Kampf gegen Klisc hees

Werbung für die Einstellung von Schwerbehinderten war das Ziel der Informationsveranstaltung für Arbeitgeber im Aribo-Hotel in Erbendorf. Vorträge hielten (von links) Josef Angerer vom Integrationsamt in Regensburg, Norbert Küfner von der Deutschen Rentenversicherung Landshut, Daniela Zeiler vom Projekt "Wirtschaft inklusiv", Regina Ram von der Agentur für Arbeit Weiden und Winfried Mellar von der IHK Regensburg. Bild: sbü
Politik
Erbendorf
21.06.2016
90
0

Schwerbehinderte müssen oft gegen Vorurteile kämpfen. Wer sich mit ihrer Situation genauer befasst, kann zum Beispiel erkennen, dass sie genauso leistungsfähig sind wie andere Arbeitnehmer.

Schwerbehinderte sind nach wie vor in höherem Maße von Arbeitslosigkeit betroffen als Nichtbehinderte. Und in der Oberpfalz ist diese Situation deutlich ausgeprägter als in den meisten anderen bayrischen Regionen. Um dies zu ändern werden immer wieder neue Initiativen gestartet. So auch jetzt, als die IHK Regensburg zusammen mit der bfz-GmbH und der gfi-GmbH sowie den Projektvertretern von "Wirtschaft inclusiv" zu einer Informationsveranstaltung für Arbeitgeber eingeladen hatten.

Symbolisch für das Thema wurde die Veranstaltung im neu eröffneten Aribo-Hotel in Erbendorf abgehalten. Dieses Haus wird als Integrationsprojekt geführt, weil dort mindesten 25 Prozent des Personals zum Personenkreis der Schwerbehinderten zählen. Geschäftsführer Martin Weiß will mit seinem Personal den "4-Sterne-Standard" gewährleisten. Zusammen mit Winfried Mellar, Geschäftsführer Fachkräftesicherung bei der IHK-Regensburg, und Daniela Zeiler vom Projekt "Wirtschaft inclusiv" begrüßte der Hotelchef die Arbeitgebervertreter. Mit der Veranstaltung sollen vor allem Informationsdefizite und Vorurteile bei Arbeitgebern über die Beschäftigung von Schwerbehinderten abgebaut werden. "Viele haben die Klischeevorstellung, Schwerbehinderte sind Rollstuhlfahrer. Hat man sie einmal eingestellt, kriegt man sie nicht mehr los" stellt IHK-Vertreter Mellar fest. Tatsache sei, dass man den meisten Schwerbehinderten ihr Handicap überhaupt nicht ansieht.

Dies bestätigte auch Regina Ram, Arbeitsvermittlerin für Schwerbehinderte bei der Agentur für Arbeit Weiden in ihrem Vortrag. Es gebe nicht "den typischen Schwerbehinderten". Eine Schwerbehinderung könne zum Beispiel wegen einer Diabetes-Erkrankung oder wegen Wirbelsäulenproblemen vorliegen. "Warum soll ein solcher Mensch zum Beispiel an einem Bildschirmarbeitsplatz nicht genauso leistungsfähig sein, wie ein Nichtbehinderter", fragte die Arbeitsvermittlerin. Rund 50 Prozent aller arbeitslosen Schwerbehinderten hätten einen Beruf gelernt, in dem sie auch arbeiten könnten.

Circa jeder zehnte Arbeitslose ist schwerbehindert. Schwerbehinderte gehörten deswegen zu den wenigen noch verfügbaren Arbeitsmarktreserven, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Und sollte es zusätzlicher Hilfen bedürfen, gebe es einen langen Katalog von Unterstützungsleistungen. Unter den zahlreichen Fördermöglichkeiten empfahl Ram ganz besonders die betriebliche Erprobung eines schwerbehinderten Bewerbers. Bis zu sechs Wochen lang könne der Arbeitgeber dies in Anspruch nehmen. Der Arbeitnehmer erhalte in dieser Zeit weiterhin die Leistungen zum Lebensunterhalt von der Arbeitsagentur.

Auch eine befristete Probebeschäftigung von bis zu drei Monaten sei möglich. Alle anfallenden Kosten würden dem Arbeitgeber dabei erstattet. Einen ebenfalls langen Förderungskatalog für Schwerbehinderte stellte auch Josef Angerer vom Integrationsamt in Regensburg vor. Zusammen mit dem Integrationsfachdienst gibt es Unterstützung zur "Schaffung von Arbeitsplätzen, zu ihrer behindertengerechten Ausstattung und auch in Form eines Minderleistungs-Ausgleichs".

Über Leistungen der Rentenversicherung sprach Norbert Küfner von der Deutschen Rentenversicherung in Landshut. Darunter sind neben der medizinischen Rehabilitation auch zahlreiche Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

Hintergrund"Wirtschaft inklusiv" ist ein Beratungsprojekt für Arbeitgeber über alle Fragen der Beschäftigung von Schwerbehinderten. Es wurde in Zusammenarbeit mit der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) entwickelt. Träger ist die Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabilitation e.V. Gefördert wird "Wirtschaft inklusiv" vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Projektpartner in Bayern sind die beruflichen Fortbildungszentren der bayrischen Wirtschaft ( bfz) und die Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi).

In Bayern stehen im Rahmen des Projekts vier Berater für Arbeitgeber zur Verfügung. Sie sind unter 0941/40 207 -55 bis 57 sowie 09181/2681-21 zu erreichen. (sbü)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.