Windkraft bei Gramlhof
10H gilt hier nicht

Auf dem Bergrücken neben dem Gramlhof soll demnächst ein neues Windrad stehen. Bild: njn
Politik
Erbendorf
20.08.2016
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Eine Windkraftanlage bei Gramlhof steht kurz vor der Genehmigung. Der Widerstand aus dem benachbarten Frodersreuth bleibt dennoch bestehen.

Wildenreuth/Frodersreuth. Nach gut sieben Jahren scheint es mit den Plänen für Windkraftanlagen bei Gramlhof ernst zu werden. Laut Landrat Wolfgang Lippert sei die Genehmigung zwar noch nicht erteilt und es werde auch in den nächsten Tagen nicht passieren. Es sei aber richtig, dass die Prüfung eines Bauantrags fortgeschritten sei. Wenn nichts Ungewöhnliches passiert, werde die Genehmigung in absehbarer Zeit raus gehen..

Laut Lippert geht es konkret um eine insgesamt 150 Meter hohe Anlage. Diese soll bei Gramlhof, etwa 600 Meter von Frodersreuth entstehen. Lippert macht kein Geheimnis daraus, dass er davon nicht begeistert ist. Er war dagegen, als der Kreistag im Dezember 2014 die Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet herauslöste. "Für meine Begriffe droht hier genau diese Verspargelung der Landschaft, die wir alle nicht wollen." Allerdings müsse er als Landrat geltendes Recht umsetzen. Derzeit spreche deshalb vieles für eine Genehmigung des Antrags. Zu möglichen weiteren Windrädern an der Stelle, könne er nichts sagen: "Derzeit liegt uns nur dieser eine Antrag vor."

Die nahende Genehmigung hat sich auch bis zu Siegfried Wieder herumgesprochen und der Frodersreuther ist noch deutlich weniger begeistert als der Landrat. Als Sprecher der Bürgerinitiative setzt er sich seit vergangenem Jahr gegen die Windkraftanlage ein. "Wir werden prüfen, ob wir juristisch gegen die Genehmigung vorgehen können." Für fragwürdig hält Wieder verschiedene Punkte.

So habe das Landratsamt Tirschenreuth erst am 5. März 2014 die Vollständigkeit der Antragsunterlagen bestätigt - und damit einen Monat nach dem 10-H-Stichtag. Ab dem 4. März gilt die Regelung, dass Abstand der Windräder zur nächsten Wohnbebauung die zehnfache Gesamthöhe betragen muss. "Für mein Verständnis, ist die Frist also nicht eingehalten." Sein Wohnort würde von der Abstandsregel zunächst nicht profitieren. Frodersreuth ist zwar nur 600 Meter entfernt, weil es für den Weiler keinen Bebauungsplan gibt, profitieren die Menschen nicht von der 10-H. Aber auch nach Wildenreuth sind es nur 1100 Meter, der Abstand müsste dann aber 1500 Meter betragen, rechnet Wieder vor.

Für fragwürdig hält er auch das Ergebnis der Speziellen Artenschutzrechtlichen Prüfung an. "Das erinnert mich an ein Gefälligkeitsgutachten." Das beginne damit, dass die rund 100 Seiten zu großen Teilen aus "zusammenkopierter" Fachliteratur bestehe. Dagegen fehlen Informationen zu Wetter, Wind oder auch zur Ausrüstung, mit der der Gutachter unterwegs war, um die eingeplante Fläche auf geschützte Tiere hin zu untersuchen. Zweifel hat Wieder auch an den im Gutachten nachgewiesenen Tiere. Ein Gutachten im Auftrag des Naturschutzvereins VLAB im Vorjahr habe ganz andere Ergebnisse erbracht.
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3 Kommentare
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 21.08.2016 | 23:25  
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Klaus Bergmann aus Windischeschenbach | 10.10.2016 | 10:27  
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 12.10.2016 | 23:47  
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