Jahreshauptversammlung des Maschinenrings Tirschenreuth in Erbendorf
"Etwas läuft schief"

Gut gefüllt war die Erbendorfer Stadthalle bei der Versammlung des Maschinenrings Tirschenreuth. Bilder: njn (3)
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Erbendorf
05.03.2016
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Heute braucht man Mut in der Landwirtschaft, gerade in der gegenwärtigen Niedrigpreis-Phase.
 
Wir haben ein breites Einsatzspektrum mit hoher Kompetenz und Leidenschaft.

"Die Landwirtschaft darf nicht Prügelknabe der Nation sein." Das stellte die Geschäftsführerin des Maschinenrings Tirschenreuth, Marion Höcht, bei der Jahreshauptversammlung in der Erbendorfer Stadthalle fest.

Mit einem Gesamtumsatz von 11 Millionen Euro sowie 93 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten bezeichnete Höcht die Gemeinschaft als ein "mittelständisches Unternehmen." Mit einem Sektempfang zum 45-jährigen Bestehen wurden die Mitglieder willkommen geheißen. Partner des Maschinenrings, vom Autohaus bis zur Versicherung, informierten die Landwirte über Neuerungen. Vorsitzender Hans Enslein freute sich über den großartigen Besuch. Für ihn war der Abend etwas Besonderes: "Denn erstmals treffen wir uns zur Mitgliederversammlung außerhalb des Stiftlandes."

Viele Ehrengäste


Unter den vielen Ehrengästen aus Wirtschaft, Landwirtschaft und Politik befanden sich Landtagsabgeordneten Tobias Reiß, stellvertretender Landrat Dr. Alfred Scheidler und Bürgermeister Hans Donko. Mit von der Partie war auch der Bezirksvorsitzende des Kuratoriums Bayerischer Maschinen- und Betriebshilfsringe, Franz Roider.

"Heute braucht man Mut in der Landwirtschaft, gerade in der gegenwärtigen Niedrigpreisphase", stellte Enslein fest. An drei Punkten machte der Redner fest, dass die Landwirte in Bayern gut aufgestellt seien. "Wir haben eine ausgezeichnete duale Ausbildung, unseren Familienbetrieben liegt das Wohl der Tiere am Herzen und mit unserem Boden als wichtigste Ressource erzeugen wir nachhaltig Spitzenerträge.

"Dagegenhalten"


Die Welt braucht eine nachhaltige Produktion, wir liefern sie", so Enslein. "Doch etwas läuft schief", schränkte er ein. Hier nannte Enslein den Preisverfall. "Die Discounter bestimmen die Preise, auch bei Markenartikeln." Hier müsse die Landwirtschaft dagegenhalten. Denn die Discounter hätten Strategien, ihre Ware an den Mann zu bringen, die Landwirte nicht. "Wir brauchen ebenfalls für die Zukunft Strategien", forderte Enslein. Dass dies auch möglich sei, dessen ist sich der Vorsitzende bewusst. "Wir schaffen das." Die Mitglieder erfuhren schließlich vom Kauf des Bürogebäudes im Tirschenreuther St.-Peter-Weg. Für rund 300 000 Euro habe der Maschinenring das Anwesen von der Kliniken Nordoberpfalz AG erworben. Geschäftsführerin Marion Höcht stellte fest, dass die Landwirtschaft an vielen Fronten zu kämpfen habe. Dabei nannte sie die Preisentwicklung, die negative Darstellung der Landwirtschaft in den Medien und nicht zuletzt die vielen EU-Vorschriften. "Landwirtschaft ist Zukunft", war ihr Fazit. Diese Zukunft könne nur in der Gemeinschaft bewältigt werden. "Denn nur gemeinsam sind wir stark." Mit dem Maschinenring gebe es eine solche Gemeinschaft.

Über 81 000 Stunden waren Mitglieder für den Zusammenschluss im Einsatz. Umgerechnet seien dies 45 Vollzeitarbeitsplätze. Der Maschinenring sei ein Dienstleister für die Landwirtschaft. "Wir haben ein breites Einsatzspektrum mit hoher Kompetenz und Leidenschaft." In der Zukunft werde ein gut funktionierendes Netzwerk immer wichtiger. "Obwohl wir ein Non-Profit-Unternehmen sind, arbeiten wir effizient."

Der Maschinenring sei mit einem Umsatz von 11 Millionen Euro ein wichtiger Dienstleiter. Bürgermeister Hans Donko dankte als Gastgeber dem Maschinenring für die geleistete Arbeit. Der Geist der Gemeinschaft sei besonders hervorzuheben. Im Anschluss an die Tagesordnung gab es für die Teilnehmer vier kurze Impulsvorträge.

"Güllegemeinschaft"


So stellte Matthias Schmid die "Güllegemeinschaft 2000" im Raum Liebenstein vor. Diese wurde 1996 von 33 Landwirten gegründet. Der Maschinenring übernehme dabei die Einsatzplanung und die Abrechnung. Wie der Sprecher weiter ausführte wurden in 19 Jahren knapp eine Millionen Kubikmeter Gülle auf den Feldern ausgebracht. Für die Zukunft sieht der Geschäftsführer einige dunkle Wolken: "Die neue Düngeverordnung wird Einschränkungen und längere Sperrzeiten mit sich bringen." Wege zum Einsatz von Multicoptern, auch Flugdrohnen genannt, in der Landwirtschaft zeigte Anselm Dötterl von der Firma Global Flight auf. "Drohnen sind Werkzeuge für die Landwirtschaft und das Handwerk", führte er aus.

Verwendung finden die Geräte für Inspektionsflüge über Felder, zur Schadenssuche an Gebäuden oder auch zur Wildbeobachtung mittels Wärmebildkamera in hochgewachsenen Getreidefeldern. "Mittlerweile kann mit einem Multicopter auch Sprühmittel ausgebracht werden. Der Maschinenring habe so ein Gerät bereits in Gebrauch.

"Flexibel, leidenschaftlich, kompetent"In einem Rückblick auf 45 Jahre Maschinenring zeigte Geschäftsführerin Marion Höcht auf, dass die Betriebshilfe die Kernkompetenz der Gemeinschaft sei. "Gut 30 000 Stunden werden jährlich geleistet, damit Betriebe weitergeführt werden können." Bei den Helfern sei Flexibilität, Leidenschaft und Kompetenz gefragt. "Viele junge Helfer und Helferinnen sind im Einsatz und machen es gerne", stellte Höcht fest. "Aber auch hier ist profundes Fachwissen gefragt - wichtig für hochwertige Hilfe." Denn gegenüber der Landwirtschaft vor 20, 30 Jahren habe sich die Technik wesentlich verändert. "Wir wollen und werden uns auch für die Zukunft dieser Herausforderung stellen." Bevor die Mitglieder bei der Versammlung die heißersehnte Brotzeit bekamen, sprach Bezirksvorsitzender Franz Roider über den "Maschinenring Mitarbeiter 2020." Dabei stellte er die Maschinenring-Personaldienste GmbH vor, die für manchen Landwirt interessant sei. "Denn auch ein Bauer hat ein Recht zum Leben." Mit einer Arbeitskraft der Personaldienste habe beispielsweise der Hofinhaber mehr Zeit für sich, für die Familie und für Führungsaufgaben. "Denn die beste Art, die Zukunft vorauszusagen, ist sie selbst zu gestalten." (njn)
Heute braucht man Mut in der Landwirtschaft, gerade in der gegenwärtigen Niedrigpreis-Phase.Hans Enslein, MR-Vorsitzender
Drohnen sind Werkzeuge für die Landwirtschaft und das Handwerk.Anselm Dötterl Firma Global Flight
Wir haben ein breites Einsatzspektrum mit hoher Kompetenz und Leidenschaft.Marion Höcht, MR-Geschäftsführerin
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