Nach dem Einbruch von Erbendorf
Keine Hellseher

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Erbendorf
18.02.2016
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Bernhard Gleißner weiß, dass er derzeit unglücklich da steht. Aber auch drei Tage nachdem ein Einbrecher in Erbendorf eine junge Mutter in ihrer Wohnung verletzte sagt der Kemnather Polizeichef: "Wir haben uns nichts vorzuwerfen."

Der Einbruch vom Kaiserberg sorgte nicht nur im Steinwald für Aufregung: Eine Einbrecher schlägt auf eine junge Frau ein, nachdem diese ihn in ihrem Schlafzimmer überrascht. Schon drei Tage vor der Tat vom Sonntag hatte die Frau die Polizei gerufen, weil sie einen Fremden auf dem Balkon vor ihrem Schlafzimmer gesehen hat.

Genau geregelt


"Natürlich liegt es nahe, hier einen Zusammenhang zu sehen", sagt Bernhard Gleißner heute. Von dem konnten seine Männer am vergangenen Donnerstag aber nichts wissen. Nach dem Anruf sei eine Streife sofort nach Erbendorf gefahren. Die Beamten haben den Tatort untersucht, die Umgebung abgesucht, Nachbarn befragt. "Es ist genau geregelt, wann für uns ein versuchter Einbruch vorliegt", erklärt Gleißner. Es müsse sich nachweisen lassen, dass jemand versucht hat, ins Gebäude einzudringen. "Dafür gab es vergangene Woche keine Hinweise."

Für die Beobachtung der Frau habe es mehrere mögliche Erklärungen gegeben: Vom Hausfriedensbruch bis zum Dumme-Jungen-Streich. Aus diesem Grund habe die Polizei den Vorfall als "verdächtige Beobachtung" verbucht. "Das bedeutet aber nicht, dass wir den Fall nicht ernst genommen haben", sagt Gleißner. Jeder Hinweis werde registriert und überprüft, versichert der Erste Polizeihauptkommissar. "Aber hellsehen können wir nicht." Niemand habe den tatsächlichen Einbruch drei Tage später vorhersehen können.

Gleißner ist es bei dem Thema wichtig, in keine Richtung zu übertreiben. "Es ist klar, dass wir seit einigen Monaten eine auffällige Häufung bei Wohnungseinbrüchen haben, nachdem es jahrelang kaum Probleme gab", sagt Gleißner. Insgesamt sei die nördliche Oberpfalz nach wie vor eine sehr sichere Region. Zum Beleg verweist Gleißner auf die Kriminalstatistik des Jahres 2014: Bayernweit weise diese 51 Straftaten pro tausend Einwohner aus, in der Oberpfalz liege der Wert bei 45, im Gebiet der Inspektion Kemnath lag der Wert bei 20. "Für 2015 gehe ich nochmals von einem leichten Rückgang aus."

Den Schichtdienst stärken


Ein Grund sich auszuruhen, sei diese Statistik nicht. Im Gegenteil: "Wir sind bemüht, derzeit Präsenz zu zeigen, um den Bürgern Sicherheit zu geben und Einbrecher abzuschrecken." Dies sei einer der Gründe, weshalb das Büro der Polizei in Erbendorf derzeit nicht besetzt ist. "Mir ist es wichtiger, die Streifen im Schichtdienst gut zu besetzen, als den Schreibtisch in Erbendorf."
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