Strumpfhosen im Netz
Fetischist reagiert sich im Internet ab

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Erbendorf
14.01.2016
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Unter dem Namen "Strumpfhosen-Fetischist" ist er bereits bekannt. Die Polizei ermittelt gegen einen Mann aus dem Altlandkreis, der mehr als 1000 Bilder von Frauen aus der Region ohne deren Wissen auf Pornoseiten gestellt haben soll. Darunter waren auch Fotos vom Kirchweih-Umzug in Erbendorf.

Der 35-Jährige soll Bilder von jungen Besucherinnen der Veranstaltung, die Ende September stattfand, auf einer Internetseite für Strumpfhosen-Fetischisten hochgeladen haben. Ein anonymer Warnhinweis bei Facebook machte die Frauen aus der Steinwaldregion darauf aufmerksam, dass ihre Bilder auf der Pornoseite stehen. Daraufhin erstatteten sie Anzeige bei der Polizei Kemnath. Einige von ihnen sind sogar noch minderjährig.

"Ihn erwarten jetzt viele Beleidigungsklagen nicht nur von unserer Seite, denn wir waren nicht die einzigen Opfer", kommentiert ein Beteiligter. Der Leiter der Polizeiinspektion Kemnath, Bernhard Gleißner, bestätigt, dass die Beamten gegen einen Verdächtigen ermitteln, der weit über 1000 Bilder von Frauen ohne deren Einwilligung auf eine Pornoseite gestellt haben soll (wir berichteten). Die Polizei nimmt an, dass der Beschuldigte die Bilder selbst fotografiert oder von anderen Internetseiten herunterkopiert hat. Der Mann hat die Fotos dann auf einer Internetseite hochgeladen, die offenbar als Plattform oder eine Art Tauschbörse für Strumpfhosen-Fetischisten dient.

Solche Ermittlungen sind abschreckend für andere Täter.Bernhard Gleißner, Leiter der Polizeiinspektion Kemnath

26 Geschädigte gemeldet


Bei der Bearbeitung der Anzeigen stellte sich schnell heraus, dass auch Kollegen in Bamberg und Bayreuth Fälle von Frauen bearbeiteten, die sich auf den Fetischseiten wiederfanden. 26 Geschädigte haben sich bei der Polizei in dem Fall gemeldet. Offenbar hat sich der Beschuldigte auch an weiteren Bildern von Besucherinnen von Kirwa- und anderer öffentlicher Veranstaltungen bedient. Frauen aus den Landkreisen Tirschenreuth, Bayreuth und Wunsiedel seien betroffen, weiß Gleißner. Die Beamten ermitteln wegen eines Beleidigungsdelikts.

Ende November 2015 durchsuchte die Polizei die Wohnung eines Tatverdächtigen aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth, beschlagnahmte Computer und Zubehör. Nach Medienangaben soll der Beschuldigte auch mindestens ein Bild veröffentlicht haben, bei dem er einer Frau auf offener Straße unter den Rock fotografiert hat.

Nachahmer abschrecken


"Wir waren zügig", kommentiert Gleißner die Ermittlungen. Zwar seien die Fotos der Frauen schon im Netz gewesen, wurden jedoch nicht stark verbreitet. Die Bilder wurden selbstverständlich aus dem Internet gelöscht. Einen Erfolg kann der Polizeileiter deshalb schon verbuchen. "Solche Ermittlungen sind absolut abschreckend für andere Täter im Netz. Die Nachrichten von den Löschungen verbreiten sich schnell in der Szene."

Über die Ermittlungen oder die Internetseiten will Gleißner weiter nichts sagen, um keine Nachahmungstäter zu animieren. "Ich sage nur soviel. Der Beschuldigte hat Fehler gemacht. Deswegen haben wir ihn gefasst." Die Polizei Kemnath hat alle Vernehmungen abgeschlossen. Nun liegt es an der Staatsanwaltschaft, zu entscheiden, wann die Ermittlungen beendet sind und es zum Gerichtsverfahren kommt. "Das hängt natürlich auch damit zusammen, ob sich noch weitere Geschädigte melden", informiert der Inspektions-Chef.

Erbärmlich im Alltag
Angemerkt von Beate-Josefine Luber

Junge Frauen besuchen in ihrer freien Zeit einen Kirwa-Umzug. Dass ein Mann ihre Bilder zur Befriedigung von Fetischfantasien ins Internet stellt, ist erbärmlich. Richtig, dass sie sofort Anzeige erstattet haben. Das zeigt: Sie sind keine hilflosen Opfer, sondern intelligente Frauen, die die Mittel des Rechtsstaats nutzen und sich wehren.

Dies dient als Abschreckung für Täter im Netz. Gewarnt sollten auch andere Männer sein, die im öffentlichen Raum mit Frauen zu tun haben. Sei es auf Festen, auf der Arbeit oder auf Internetforen. Die immer einen kleinen "versauten" Witze auf den Lippen haben und den auch bei jeder Gelegenheit raushauen. Oder ständig das Aussehen von Frauen kommentieren müssen. Oder die auch mal ein Patscherl auf den Po geben, wenn ihnen eine Frau zu nahe kommt. Das ist aus moralischer Sicht entwürdigend. Und aus rechtlicher Sicht strafbar.

beate.luber@derneuetag.de
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