Pfarrer Manuel Sauer und Martin Besold im Gespräch über Passions- oder Fastenzeit
Der wahre Sinn ist entscheidend

Passionszeit oder Fastenzeit? Beim Atempause-Gottesdienst arbeiteten Pfarrer Manuel Sauer (links) und Pfarrer Martin Besold (rechts) die Gemeinsamkeiten heraus. Bild: njn
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Erbendorf
29.02.2016
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Wildenreuth. Passionszeit oder Fastenzeit: In der evangelischen und katholischen Kirche werden die 40 Tage bis Ostern unterschiedlich bezeichnet. "Wenn man aber den wahren Sinn versteht, ist die Bezeichnung egal", meinte Pfarrer Manuel Sauer beim ökumenischen Gottesdienst "Atempause", den er mit dem Erbendorfer Pfarrer Martin Besold in der Jakobuskirche zelebrierte.

"Mein reformatorisches Herz weint, wenn diese Zeit Fastenzeit genannt wird", sagte Pfarrer Sauer in der als Zwiegespräch geführten Predigt zu Besold. In der evangelischen Kirche werde diese Zeit Passionszeit genannt. "Die Fastenzeit ist eine Trainingszeit", erwiderte Besold. "Aha, sie müssen für Ostern trainieren", entgegnete ihm Sauer angriffslustig. Besold stellte klar, dass diese Trainingszeit nicht körperlich gemeint sei, sondern im Glauben. Die katholische Kirche sehe es auch als österliche Bußzeit an.

"Passionszeit heißt für uns evangelische Christen Vorbereitung auf den Sieg des Herrn über den Tod", so der Wildenreuther Pfarrer. "Das geht allerdings nicht ohne Karfreitag." Deshalb sei in der Vorbereitungszeit viel Zeit für die Passion Jesu. Mit dessen Tod und Auferstehung "steht und fällt unser christlicher Glaube, da sind wir katholischen und evangelischen Christen einig", fand Pfarrer Besold heraus.

Sauer ging kurz in die Geschichte ein. Im 16. Jahrhundert sei die Fastenzeit ein Streitpunkt gewesen. 1522 haben Züricher Bürger im Hause des Druckers Froschauer die Fastenzeit gebrochen. Was heute kein großes Medieninteresse hervorrufen würde, war damals ein Affront. "Sie haben Würste gegessen." Damit sei absichtlich gegen das Abstinenzverbot verstoßen worden.

"Heute ist die Fastenzeit Gelegenheit, den Winterspeck wegzubekommen und die Pfunde purzeln zu lassen", stellte Pfarrer Besold fest. Aber die Fastenzeit könne in christlicher Hinsicht besser genutzt werden. "Schauen wir in dieser Zeit auf die Liebe Gottes." Beim Fasten nur auf sich zu schauen, sei egoistisch. Das habe nichts mit der eigentlichen Fastenzeit zu tun.

"Verbote reizen - reizen, dass man sie übertritt", machte Sauer deutlich. Dem stellte Besold entgegen, dass das Fasten kein Verbot, sondern ein Gebot sei. "Die Fastenzeit ermöglicht uns, raus aus dem Trott des Alltags zu kommen, mit Leib und Seele." Dem stimmte Sauer zu. "Es geht in der Passion um Umkehr. Denn Jesus ist aus Liebe Leid und Tod ausgesetzt."
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