Das Café Kohr zwischen Tradition und Moderne
Wo Tortenträume wahr werden

Drei Generationen in der Backstube. Chef Friedrich Kohr (links) bekommt Unterstützung von Tochter Barbara und Vater Fritz.
Vermischtes
Erbendorf
26.02.2016
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Das Café strahlt auch nach der Renovierung den Charme vergangener Zeiten aus. Barbara Kohr (links) will die Tradition erhalten.
 
Seniorchefin Hilde und Schwiegertochter Karin Kohr (von links) helfen im Verkauf und packen auch im Hintergrund mit an. Senior Fritz ist Seele und Gesicht des "Kohr". Bilder: Schönberger (5)

In der Konditorei Kohr entstehen Tortenträume. Drei Generationen arbeiten im Betrieb. Die jüngste im Bunde, Barbara Kohr, bringt frischen Wind in den Laden - und Ideen für ungewöhnliche Kreationen.

"Diese Woche hat eine Kundin angerufen und wollte wissen, ob wir aus etwas Süßem Sushi machen können. Da hab ich kurz überlegt, mir einen Plan gemacht und zugesagt." Bei Barbara Kohr läuft das unkompliziert. "Was möglich ist, machen wir." Die Junior-Chefin im Café Kohr will auch die jüngere Generation ansprechen, bringt Schwung in den Traditionsbetrieb. "Kleine Betriebe haben's oft schwer, man muss im Gespräch bleiben." Familie Kohr präsentiert ihr Café inzwischen auch in den sozialen Medien, um junge Leute ins Café zu locken. "Viele Kinder kommen mit ihrer Oma, aber wenn die Oma einmal nicht mehr ist, wie kommen die Jungen dann zu uns? Wir müssen an die Zukunft denken."

Das Café Kohr wurde vor einigen Jahren renoviert, bleibt aber seinem Stil treu. So spricht der Charme früherer Tage alle Generationen an, man fühlt sich ein bisschen in eine andere Zeit versetzt. "Bei uns soll es trotz aller Modernisierungen immer gemütlich sein. Wir wollen uns in keine Reihe mit anderen Cafés einketten, man soll Pause vom hektischen Alltag machen." Das Café Kohr ist ein lang geführter Familienbetrieb. Seit 1883 ist es in Familienbesitz. Im Moment ist Friedrich Kohr der Chef, seine Tochter Barbara steht in den Startlöchern. Die 26-Jährige arbeitet seit 2013 im Café und der Konditorei mit. Das war nicht von Anfang an ihr Plan.

Backen mit Handicap


Weil sie in der Jugend besonders ausgeprägt allergisch auf Mehl und Nüsse reagierte, konnte die junge Frau nach der Schulzeit keine Ausbildung zur Konditorin machen. Sie lernte Bürokauffrau und arbeitete in einem Büro. Doch das reichte ihr irgendwann nicht mehr, sie beschoss die Konditorausbildung nachzuholen. Mittlerweile hat sie den Meistertitel. Konditorin werden - war das schon immer ihr Traumberuf? "Als ich klein war, wollte ich das machen. In der Jugend nahm ich dann wegen der Allergie Abstand von dem Gedanken." Mittlerweile geht es ihr besser, sie hat gelernt, damit umzugehen. "Ich bearbeite Sachen mit Nüssen nur mit Handschuhen, das geht schon."

Barbaras Vater und Chef Friedrich hatte es nicht so leicht, er durfte nicht entscheiden, welchen Beruf er wählt. "Nach meiner Geburt ging die Hebamme raus und sagte zu meinem Vater: 'Es ist ein Fritz!' Da war mein Weg im Familienbetrieb vorgezeichnet." Die Erwartungshaltung seiner Eltern war groß. "Es war nicht mein Traumberuf." Trotzdem machte Friedrich die Ausbildung, war als Konditor dann in Garmisch, Hannover, Zürich und Köln unterwegs. In Köln machte er seine Meisterprüfung, "1983 bin ich nach Hause gekommen und arbeitete mit meinem Vater zusammen." Es dauerte dann noch 12 Jahre, bis er die Konditorei von seinem Vater übernahm. Friedrich Kohr gibt zu, dass das nicht leicht war. Die junge Generation mischt sich plötzlich in das Geschäft ein, hat eigene Vorstellungen, vielleicht andere Vorgehensweisen. "Als Junger muss man natürlich dann mit Leistung überzeugen." Trotzdem durfte sich der 56-Jährige einbringen, realisierte eigene Ideen.

Berühmte Partys


Auch zu der Zeit, als sein Vater Fritz Kohr das Zepter in Café und Konditorei in der Hand hatte, war der Betrieb weit über Erbendorf hinaus bekannt. "Beim Kohr" fanden von 1970 bis 1985 berühmte Hausfaschings statt, "die Leute drängten sich im Keller an die Bar, es war kein Durchkommen", weiß Friedrich aus den Erzählungen seines Vaters. "Auch die Stammtische waren berühmt, in Dreier-Reihen saßen die Leute um die Tische." Und mittendrin war immer Fritz Kohr, das Gesicht des Hauses.

Heute arbeitet Fritz, mittlerweile 88, zwar nicht mehr so intensiv mit, aber er ist immer präsent. Er unterhält sich mit den Gästen und packt an, wenn Not am Mann ist. Die Partys gehören der Vergangenheit an, trotzdem ist "das Kohr" immer noch Treffpunkt für alle Generationen. Und probiert man die leckeren Torten und Pralinen, dann weiß man, dass das Café nicht nur wegen der schillernden Vergangenheit so berühmt ist.

Konditorei und Café50 Sorten Pralinen, Kuchen, Torten, Schokoladenfiguren und Eis: Dafür ist die Konditorei Kohr in Erbendorf bekannt. Und auch für das einzigartige Café, das seit langer Zeit im klassischen englischen Stil die Kunden in seinen Bann zieht.

Vor drei Jahren ist es zuletzt renoviert worden, die Stühle und Bänke bekamen neue Polster. An der restlichen Ausstattung hat sich allerdings nichts geändert. "Der klassische Stil soll erhalten bleiben. Das Alte ist sehr wertvoll und wo gibt es so etwas denn heute noch in unserer Umgebung", erzählt Barbara Kohr. Seit 26 Jahren gibt es neben dem Café auch einen Wintergarten. (pzaf)


Hintergrund
Tradition reicht über 130 Jahre zurück

Erbendorf. (pzaf) Seit 1883 besteht der Familienbetrieb, den Fritz Kammerer in Alleinregie aufgebaut hat. Er betrieb zudem eine kleine Landwirtschaft. Seine Tochter Johanna heiratete 1926 Konditormeister Hans Kohr, dem Vater des heutigen Seniorchefs Fritz Kohr.

Er bekam 1958 das Geschäft, das im Laufe der Jahre immer wieder saniert und umgebaut wurde. Fritz Kohr kaufte 1969 auch ein zweites Gebäude dazu. Seit 1983 wirkt Sohn Friedrich nach erfolgreicher Meisterprüfung mit Frau Karin an der Vergrößerung und Modernisierung der Konditorei und des Cafés mit. Seit 1995 ist er Geschäftsführer. Tochter Barbara arbeitet seit 2013 mit in der Backstube und soll in einigen Jahren den Betrieb übernehmen. Derzeit hat die Konditorei zwölf Mitarbeiter, darunter in der Backstube vier Lehrlinge, eine Gesellin und der Chef Friedrich Kohr selbst.

Mit der Zeiten ändert sich der Geschmack

Erbendorf. (pzaf) Es gibt nichts, was es nicht gibt. Der Name Kohr steht für Individualität. Kohr und seine Mitarbeiter wollen auf die Wünsche der Kundschaft eingehen und wenn nötig auch das Unmögliche möglich machen. Angefangen bei Spezial-, Motivtorten bis zu neuen Pralinenkreationen. "Der Kunde sorgt hauptsächlich für die Weiterentwicklung", bestätigt Friedrich Kohr. "Die Produkte, die es früher gab, gibt es, was die Rezeptur und die Auswahl betrifft, überhaupt nicht mehr", erzählt Kohr weiter. Angefangen hatte der erste Besitzer Fritz Kammerer mit einem Sortiment an Lebkuchen, Kuchen und Bonbons.

Auch für größere Firmen hat die Konditorei schon Torten und Eisbuffets gestaltet. Kohr erinnert sich an ein Büfett für 600 Leute in der Firma CeramTec in Eschenbach. Dabei probiert der Chef in der Backstube noch alle Gebäcke und Pralinen selbst. "Eher zur Kontrolle, nicht wegen des Genusses", fügt er hinzu. Man müsse dabei auch die äußeren Einflüsse beachten. "Im Sommer sind Geschmack und Konsistenz anders als im Winter."

Tochter Barbara arbeitet seit ihrer Meisterprüfung 2013 im elterlichen Betrieb mit und möchte mit Neuerungen und auch neuen Produkten die Konditorei weiterentwickeln. Eine Facebook-Seite hat sie schon angelegt. Damit möchte sie vor allem die jungen Leute erreichen, die eher auf digitalem Weg auf die Konditorei aufmerksam werden. Auf der Seite sind vor allem Bilder von besonderen Torten zu sehen.
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