Erbendorfer Pfarrkirche besteht seit 600 Jahren - Festgottesdienst mit Bischof em. Wilhelm ...
Brände, Baumeister, Bettelbriefe

Grundriss der Kirche. Grau der heutige Bestand, Rot die Kirche vor 1771. An der Stelle der heutigen Sakristei stand der alte Kirchturm. Repro: njn
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Erbendorf
21.09.2016
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Die katholische Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt in Erbendorf: 1416 wurde das Gotteshaus erstmals namentlich erwähnt. Bild: njn

Hinter der Erbendorfer Pfarrkirche liegt eine wechselhafte Geschichte. In den letzten 600 Jahren brannte sie mehrfach ab, wurde wieder aufgebaut und erweitert. Ihren "Geburtstag" feiert die Gemeinde mit einem Festgottesdienst mit Bischof em. Wilhelm Schraml.

"Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land." Unter diesem Motto feiert Ehrenbürger Bischof em. Wilhelm Schraml am Kirchweihsonntag um 9 Uhr eine Festmesse in der Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt. Die katholische Pfarrei hat allen Grund zu feiern. Denn heuer vor 600 Jahren wurde das Gotteshaus erstmals erwähnt. Geburtstag feiert auch der Turm der Kirche, der vor 150 Jahren fertiggestellt wurde.

Egal aus welcher Richtung - beim Anblick der Stadt dominiert unter den vielen Gebäuden die katholische Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt mit ihrem neuromanischen Turm. Obwohl Erbendorf wahrscheinlich schon mehr als 1000 Jahren bestehen dürfte, die Stadt feierte im Jahre 2009 ihre 900-jährige Ersterwähnung, ist die Pfarrkirche jüngeren Datums.

Die früheste Siedlung "Herbendorf", wie es in einer Urkunde aus dem Jahr 1109 heißt, ist auf dem Altenstädter Hügel zu suchen. Dort befand sich die St. Veits-Kirche, die Ur-Kirche Erbendorfs. An der Stelle der heutigen Pfarrkirche soll sich Überlieferungen nach vorher eine Burg oder burgähnliche Anlage befunden haben. Denn schon Kaiser Friedrich Barbarossa hielt hier im Jahre 117 3 Hoftag ab.

Über die früheste Baugeschichte der Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt ist wenig bekannt. Das Salbuch der Herrschaft Parkstein nennt 1416 neben der "alte Pfarr zu Sankt Veit" erstmals die "Pfarrkirche zu Erndorf." Damit wird die Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt in diesem Jahr 600 Jahre alt. Vom Baubeginn des Chores zeugt heute eine Granittafel an der Nordseite des Chores, die auf die Jahreszahl 1474 verweist. Ob die Kirche erweitert oder nach einem Brand neu aufgebaut wurde, ist nicht bekannt.

Stets verschuldet


Beim ersten urkundlich nachgewiesenen Brand von 1568 wurde die Kirche vollständig eingeäschert. Es wird sogar berichtet, dass die Kirchenglocken "ganz und gar zerschmolzen" und die Turmuhr verbrannte. 1676 stand der Ort wieder in Flammen. Neben 112 Häusern fiel auch die, seit 1663 simultane Pfarrkirche mit Turm dem Feuer zum Opfer. Nicht einmal 100 Jahre später, 1771, sank Erbendorf erneut in Schutt und Asche.

Durch die Brände war die Simultankirchenstiftung stets verschuldet. So musste nach dem Brand von 1771 das Geld zum Kirchenbau hauptsächlich durch Landessammlungen und Bettelbriefen an den Landesherrn und an Privatpersonen aufgebracht werden. Im Brandjahr 1771 fertigte der Erbendorfer Maurermeister Johann Bauer aus Erbendorf einen Plan der abgebrannten Kirche, der zeigt, dass die Mariä Himmelfahrts-Kirche bis dahin wesentlich kleiner war. Sie reichte nur bis zu den heutigen Seitenausgängen.

1773 legte Mauerermeister Johannes Katzenberger aus Weiden einen Plan für den Neubau der Kirche vor, der eine Verlängerung des Kirchenschiffes nach Westen vorsah. Noch im gleichen Jahr wurde unter der Leitung des Maurermeisters Johann Bauer aus Erbendorf mit dem Bau der Kirche begonnen und konnte 1775 soweit abgeschlossen werden. Wegen unzureichender finanzieller Mittel konnte der Turmbau erst 1794 in Angriff genommen werden.

Doch nur zwei Jahre später, 1796, stand das Gebäude erneut in Flammen. Während aber das Mauerwerk größtenteils erhalten blieb, wurden der Turmhelm und der Dachstuhl der Kirche vollständig eingeäschert. Aufgrund der Finanzierung verzögerte sich die Fertigstellung bis 1799. Am 22. September des gleichen Jahres wurde sie an Michaeli eingeweiht.

Letzter Anbau 1997


Unwetter und Blitzeinschläge führten mit der Zeit dazu, dass der Turm zu Beginn der 1860er Jahre baufällig war. 1864 stellte die Simultankirchenverwaltung einen Antrag auf Wiedererrichtung. Wegen statischer Probleme konnte der Turmbau an alter Stelle, der heutigen Sakristei, nicht durchgeführt werden. Es wurde ein neuer Turm mit einer Höhe von knapp 54 Meter an der Ostseite des Chores gebaut. Grundsteinlegung war am 8. Mai 1865, vollendet wurde der Bau am 18. Oktober 1866. Insgesamt kostete er 31 908 fl 34 kr. Bauführer war der Böhme Johann Jaceck.

Nach der Auflösung des Simultaneums 1919 ging die Kirche in das Eigentum der katholischen Pfarrei über. Unter Pfarrer Johann Nepomuk Heigl ging es an die Planungen, die Kirche zu erweitern. Nach Plänen des Architekten Hauberrisser aus Regensburg führte Baumeister Heinrich Bauer aus Erbendorf 1923 den Emporenanbau aus.

In den letzten 90 Jahren folgten Sanierungsarbeiten am Kirchengebäude selbst und im Inneren. So wurde 1952 an der Südseite des Chores eine Ölheizung mit Kamin errichtet. Unter Pfarrer Georg Bertelshofer fand Anfang der 1970er Jahre eine Generalsanierung statt. 1997 erfolgte der Sakristeianbau, im neuen Jahrtausend die Sanierung des Kirchturms. 2011 wurden die fünf neuen, von Bischof Wilhelm Schraml gestifteten Glocken, eingeweiht. Erstmals erklangen sie zu Weihnachten 2011.

Bischof Schraml kommt


Die Pfarrei bereitete sich auf diese Kirchweih bereits mit einem Triduum vor, bei dem drei Gottesdienste mit Predigten zu verschiedenen Themen gefeiert wurden (wir berichteten). Am Kirchweihsonntag wird Bischof em. Wilhelm Schraml zum Kirchweihfest den Gottesdienst zelebrieren. Anschließend ist ein Kirchenzug zum Kirwa-Zelt des Geselligkeitsvereins Rauchclub Erbendorf-Altenstadt auf dem Festplatz vorgesehen, wo ein Weißwurstfrühschoppen auf die Gläubigen wartet.
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