Sozialministerin Emilia Müller in Erbendorf
Auf einem guten Weg

Die bayerische Staatsministerin Emilia Müller sprach in Erbendorf zum Thema Inklusion. Bilder: njn (2)
Politik
Erbendorf
12.06.2016
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Der KiWi-Chor aus Waldsassen gestaltete die Veranstaltung des Inklusionsnetzwerkes musikalisch.

"Wir wollen, dass Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben führen und dass sie teilhaben können an der Gesellschaft." Das sagte die bayerische Staatsministerin Emilia Müller beim Treffen des "Netzwerk Inklusion" in der Stadthalle.

Ein Stau auf der Autobahn war schuld, dass Staatsministerin Emilia Müller gut eine halbe Stunde später nach Erbendorf kam, um vor über 150 Gästen über die Schaffung inklusiver Strukturen durch Netzwerke zu sprechen. Begrüßt wurde sie vom Vorsitzenden der Lebenshilfe und der Offenen Behindertenarbeit/Familienentlastender Dienst Tirschenreuth, dem ehemaligen Landrat Karl Haberkorn. Mit dabei waren zahlreiche Bürgermeister aus dem Landkreis, unter ihnen auch der Hausherr der Stadthalle, Erbendorfs Bürgermeister Hans Donko.

"Als Sozialministerin ist es mir ein großes Anliegen, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben können", stellte die Ministerin fest. Dazu brauche es aber zahlreiche Kooperationen und Netzwerke mit dem Ziel, in den Bereichen Bildung, Arbeit und Freizeit inklusive Strukturen aufzubauen. "Das Netzwerk Inklusion im Landkreis Tirschenreuth ist hier auf einem guten Weg", stellte sie fest. Sie habe gerne die Schirmherrschaft über dieses Projekt übernommen. Denn sie, Müller, wie auch die Bayerische Staatsregierung, wollen, dass Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben führen. "Ein Leben mit und ohne Handicap in der Gesellschaft."

Eigene Erfahrungen


Einen Blick ließ Müller auch in ihre eigene Lebensbiografie zu. "Ich habe selbst erlebt, wie es ist, mit einem Menschen mit Behinderung zu leben." So bekam ihr Bruder mit neun Jahren eine Behinderung, genau an jenem Tag, als der Vater starb. "Aufgrund seiner epileptischen Anfälle musste er nach gut einem Jahr vom Gymnasium runter", sagte Müller. "Darauf war man damals noch nicht vorbereitet. Inklusion kann deshalb nur gelingen, wenn es gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Teilhabe vor Ort mit Leben erfüllt wird." Im Landkreis Tirschenreuth werde das mit dem Projekt besonders gelebt. Die Netzwerke könnten auch für sich etwas erreichen.

Bayern habe mit seiner Behindertenpolitik bereits viel erreicht. So habe sich der Freistaat aufgemacht, die UN-Behindertenkonvention umzusetzen. Auch solle nach dem bayerischen Inklusionsplan der Weg zu einer inklusiven Gesellschaft geebnet werden. "Bis zum Jahr 2023 soll Bayern barrierefrei sein", stellte Müller fest. Dazu zählte sie die Bereiche Mobilität, Bildung und staatliche Gebäude. "Hierfür stehen im Doppelhaushalt des Freistaats über 200 Millionen Euro zur Verfügung."

Problem Bahnsteige


Sie wies aber gleichzeitig darauf hin, dass so manche Krankenhäuser, Altenheime und Arztpraxen derzeit noch nicht barrierefrei seien. Deshalb seien 18 Beratungsstellen im Freistaat eingerichtet worden, die sich mit dem Thema Barrierefreiheit befassen. "Der Bund ist nicht immer kooperativ", stellte Müller zur Barrierefreiheit fest. "Ein mühevolles Geschäft ist das mit den Bahnsteigen", gab sie zu. Es laufen Gespräche mit der Bahn. "Wir sind an der Sache dran." Nach der Staatsministerin werde auch der Tourismus in diesem Zusammenhang angeschoben. Barrierefrei müsse auch das Internet gestaltet werden. Dazu sprach sie das Projekt "Leichte Sprache" an, dass das Ziel verfolge, komplizierte Texte zu vereinfachen.

Abschließend ging sie auf die gezielte Förderung von Menschen ein, um sie auf dem Arbeitsmarkt einzugliedern, damit sie am Arbeitsprozess teilhaben können. Einen Dank für die Arbeit vor Ort sprach Emilia Müller allen Partnern des Netzwerks Inklusion aus, die dazu beitragen, dass die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung verbessert werden und sie ihren Platz in der Gesellschaft finden.
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