Kein Geld für den Habichtskauz
Zerrupfter Förderantrag

Zerrupft wie dieser Habichtskauz wirkt der VLAB-Förderantrag. Trotzdem soll das Projekt weitergehen.
Politik
Erbendorf
11.05.2016
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Nichts übrig für den Habichtskauz: Für die Wiederansiedlungspläne des Vereins für Artenschutz und Landschaftspflege (VLAB) gibt's kein Geld vom Bayerischen Naturschutzfonds. Für Johannes Bradtka ein Votum gegen den VLAB. Der Vorsitzende sagt: Jetzt erst recht.

Am Freitag erhielt Johannes Bradtka die Nachricht: "Das VLAB-Projekt ist nicht förderfähig." Das beschloss der Stiftungsrat des Bayerischen Naturschutzfonds am 2. Mai einstimmig. Der VLAB wollte 500 000 Euro für sein Projekt. Das Geld stammt unter anderem aus Ausgleichszahlungen, die fließen, wenn Infrastrukturmaßnahmen in die Natur eingreifen.

Weshalb der Fonds nicht zahlt, habe dessen Vorstand nicht erklärt. Bradtka ist sich aber sicher, den Grund zu kennen. Im zehnköpfigen Stiftungsrat dominiere eine Fraktion aus Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz. Beide Gruppierungen sehen im VLAB eine Konkurrenz, dem sie ein solches Projektes nicht gönnen. Vor allem habe die Windkraftlobby in beiden Naturschutzverbänden großen Einfluss. Der VLAB nimmt eine windkraftkritische Haltung ein. "Man will uns in die Ecke der bloßen Windkraftverhinderer drängen", mutmaßt Bradtka. Dass sich sein Verein nicht darauf reduzieren lasse, mache seinen Gegnern die Argumentation schwerer.

Deshalb verweigere der Stiftungsrat die Unterstützung, obwohl das Projekt von allen Fachstellen Zuspruch erfahre. "Es gibt zwei Gutachten, die den Wert des Projekts bestätigten", erklärt Bradtka, der außerdem auf die Kooperation mit dem Nationalpark Bayerischer Wald, die Zustimmung der Regierung der Oberpfalz und die Hilfe von Landrat Wolfgang Lippert verweist. Die begründungslose Ablehnung "demaskiert den Stiftungsrat" und zeige, wie stark die "Windkraftlobby staatliche Stellen bereits unterwandert hat".

In einem offenen Brief an Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf fordert der VLAB Ehrlichkeit und einen offenen Umgang mit der Entscheidung und ihren Hintergründen ein. "Ich bitte Sie, verehrte Frau Staatsministerin, uns die wahren Gründe für die einstimmige Ablehnung offen und ehrlich mitzuteilen", heißt es in dem Schreiben, das Bradtka unterschrieben hat. Scharf steht auch dem Stiftungsrat des Fonds vor. Georg Schlapp lässt diese Kritik nicht gelten. Der Vorstand des Naturschutzfonds betont vor allem die Unabhängigkeit des Stiftungsrats. Er selbst gehört dem Gremium nicht an, er kennt aber die Hintergründe der Entscheidung. "Das hat nichts mit dem Thema Windkraft oder dem VLAB an sich zu tun." Die Entscheidung sei auch nicht begründungslos: "Ich habe Herrn Bradtka telefonisch über die Entscheidung informiert." Weitere Informationen werde der Verein schriftlich erhalten.

Die Ablehnung sage nichts zur Qualität des Projekts. "Es passt nur nicht ins Förderprogramm." Dem Stiftungsrat sei das Projekt "zu technisch". Die Stiftung wolle den Schutz der Lebensräume bedrohter Arten fördern: Mit anderen Worten: Gäbe es die Vögel in der Region bereits, und der VLAB würde sich für ihren Schutz einsetzen, wäre ein Zuschuss möglich. Weil der Verein die Art neu ansiedeln will, gibt es kein Geld.

Die Ablehnung sei grundsätzlich. "Hätten nur Antragdetails gegen die Förderung gesprochen, hätten wir uns gemeldet und eine Lösung gesucht", sagt Schlapp. Eine untergeordnete Rolle habe der hohe Förderbetrag gespielt. Insgesamt vergab der Fonds in diesem Jahr 2 Millionen Euro an zehn Projekte, abgelehnt wurde nur der VLAB-Antrag. Dass Projekte durchfallen, sei aber durchaus üblich.

"Das kommt immer wieder vor." Bradtkas Enttäuschung ist inzwischen "einer großen Gelassenheit" und einer "Jetzt erst recht"-Haltung gewichen. Dem VLAB gehören elf Stiftungen an, der Verein habe wohlhabende Unterstützer. Deshalb ist der Vorsitzende zuversichtlich, das Projekt dennoch umzusetzen, an eine Verzögerung glaubt er nicht. Er sieht sogar einen gewissen Vorteil in der Ablehnung: "Wir sind dem staatlichen Kontrollzwang nicht unterworfen, müssen nicht für jeden Kugelschreiber eine Quittung vorlegen." Bradtka ist sich sicher: "Der Habichtskauz wird 2017 wieder in Nordostbayern fliegen."

Comeback nach 100 JahrenSeit rund 100 Jahren gilt der Strix uralensis in Nordbayern als ausgestorben. Der VLAB will den Habichtskauz heimholen. Das Projekt ist auf zehn Jahre ausgelegt, es wird von verschiedenen Experten begleitet. Vorbild der Aktion ist eine Aussiedlungsaktion in Niederösterreich. Laut Johannes Bradtka läuft diese seit 2008 problemlos und wird auch von der Bevölkerung hervorragend angenommen, der Habichtskauz werde zunehmend zum Werbeträger für sanften Tourismus. Probleme mit Jägern, Land- und Fischerwirten gebe es nicht: Der Vogel lebt beinahe ausschließlich von Mäusen. (wüw)
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