Kommunbrauhaus in 3-D
Zinnober um den Zoigl

Diese Rekonstruktion zeigt die frühere West-Ansicht des Kommunbrauhauses in der Bräugasse an der Stelle der heutigen evangelischen Kirche. Der Turm links ist der alte Kirchturm der Stadtpfarrkirche. Interessante und spannende Infos zum Kommunbrauhaus und zur Biertradition in Erbendorf gibt es in der Ausstellung am Sonntag, 11. September, im Heimat- und Bergbaumuseum. Bilder: njn (3)
Vermischtes
Erbendorf
25.08.2016
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Museumsleiter Manfred Klöble freut sich schon auf das Kommunbrauhaus in 3-D. Stolz präsentiert er dem Neuen Tag einige Bilder der Außenansicht.

Kommunbier, auch Zoigl genannt, wurde über Jahrhunderte in der Steinwaldstadt gebraut. Doch 1907 war Schluss. Wenig später verschwand auch das Kommunbrauhaus. Im Heimat- und Bergbaumuseum lebt die Geschichte wieder auf, und zwar in 3-D. Zu sehen gibt es all das am Sonntag, 11. September.

"Heute erinnert nur noch eine Straßenbezeichnung an die Brautradition in Erbendorf." Museumsleiter Manfred Klöble meint damit die Bräugasse. Gegenüber dem heutigen Rathaus stand bis 1860 das Kommunbrauhaus der Stadt. "In den 1850er Jahren stellte sich die Frage: Neubau oder Renovierung."

Wie Archivpfleger Jochen Neumann in den Unterlagen im Stadtarchiv herausfand, kam es schließlich zu einem Neubau. "Ein Standort war unter anderem die Pfarrpoint am Kaiserberg, wo sich heute der Hauptzugang zum neuen Stadtpark befindet." Letztendlich wurde das neue Kommunbrauhaus dann aber 1860 in der Bräugasse errichtet, wo heute die Martin-Luther-Kirche steht.

Im Staatsarchiv Amberg existiert noch der Bauplan, den Neumann zusammen mit Beschreibungen und Unterlagen unter die Lupe nahm. Aus den Plänen rekonstruierte er am PC das Gebäude. So sind Bilder, 360-Grad-Animationen und Filmsequenzen entstanden.

"Fotografien vom Kommunbrauhaus sind bislang noch nicht aufgetaucht", bedauert Neumann. "Nur ein Bild mit der Ansicht Erbendorfs von Altenstadt aus, auf dem vom Brauhaus nur das Walmdach zu sehen ist."

Braurecht schon uralt


"Dank der Planzeichnung war auch der Innenraum mit den Kesseln, Maischbottichen und Bierkühlbecken rekonstruierbar." Und es gab natürlich auch ein kleines Bierstübchen im Obergeschoss. "Leider war in diesem neugebauten Kommunbrauhaus nach nicht einmal 50 Jahren Schluss mit Bierbrauen." Im Frühjahr 1907 wurde der letzte Brau dieses Kommunbieres gesotten.

"Das Recht, braunes Bier zu brauen, ist schon uralt", stellte Museumsleiter Klöble fest. Den Erbendorfer Bürgern wurde es im Jahre 1319 von Kaiser Ludwig dem Bayer zugesprochen. "Seither wird im Kommunbrauhaus von den brauberechtigten Bürgern gebraut."

Neben Bildern, Film und Animationen erzählt die Ausstellung an Schautafeln von der langen Brautradtition. "Und auch von manchen Kuriositäten", sagt Klöble. "Wer weiß heute noch, dass ein Urahn Schillers als Mälzer im Jahre 1596 einen großen Stadtbrand verursachte, bei dem das Kommunbrauhaus und über 400 Eimer Bier vernichtet wurden."

Überliefert ist auch die Geschichte von der Beerdigung des katholischen Pfarrers Stephan Berschmidt, bei dessen "Leichbier" insgesamt 25 Eimer und 56 Mass Bier getrunken wurden. "Das waren fast 1 600 Liter."

"Aus den Archivunterlagen ist zu lesen, dass die Erbendorfer Bürger ihr Kommunbier auch verteidigen konnten", fügt Neumann an. Beinahe 200 Jahre lagen die Erbendorfer mit umliegenden Gutsherrschaften wegen des Biers im Streit.

Am 14. November 1799 schickte die Lindenfels'sche Gutsverwaltung in Thumsenreuth ein Faß mit 4 Eimern und 10 Mass Bier zu ihrer Bierschenke in Altenstadt bei Erbendorf. Als der Knecht die ersten Häuser in Erbendorf erreichte, wurde er von einigen Bürgern gezwungen, mit seinem Fuhrweg umzukehren. Als Grund gaben sie an, dass das Bier für die gutsherrliche Schenke in Altenstadt nicht in ihrem Kommunbrauhaus gebraut worden war.

Wenige Wochen später, am 6. Dezember kam der Schloßknecht mit der gleichen Lieferung nach Erbendorf. Am Eingang des Marktes fielen diesmal einige Bürger den Pferden in die Zügel, luden das Fass ab und brachten es vor das Rathaus.

"Mit Jubel ausgesoffen"


"Was sie damit machten, schrieb Wilhelm von Lindenfels am 11. Dezember 1799 an die Landesdirektion Amberg ", erzählt Neumann. "Mit pöbelhaftem Jubel über die Großtat solches teils selbst aussoffen teils unter das mit Krügen beigelaufene Volk verteilten, einiges den dabei nicht anwesenden Magistratspersonen in das Haus schickten, davon aber mehrere keinen Anteil haben mochten, sondern solches zurückschickten".

Der Vorfall erregte auch deshalb großes Aufsehen, da diese Tat geschah, als sich gerade auswärtige Kirchenbesucher in Erbendorf aufhielten. Der Anstifter der ganzen Sache war der Bürgermeister Valentin Schreyer, der das Bier an jenem Tag pünktlich um 12 Uhr Mittags unentgeltlich ausschenkte.

Die Beschwerde von Lindenfels bei der Landesdirekton hatte zur Folge, dass die Bürger Martin Bäumler, Wolfgang Reinhold und Michl Riel sowie die Bürgermeister Valentin Schreyer, Balthasar Anzer und Johannes Millner zum Landrichteramt nach Parkstein befohlen wurden und bei Androhung exemplarischer Strafen einen "ernsten" Verweis erhielten. Auch wurden sie zur Schadenersatzleistung herangezogen. Im Urteil hieß es: "Bürgermeister Valentin Schreyer als Rädelsführer und Unruhestifter ist noch besonders 24 Stunden lang im Amtshaus abzubüßen".

Zu sehen ist die virtuelle Reise zum Kommunbrauhaus am Sonntag, 11. September von 14 bis 16 Uhr.

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Weitere Informationen: www.heimatmuseum.erbendorf.de
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