Stadtrat wünscht sich neues Museum
Erbendorfs „Haus der Geschichte“

Das gesamte Anwesen mit früherer Remise soll museal und als Dokumentations- und Begegnungsstätte genutzt werden. Bild: RSP Stiefler Bayreuth
Politik
Erbendorf
23.11.2016
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Seit Jahren sucht Erbendorf für das Haus in der Bräugasse 23 eine neue Nutzung. Am Montag machte Bürgermeister Hans Donko dem Stadtrat einen Vorschlag, den die Räte nicht ablehnen wollten: ein Museum zum Thema "Gewaltherrschaft, Flucht und Vertreibung".

"Das denkmalgeschützte Anwesen ist in einem sehr schlechten Zustand, vor allem die Nebengebäude", stellte Bürgermeister Hans Donko in der Sitzung fest. Das zentralgelegene Gebäude trage nicht zur Aufwertung bei. Gute Aussichten auf EU-Mittel machen nun ein neues Projekt möglich, dessen Kosten Hans Donko mit 3,3 Millionen angab.

Historische Szenen


Dr. Josef Paukner aus Regensburg legte den Räten eine Projektstudie vor, die ein Museum mit Dokumentations- und Begegnungsstätte empfahl. In die Planung ist bereits das Atelier Erich Hackel aus München eingebunden. "Zeitlich ist genügend Abstand zum Nationalsozialismus, man kann sich nun damit befassen", sagte Dr. Paukner. Unter dem Arbeitstitel "Miteinander leben" soll das Thema "Gewaltherrschaft, Flucht und Vertreibung" aufgegriffen werden. Das Museum soll das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen und verschiedener Weltanschauungen in der nördlichen Oberpfalz von 1920 bis in die Nachkriegsjahre zeigen.

Im Erdgeschoss des Nebengebäudes soll ein Foyer mit Veranstaltungssaal entstehen. Im Hauptgebäude sind Büro- und Sanitärräume geplant. Der erste Stock beider Gebäude sowie das Dachgeschoss bieten Platz fürs Museum. "Das Museum schafft durch die Präsentation von Objekten und durch die Nachbildung historischer Szenerien einen sinnlichen Zugang zu historischen Entwicklungen und kann die Menschen besonders berühren."

Mit Partnerstadt Plesna


Ausdrücklich hob Paukner hervor, dass das Museum sich nicht alleine auf Erbendorf, sondern auf die ganze Region bezieht. "Zielgruppen sind Kinder und Jugendliche aus der gesamten Region." Senioren sollen als "Zeitzeugen" und Besucher angesprochen werden. Donko sprach von einer "beeindruckenden Studie".

Das Konzept soll gemeinsam mit der tschechischen Partnerstadt Plesna eingereicht werden. Kosten soll das Museum 1,1 Millionen Euro. Enthalten seien auch Personalkosten für drei wissenschaftliche Mitarbeiter für drei Jahre in Höhe von circa 300 000 Euro. "Die Gebäudesanierung erfolgt aus der Städtebauförderung." Die Kosten für den Gebäudeteil bezifferte er auf 2,3 Millionen Euro. "Das Anwesen hat architektonischen Reiz", stellte CSU-Fraktionsvorsitzender Johannes Reger fest. Ihm ist es wichtig, dass dieser Teil der Geschichte aufgearbeitet wird. "Regensburg bekommt ein Haus der Geschichte, warum auch nicht Erbendorf?", fragte Stadtrat Bernhard Reis (SPD). Wichtig sei, das Haus mit Leben zu füllen, was mit diesem Projekt gelingen werde. In seiner Eigenschaft als Lehrer der örtlichen Mittelschule stellte er fest, dass das Thema zeitgemäß medial präsentiert werden könne. Bernhard Schmidt berichtete, dass seine Freien Wähler unterschiedlicher Auffassung seien. "Trotzdem ist es ein guter Gedanke und eine tolle Idee." Die Förderung aus zwei Töpfen sei ein guter Ansatz, es bleibe aber auch eine Belastung für die Stadt.

"Stück Identität"


Schmidts Fraktionskollege Rolf Hanauer unterbreitete den Vorschlag, das Haus zurückzusetzen, um eine bessere Straßenführung zu erzielen. Donko wies darauf hin, dass ein Beschluss über die Maßnahme nicht vorgesehen sei, es gehe nur um die Aufnahme in die Förderung. "Das Haus verlang nach einem Museum", stellte Sonja Heindl für die CWL fest. "Mit der Sanierung kann ein Stück Identität erhalten werden", fügte Karlheinz Rottmann an. Einstimmig beauftragte das Gremium die Verwaltung, den Förderantrag vorzubereiten und einzureichen.
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