Heimat- und Bergbaumuseum mit bewegter Vergangenheit
Geschichte bis unters Dach

Sogar ein vollständig eingerichteter Tante Emma-Laden findet sich im Museum. Bilder: njn (2)
Vermischtes
Erbendorf
29.02.2016
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Museumsleiter Manfred Klöble mit einem Schuh, den ein Erbendorfer Schuhmachermeister in Handarbeit gefertigt hat.

Stadtgeschichte pur präsentiert das Heimat- und Bergbaumuseum seit über 20 Jahren im ehemaligen Schulhaus am Georg- Bertelshofer-Platz. Weit bekannt ist es für seine umfangreiche Gesteinssammlung. Am Mittefastenmarkt am Sonntag, 6. März, präsentiert es von 14 bis 16 Uhr eine Sonderausstellung mit historischen Wand- und Tischuhren.

Die Einträge im Gästebuch zeigen es. "Die Besucher sind von unserem Museum begeistert", freut sich Leiter Manfred Klöble. Als Vorsitzender des Heimatpflegevereins Erbendorf führt er mit einem Team das Museum in dem altehrwürdigen Gebäude. "Wir haben nicht nur Geschichte im Haus, auch das Haus selbst hat eine abwechslungsreiche Geschichte."

"War es zuerst nur Schule, wurde es 1663 Simultanschulhaus", erklärt Klöble. In dem damals nur erdgeschossigen Gebäude wohnte der protestantische Schulmeister mit seiner Familie im protestantischen Klassenraum, der katholische Schulmeister im zweiten Klassenzimmer. Ein Unikum aus dieser Zeit, das heute noch ansatzweise zu sehen ist, ist der offene Kamin der Küche. "Die Küche selbst mussten die Schulmeisterehefrauen gemeinsam nutzen, ganz simultan."

Der Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1796 brachte vor allem für die Schulmeisterfamilien eine Besserung. Im nun zweistöckigen Gebäude hatten sie im ersten Stock ihre eigenen Wohnungen. Aufgrund der steigenden Schülerzahlen errichteten die Evangelischen ihr Schulhaus am Unteren Markt. Ab 1860 wurde es als katholische Schule weitergeführt und nach Norden hin erweitert.

Onkel von Max Reger


Mit dem Bau des katholischen Schulhauses in der Bräugasse, in dem sich heute das Berufsbildungszentrum Erbendorf befindet, wurden aus dem simultanen Schulhaus Mietwohnungen. "Hier wohnte beispielsweise der Oberlehrer Theodor Roll", berichtet der Museumsleiter. "Er war der Onkel des Komponisten Max Reger, der hier in seiner Ferienzeit ein- und ausging und in der benachbarten Pfarrkirche Orgel spielte."

Eine weitere Bewohnerin war Anna Höser. Sie brachte am 13. September 1890 im heutigen Heimatmuseum den Chronisten und Heimatforscher Josef Höser zur Welt. Von 1904 bis Mitte der 1970er Jahre nutzte der Konvent der Armen Schulschwestern das Gebäude. "Im Volksmund wurde deshalb das Haus oft auch als Kloster bezeichnet", weiß Klöble.

Der Heimatpflegeverein hebe sich bereits in den 1920er Jahren bemüht, ein Heimatmuseum einzurichten. Doch erst 1995 konnten im ehemaligen Schulschwesternhaus Räume zur Verfügung gestellt werden. Unter Bürgermeister Hans Donko wurde das Gebäude renoviert. "Heute steht uns das ganze Haus bis zum Dachboden für die Museumsarbeit zur Verfügung." Zu den Themen zählt unter anderem der jahrhundertelang betriebene Bergbau. Die Dauerausstellung zeigt Exponate von der Spitzhacke bis zum Carbit-Brenner. "Viele Dokumente und vor allem Lagepläne verdeutlichen beispielsweise den letzten Bergbau bis 1926."

Achat, Jaspis, Kristalle und Gold: In die Welt der Edel- und "normalen" Steine entführt die umfangreiche Gesteinssammlung: "für Mineralogen eine wahre Fundgrube", so der Museumsleiter. Vertreten ist zudem das Handwerk, unter anderem mit historischem Webstuhl und Gerber-Werkzeugen. Seit kurzem gehört eine Hobelbank aus der ehemaligen Schreinerei Wirner zum Inventar. Auch eine Rekonstruktion der Schmiede vom "Banrucker-Schmied" findet sich, ebenso ein Tante-Emma-Laden.

Stolz ist das Museum auf die Modellanlage der Lokalbahn Erbendorf-Reuth mit dem "Erbendorfer Bockl". "Die Proteste über die Aufhebung des Personenverkehrs auf der Strecke im Jahre 1972 haben wir museal aufgearbeitet", merkte Klöble an. Bahnverkehrszeichen, Signallichter und vieles mehr runden die Schau ab.

Unzählige Sterbebilder


Nicht einmal zwei Jahre alt sind die neuen Ausstellungsräume im Dachgeschoss über die Erbendorfer Porzellanindustrie, Schule, das Frisörhandwerk und die Arztpraxen. Stolz ist Klöble nicht zuletzt auf die Sterbebildersammlung,. Sie reicht zurück bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Sonderausstellungen befassten sich mit den Stadtbränden, der Feuerwehr oder den 130. Geburtstag Hösers. Gezeigt wurde mehrmals eine umfangreiche Schmetterlingsausstellung. "Aktuell läuft die Sonderausstellung über Tisch- und Wanduhren, die uns der Sammler Klaus Schmidt leihweise überlassen hat."

Zu den monatlichen Öffnungszeiten an jedem zweiten Sonntag ist von Mai bis September auch mittwochs von 14 bis 16 Uhr geöffnet. "Sonderführungen sind nach Vereinbarung jederzeit möglich", betont Klöble.



Weitere Informationen:

www.heimatmuseum.erbendorf.de
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