Hans Pohl erinnert sich an Muhammad Ali
Eine Stunde lang beim Größten

Zwei in ihren besten Jahren: Hans Pohl mit Muhammad Ali vor dem Bayerischen Hof. Bild: privat
Sport
Erbendorf
06.06.2016
455
0

Fernsehen, Zeitungen, Internet: Alle erinnern an Muhammad Ali. Hans Pohl braucht dazu keine Medien, er hat eigene Souveniers. Und vor allem hat er die Erinnerung an eine Stunde im Jahr 1976, die er gemeinsam mit dem größten Boxer aller Zeiten verbrachte.

In der Suite 32 im Bayerischen Hof empfing Muhammad Ali Hans Pohl. Er lebte damals direkt neben dem Luxus-Hotel und war Box-Fan. Als er erfuhr, dass Ali dort wohnte, um sich auf den Kampf gegen den Briten Richard Dunn in der Olympiahalle vorzubereiten, ging er einfach an die Rezeption und erkundigte sich nach dem Zimmer des Boxers: "Heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen", sagt der 77-Jährige, aber damals habe man ihn einfach durchgewunken. Auf sein Klopfen hörte er sofort ein schlichtes "Come in" - und schon war er drin in Alis Zimmer.

Pohl erinnert sich noch daran, dass gerade eine türkische Familie zu Besuch war. "Denen hat er etwas Geld zugesteckt." Pohl wollte kein Geld, ein Foto, ein Autogramm und ein kleiner Plausch mit Ali waren ihm lieber. Alles war kein Problem: "Als ich ihm meine Ausgabe von seinem Buch zum Unterschreiben gab, hat er sich bei mir für den Kauf bedankt." Die ganze Zeit sei der Boxer völlig unkompliziert gewesen, habe mit Kindern gespielt, gescherzt und Spaß gemacht." Von Arroganz oder Starallüren hat Pohl gar nichts bemerkt. Als er Ali einige Tage später beim Laufen im Englischen Garten begegnete, habe der ihn sofort wiedererkannt. "Er hat mich im Vorbeilaufen freundlich gegrüßt."

Heute lebt Pohl schon bald 20 Jahre in Erbendorf. Seine im vergangenen Jahr verstorbene Frau stammte aus Eisersdorf. Den Lebensabend wollten die beiden in ihrer Heimat verbringen. Pohl hat sich sehr gut eingelebt, hat viele Freunde, fungiert als Stadionsprecher des TSV Erbendorfs und engagiert sich beim FC-Bayern-Fanclub.

Zum Boxexperten wurde Pohl in jungen Jahren allerdings beim Lokalrivalen: Als Amateur stieg er für den TSV 1860 München in den Ring, außerdem spielte er selbst Eishockey. Sein Bruder war in dieser Sportart sogar Deutscher Meister und Nationalspieler. Für Pohl selbst war der Sport immer nur ein Hobby, sein Geld verdiente er bis zu seinem Ruhestand in einer Bank.

Pohls Herz und Begeisterung gehörten aber schon immer dem Boxsport, und Ali war der größte Boxer aller Zeiten, davon ist Pohl überzeugt. Und das habe nichts mit seiner Begegnung im Bayerischen Hof zu tun. Ali sei schon vorher sein Idol gewesen, für ihn stand er nachts auf, um die Kämpfe zu sehen. Vor und nach ihm habe es keinen besseren mehr gegeben. Klitschko? Der hätte keine Chance. "Ali wäre für den doch viel zu schnell gewesen", so Pohls Expertenurteil. Diese Geschmeidigkeit, die Schnelligkeit habe ihn an Ali beeindruckt. Pohl glaubt deshalb nicht, dass der Boxsport schuld war an der Parkinson-Krankheit, die Ali in seinen letzten Lebensjahren immer mehr zeichnete. "Der war doch so schnell, den hat doch fast kein Gegner wirklich getroffen."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.