Thorsten Steinhäuser hält zwei Walachenschafe
Naturverbunden leben

In einem Waldgebiet außerhalb Wildenreuths hält der Hobby-Schäfer Thorsten Steinhäuser seine zwei Walachenschafe. Die sehr scheuen und wachsamen Tiere reagieren Fremden gegenüber ängstlich, nur durch viel Zeit und Ruhe siegt ihre Neugier über ihre Angst. Bilder: plum (2)
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Erbendorf
13.08.2016
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Mit frischem Heu und etwas Geduld lässt sich der Bock mit seinen riesigen Hörnern aus der Deckung locken. Die Zippe Siglinde ist hier eine Spur vorsichtiger. Bild: plum

In einem Waldgebiet abseits von Wildenreuth befinden sich seit kurzem zwei Schafe, deren Rasse vom Aussterben bedroht ist. Der Besitzer erzählt über seine Erfahrungen und zeigt jedem, wie man mit einfachen Mitteln ökologischer und nachhaltiger leben kann.

Von Luca Melzner

Wildenreuth/Erbendorf. Ziemlich abgelegen, außerhalb des Dorfes, hält Baumpfleger Thorsten Steinhäuser aus Wildenreuth seine beiden Walachenschafe. Den 13-jährigen Bock und die jüngere, 4 Jahre alte Zippe - so der Ausdruck für ein weibliches Schaf - hat er von einem Züchter der GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen).

Die Rasse, heute als "stark gefährdet" ausgewiesen, war ursprünglich in ganz Osteuropa weit verbreitet. Nachdem vor 30 Jahren eine Restpopulation bei einem rumänischen Bergbauern gefunden worden war, wurden mehrere Schafe unter anderem in den Zoo nach Köln gebracht und von dort aus an interessierte Züchter abgegeben, mit dem Ziel, eine gesunde Population aufzubauen.

Laktosefreie Milch


Heute gibt es circa 250 Walachenschafe in Deutschland; daneben sind sie auch wieder vereinzelt in Tschechien, Rumänien und Ungarn verbreitet. Da die Rasse nah mit dem Urschaf verwandt ist, weisen sogar einige Zippen Hörner auf, allerdings keine so großen und stark verdrehten wie die der Widder. "Das Walachenschaf ist ein Drei-Nutzung-Schaf, es wird also für Fleisch, Milch und Wolle gehalten", erklärt Steinhäuser. Das Interessante an der Milch ist, dass sie für Personen mit Laktoseintoleranz verträglicher sei. Geschlachtet werden sollen die beiden Schafe Simon und Sieglinde aber nicht. Stattdessen will der selbstständige Baumpfleger die Herde der Wiederkäuer auf 10 bis 15 Schafe vergrößern.

"Die Schafe, die sehr robust und kälteunempfindlich sind, werden selten krank. Das spart auch Tierarztkosten", weiß Steinhäuser. Sie könnten zudem alleine Lämmer gebären. Deswegen würden sie sich gut als Anfängerschafe eignen. Nun hofft er, dass seine Zippe Sieglinde während der circa zwei monatigen, sogenannten Lichtzeit, bei der sie empfänglich ist, trächtig geworden ist. Bevor er sich die Schafe zugelegt hat, hat er sich Wissen angelesen. "Wichtig ist, dass die Schafe jeden Tag frisches Wasser und genügend Raufutter haben", erklärt der 42-Jährige. Die Tiere bekommen täglich Heu, ab und zu auch Leckerbissen wie Hafer oder Salzlecksteine.

Den Sommer über sind die Schafe in einem kleinem Waldstück, das sie urbar machen sollen. "Da sie geländegängig sind und fast alles fressen, eignen sie sich dafür besonders gut", schwärmt der Hobby-Hirte. Die sehr scheuen Tiere finden bei schlechtem Wetter in einem selbst gebauten, keltischen Grubenstall Schutz. Den Winter verbringen sie in einem befestigten Unterstand. "Mindestens einmal jährlich muss man die Schafe scheren, sonst wird es für sie einfach zu warm in dem Pelz." Außerdem sollte man die Klauenpflege einmal in Jahr nicht vernachlässigen.

Wirtschaftlich gewinnbringend sei die Rasse aber laut Steinhäuser nicht. Dafür gebe es bessere entsprechend gezüchtete Rassen wie zum Beispiel das Wollschaf Merino. "Aber darauf habe ich es auch gar nicht abgesehen. Das, was sie abwerfen, ist erst einmal für den Eigenverbrauch", sagt der Familienvater.

Zehn Bienenstöcke


Das Bewirtschaften der Naturflächen mit seinen Schafen macht er aber nur nebenbei. Steinhäuser ist als Baumpfleger selbstständig. So hält er auch Vorträge und leitet praktische Seminare rund ums Thema Baumpflege. Seine Verbundenheit zur Natur zeigt sich auch in selbst angebautem Biogemüse und seinen zehn Bienenstöcken, alles für den Eigengebrauch. "Ich versuche möglichst ökologisch zu leben. Das ist mein Weg, die Zukunft zu meistern - auch im Hinblick auf die nächsten Generationen. Es gibt viele gute und richtige Wege, aber auch Wege, die ich nicht akzeptieren kann."

Das Walachenschaf ist ein Drei-Nutzung-Schaf; es wird also für Fleisch, Milch und Wolle gehalten.Thorsten Steinhäuser
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