Der Kapitän und die Heimat

Siegfried Rauch erzählt von Heimat, Kindheit und der weiten Welt. Bild: pckl
Vermischtes
Erbendorf
11.07.2016
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Er hat die schönsten Orte der Welt gesehen. Sein Aufenthalt in Erbendorf ist jedoch eine Premiere: Mit Stargast Siegfried Rauch sticht das Aribo-Hotel am Sonntag erfolgreich in See. Rauch - stilecht mit Pfeife im Mundwinkel - plaudert aus dem Nähkästchen.

Der wohl bekannteste Kapitän Deutschlands war am Sonntag zu Gast. Ein Anruf von Hoteldirektor Werner Pürner genügte, um Siegfried Rauch vom Projekt Schiffstaufe zu überzeugen. Das Konzept des Hotels war ausschlaggebend. Er habe schon viel erlebt mit seinen 84 Jahren, aber ein Schiff hat der Botschafter der Bayerischen Seenschifffahrt bisher noch nie getauft. Und erst recht keines, das das Trockendock niemals verlassen wird.

Wunderschöne Oberpfalz


Dem gebürtigen Oberbayern gefällt es in der Oberpfalz. Denn sie ist eine der wenigen Gegenden, "wo die Leute noch unverdorben sind", erzählt er. Auch in Weiden war er schon einmal, zur Bergweihnacht. "Die Menschen hier sind so wie sie sind." Er bewundert die wunderschöne Landschaft, die im Gegensatz zu seiner oberbayerischen Heimat noch ursprünglich und unverbaut ist - wie die Oberpfälzer selbst auch. Das sei genau das, was die Leute in Zukunft suchen. Keine schlechten Aussichten also für das Hotel.

Für die Fernsehzuschauer und die Passagiere der "MS Deutschland" war er immer der Kapitän. Der eigentliche Kapitän ist jedoch Andreas Jungblut, der im Hintergrund immer da war, um Rauch zu unterstützen, berichtet er. Nicht immer war die Schauspielerei Rauchs Traumberuf. Als Kind wollte er Kapitän werden. Vielleicht ist er gerade deshalb so authentisch. Die ersten Jahre seines Lebens hat er am Ammersee verbracht, der ihm damals riesengroß wie ein Meer erschien. Wann immer das Ausflugsschiff anlegte, rannte er staunend zum Steg. Als sein Vater ihm erklärte, dass der Kapitän das Schiff steuert, war ihm klar: Das will ich auch. "Believe in your dreams" - "Glaube an deine Träume", das ist Siegfried Rauchs Motto. Im Leben müsse man einen Wunsch haben. Und sein Kindheitstraum erfüllte sich schließlich in seiner bekanntesten Rolle. Er ist jedoch im Nachhinein froh, kein echter Kapitän geworden zu sein. "Das ist ein harter Job. Ein Kapitän ist fast immer auf See", sagt Rauch. Heiraten sei da kaum möglich. Für den Familienmenschen ist das keine schöne Vorstellung.

Auch mal raus in die Welt


Auch er war lange Zeit auf der ganzen Welt unterwegs, aber zu Hause in seinem kleinen oberbayerischen Heimatdorf ist es doch am schönsten. Das gilt auch für die fast unberührte Oberpfalz. "Heimat ist Heimat", da ist sich Rauch sicher. Papua-Neuguinea ist ein Paradies, aber leben möchte er dort nicht. In den Tropen vermisst er vor allem die Jahreszeiten. Das ganze Jahr heißes und feuchtes Wetter, das ist nichts für ihn. "Klimatisch sind wir hier in einer wunderbaren Welt." Von Naturkatastrophen wie Tsunamis und Erdbeben bleibt man weitestgehend verschont, auch wenn sich der Klimawandel bereits bemerkbar macht. Trotzdem, findet er, muss man auch mal raus aus der gewohnten Umgebung und die Welt entdecken.

Sein Alter merkt man Siegfried Rauch nicht an. In seiner Freizeit geht er immer noch gerne in seinen Wald, um schnell "zwei Ster Holz zu machen." Das ist sein persönlicher Ausgleich mit dem Nebeneffekt, dass im Winter immer genügend Heizmaterial vorrätig ist. In seiner Jugend war Rauch ein begabter Skifahrer. Während seiner Zeit beim Traumschiff durfte er jedoch nicht. Die Verletzungsgefahr war einfach zu groß. Jetzt würde er es gerne wieder versuchen, bräuchte aber vorher ein paar Trainingseinheiten. Im Kopf geht es noch, aber die Beine machen nicht mehr so mit. Mit dem E-Bike dreht er aber regelmäßig seine Runden. Gegen eine Radtour mit Taufpaten Gerd Schönfelder hätte er nichts einzuwenden. Das wäre zumindest ein Grund für ihn, einmal wieder in die Oberpfalz zurückzukehren.
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