Abwärts

Wäre das eine Szene aus einem klassischen Horror-Film, würde man den unterirdischen Gästen dringend raten wollen, nicht um die Ecke zu biegen.
Vermischtes
Erbendorf
20.08.2016
34
0
 
Dem eigentlichen Hauptraum im "Steinhauser-Keller" ist ein aus Backstein gemauertes Gewölbe vorgelagert.

Auf den ersten Blick bleiben die Felsenkeller verborgen. Doch es gibt sie in der Steinwaldstadt, wenn auch nicht mehr so zahlreich wie noch zum Ende des 19. Jahrhunderts. Damals waren es noch über 40, die im Laufe der Zeit aber wieder verschwanden.

Anlässlich der 900-Jahrfeier der Stadt im Jahr 2009 weckten die von Jochen Neumann initiierten Felsenkellerwanderungen großes Interesse. Seither steigen bei den Führungen nicht nur Einheimische, sondern auch "Höhlenforscher" aus ganz Deutschland in die Erbendorfer Unterwelt ein.

Die Kelleranlagen haben aber auch Interesse bei höherer Stelle geweckt. Seit gut zwei Jahren wird in Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Sachgebiet Hohlraumerfassung, der Bestand erfasst, untersucht und dokumentiert. Ein Team um den Geoökologen Dr. Thomas Striebel aus Eckersdorf ist seit geraumer Zeit deshalb in der Stadt unterwegs und erforscht die Keller. Im kommenden Jahr soll der Stadt die Dokumentation vorliegen.

Nicht nur für's Bier


In früherer Zeit durchzogen zahlreiche Kellergänge die Stadt, die nicht nur zur Lagerung von Bier und Lebensmitteln dienten. "Ein Großteil der Felsenkeller wurde im 17. und 18. Jahrhundert angelegt", sagt Jochen Neumann, der die Wanderungen durch den Untergrund leitet.

"Erbendorf wurde in alter Zeit vor allem durch den Bergbau geprägt", führt Neumann aus. Die Menschen bauten damals vor allem Erze wie Eisen, Silber und Gold ab. Erst im 19. Jahrhundert kam Steinkohle dazu. "Um an die Erze zu gelangen, trieben die Bergleute an Wegen und Straßen im Stadtgebiet schmale und nicht sehr hohe Stollen in die Erde und Felsen", so Neumann. "Wurde es für die Bergleute zu schwierig weiter zu graben oder wurde nichts Abbaubares gefunden, wurden die Stollen und Löcher einfach zurückgelassen."

Wie er weiter ausführte, machten sich in späteren Jahrhunderten die Erbendorfer Bürger diese Hinterlassenschaft zu nutze. "Sie vergrößerten die Stollen und Gänge, um diese zur Lagerung von Waren und Nahrungsmittel zu verwenden." Vor allem in der Frühmeßgasse fanden sich in früherer Zeit mehr als 12 Felsenkeller, die von der Straße her begehbar waren.

"Bei konstanten Temperaturen von 8 bis 10 Grad wurden die Keller auch zur Lagerung von Bier verwendet", sagt Neumann. Diese erfolgte meist in Nebengängen abseits der Hauptgänge. "Auf diese Art wurde im Herrmannkeller das Bier gelagert." Dieser Keller gehörte der einzig in Erbendorf existierten Privatbrauerei. 1868 erbaute sich der Bierbrauer Wolfgang Bauer an der Stelle des heutigen Kolpinghauses ein eigenes Brauhaus. 1905 ging die Brauerei an Johann Herrmann über, der 1909 den Betrieb einstellte, aber den Gasthof "Herrmann" weiterführte.

Fische im Becken


Auch der Steinhauserkeller, der heute noch im Besitz des Gasthofs "Zum Roten Roß" ist, war in früherer Zeit Bier-Lagerstätte. Eine Besonderheit in diesem Felsenkeller: Neben der Lagerung von Nahrungsmitteln und Bier waren sieben kleine Wasserbecken im Keller, die von einer Quelle gespeist wurden und in denen lebende Fische für die Gastwirtschaft aufbewahrt wurden.

Wie alt dieser Keller im heutigen Ausbauzustand ist, zeigt eine Jahreszahl auf einem Türstock: 1778. Zahlreiche kleinere Felsenkeller existierten an den Abhängen am Mühlbühl, wo die Bürger der Pfarr- und Spitalgasse ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse lagerten. Einige liegen hier noch heute eng nebeneinander.

Führung: 27. AugustDie nächste Felsenkellerwanderung findet am Samstag, 27. August, statt. Treffpunkt ist um 19 Uhr auf dem Kirchplatz beim Heimatmuseum. Um Anmeldung im Verkehrsamt der Stadt Erbendorf unter Telefon 09682/9210-22 wird gebeten. Der Eintritt kostet zwei Euro. Nähere Informationen und weitere Termine sind auch auf der Internetseite der Stadt unter www.erbendorf.de zu finden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.