündigt - "ein Abend in gemäßigtem Rahmen".

Ortsvorsitzende Brigitte Scharf eröffnete die Veranstaltung und sprach den Hinterbliebenen der Opfer ihr Beileid aus: "Wir trauern mit ihnen." Anerkennung sprach die Ortsvorsitzende auch den Hunderten von Rettungskräften am Unfallort aus. Die Genossen erhoben sich zu einer Gedenkminute von ihren Plätzen. Bevor der SPD-Kreisvorsitzende seine Rede begann, lud Scharf die Gäste zum Herings-Essen ein. Einen Dank ging an die "Hetscha-Wirtin", die das Essen zubereitet hatte. Fischer versprach einen Abend in "gemäßigtem Rahmen". Und er hielt sich an seine Vorgabe.

Sein einziges Thema war die Flüchtlingsfrage. "Sie werden es schon nicht mehr hören können, aber trotzdem möchte ich hier Einiges anmerken." An dem Hin und Her beim Thema Flüchtlinge seien alle Parteien schuld. "Da nehme ich auch die SPD mit hinein und die Medien." Klar sei für ihn, dass Flüchtlinge "nicht unendlich aufgenommen werden können". Die Aufnahme müsse eingeschränkt werden. "Es stellt sich aber die Grundfrage: Wie schaffen wir das?" Fischer erteilte dem Vorschlag der AfD mit Zaun und "Schießbefehl" eine klare Absage: "Das hat in der Politik nichts verloren".

"Merkel hat sich gerade nach den Vorfällen in Ungarn richtig entschieden", stellte Fischer fest. Ihre Aussage hält er für richtig, wenngleich sie aber mit den Partnern vorher hätte reden müssen. "Wir dürfen Griechenland und auch die Türkei nicht alleine lassen", sagte Fischer. Derzeit seien dort 2,5 Millionen Flüchtlinge. Der SPD-Kreisvorsitzende unterstützt die Aussage der Bundeskanzlerin, dass Europa verhandeln muss, damit die Türkei Flüchtlinge aufnimmt und in Kontingenten auf alle Länder der EU aufgeteilt werden.

"Die Stimmung kippt in Deutschland", stellte der Redner fest. So verzeichne die AfD einen enormen Zulauf. "Wir dürfen aber die Stimmung nicht an den Flüchtlingen auslassen", ermahnt Fischer. Ein schnelles Asylverfahren sei ebenso wichtig wie eine menschenwürdige Behandlung der Gäste. "Aber sie müssen sich auch nach unseren Regeln benehmen." Damit sprach er unter anderem die Abschiebung nach Straftaten an.

Was sich insgesamt abspiele, sei mehr als traurig, so der Kreisvorsitzende weiter. "Je weniger Menschen mit Flüchtlingen zu tun haben, desto lauter schreien sie." Man könne nicht für ein christliches Abendland demonstrieren und unchristlich handeln. Die Menschen im Land müssten mehr Vernunft und Sachlichkeit walten lassen. "Man darf sich Sorgen machen und ja, man darf an wirksame Begrenzung denken."

"Köder von Söder"


Zur Flüchtlingspolitik fand Fischer zusammenfassend die Worte. "Wir müssen aufpassen. Mir geht es nicht um die Partei, mir geht es um die Haltung. Denn wir dürfen nicht die Demokratie verspielen." Fischer konnte es sich nach seiner Rede dennoch nicht verkneifen, seine von den Genossen insgeheim erhofften Reime vorzutragen. Neben dem Abgang von Blatter von der Fifa-Spitze fasste Fischer die "Tagesflieger der Bundeswehr im Syrieneinsatz" und die defekten Gewehre in Versform. "Schulden sind ein toller Köder, für Gelder vom Söder." Mit diesem Satz sprach er die Stabilisierungshilfe für Kommunen an.

Aus der Hand von Brigitte Scharf erhielt Fischer, der bereits zum 11. Mal beim Fischessen dabei war, zum Dank ein Paar Socken - "natürlich selbstgestrickt". Beim offiziellen Abschluss der Kundgebung wies die Ortsvorsitzende auf die SPD-Kampagne "Meine Stimme für Vernunft" hin. "Wir müssen der gefährlichen Stimmung in der Gesellschaft mit Hass, Hetze, Gewalt und Feindbildern ein Ende setzen."
Je weniger Menschen mit Flüchtlingen zu tun haben, desto lauter schreien sie.SPD-Kreisvorsitzender Reiner Fischer
Mir geht es nicht um die Partei, mir geht es um die Haltung. Denn wir dürfen nicht die Demokratie verspielen.Reiner Fischer
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