Leidenszeit der Leseratten endet

Geschafft: Die Erbendorfer Pfarrbücherei ist umgezogen. Arbeitsreiche Wochen liegen hinter Gisela Wenning, Anita Benkhardt, Sonja Preuß, Edith Weiß, Marianne Reger senior und Marianne Reger junior (von rechts). Komplettiert wird das Team durch Anke Häckl, Julia Benkhardt und Pauline Klöble und Simon Kreuzer. Foto: wb
Vermischtes
Erbendorf
05.11.2016
34
0

"Lesen ist wie Kino im Kopf", steht in blauen Lettern an der grau gestrichenen Wand neben dem Regal für Kinderbücher. Darunter stehen zwei Kinosessel. Nicht die einzige Besonderheit in den neuen Räumen der Bücherei, die am Mittwoch wieder öffnet - mit mehr Platz und etlichen Neuerungen.

Am Mittwoch, 9. November, ist es soweit: Die Bibliothek der Steinwaldstadt hat von 16.30 bis 18 Uhr wieder geöffnet. "Endlich", atmen die Leseratten des Ortes auf. Fast ein halbes Jahr war die Einrichtung wegen des Umzugs vom Pfarrhof in die frühere Hausmeisterwohnung der Schule geschlossen. Selbst wenn sich die Stammkunden vorher reichlich mit Literatur eindecken konnten, war das "Futter" irgendwann zu Ende. "Manche haben die ausgeliehenen Bücher schon zwei Mal gelesen", schmunzelt Leiterin Anita Benkhardt.

Langer Geduldsfaden


Doch nicht nur die Geduld der Bücherwürmer, auch die des Ausleihteams wurde beim Umbau der neuen Bleibe, welche die Stadt der katholischen Kirche zur Verfügung stellt, arg strapaziert. Als schon alles für die Neueröffnung nach den großen Ferien im September vorbereitet war - sogar die Gästeliste stand schon -, warf ein Wasserschaden den Zeitplan erneut über den Haufen. Die fast schon fertig eingerichtete Bücherei war plötzlich wieder Baustelle.

Doch nun ist aller Ärger fast vergessen, es überwiegt die Vorfreude auf die neuen Räume. Die Bücher sind auf vier Zimmer aufgeteilt. Auch die Jugend hat ihren eigenen Bereich. Eine kleine Teeküche, ein Lagerraum und eine Toilette runden das Angebot ab. "Insgesamt sind es rund 95 Quadratmeter Fläche. Mehr als doppelt so viel wie vorher", betont Leiterin Benkhardt. Jetzt könnten die Leser einfach mal ein Buch nehmen, sich hinsetzen, abschalten und ein bisschen reinlesen. "Das war bisher gar nicht möglich, weil sich die Leute oft regelrecht auf den Füßen standen." Bei der Einrichtung kam der katholischen Kirchenstiftung, die Trägerin der Bücherei ist, die langjährige gute Zusammenarbeit mit der Diözesanstelle des St.-Michaelsbundes für öffentliche Büchereien in Regensburg zugute. Leiterin Diplom-Bibliothekarin Ursula Pusch war nicht nur drei Mal selbst in Erbendorf, um optimale Lösungen zu suchen, sondern half auch bei der kostengünstigen Ausstattung. Die katholische Kirchenstiftung konnte sich - sehr zur Freude von Kirchenpfleger Alfons Meierhöfer - bei Büchereien in Landshut, München, Essenbach und Luhe-Wildenau günstig mit Regalen, Buchständern, Zeitschriftenboxen und -schütten eindecken. Die schon genannten Kinosessel sicherte sich das Team vor einigen Wochen bei der Renovierung des Cineplanet in Marktredwitz.

Die Mitarbeiterinnen haben die Umbauphase überhaupt gut genutzt. Während die Arbeiter in der früheren Wohnung Wände durchbrachen, alte Fußböden herausrissen, Teppiche verlegten und Wände neu verputzten, brachten sie die Medienbestand auf den neuesten Stand. Viele ältere Titel, die nicht mehr so gefragt waren, flogen raus, machten neuen Werken Platz.

Sprechende Bücher


Am Mittwoch können so zum Beispiel erstmals "sprechende Bücher" der Ravensburger Tiptoi-Reihe ausgeliehen werden. Endgültig ausgedient haben die alten Hörspielkassetten. Sie mussten nun endgültig den CDs Platz machen. Einen wachsenden Zuspruch erhofft sich das Team nicht nur von den neuen Räumlichkeiten, sondern auch von den Zeitschriften, die nun zum Bestand gehören. Mit "Selber machen", "vital", "Stiftung Warentest", "Gartenflora", "Landlust", "Frau im Leben", "Myway" und anderen Periodika deckt die Bücherei hier viele Interessenbereiche ab.

Zu den gewohnten ZeitenDie Unterbringung in der früheren Hausmeisterwohnung der Schule ist für die Bücherei aufgrund der Nähe zur Schule, zu den Kindergärten und zur Pfarrkirche eine ideale Lösung. Denn regelmäßige Besuche von Schulklassen und Kindergärten sind ein ebenso wichtiges Angebot der Einrichtung wie die Ausleihzeiten vor und nach den Gottesdiensten. Die bisherigen Öffnungszeiten (mittwochs von 16.30 bis 18 Uhr, freitags von 18 bis 19 Uhr und sonntags von 9.30 bis 10.30 Uhr) werden - zumindest bis zur offiziellen Einweihung (hier steht noch kein Termin fest) - beibehalten. An der Bücherausgabe zwischen den Sonntagsgottesdiensten wird auf gar keinen Fall gerüttelt. Diese wird vor allem von Familien mit Kindern gerne angenommen. Insgesamt liegt der Bestand bei rund 6900 Medien. Etwa die Hälfte sind Bücher für Kinder. Auch bei den DVDs und den CDs hat die Bibliothek mit jeweils etwa 200 Stück mittlerweile eine beachtliche Auswahl. Der Jahresbeitrag beträgt für Familien sechs Euro. Ein einzelner Kinderausweis kostet drei Euro pro Jahr. Lediglich für DVDs wird noch ein zusätzlicher Obolus von 50 Cent pro Woche verlangt. Im vergangenen Jahr nutzten etwa 350 Einwohner aus Erbendorf und umliegenden Orten die Bücherei. (wb)


Insgesamt sind es rund 95 Quadratmeter Fläche. Mehr als doppelt so viel wie vorher.Anita Benkhardt
Weitere Beiträge zu den Themen: Anita Benkhardt (2)Bücherei Erbendorf (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.