Vortrag zum Turiner Grabtuch
Kopie von etwas echtem

Prof. Dr. Karlheinz Dietz (links) referierte in der Pfarrkirche als Kenner über das Turiner Grabtuch. Pfarrer Martin Besold (rechts) hatte den Experten Willkommen geheißen. Bild: njn
Vermischtes
Erbendorf
07.11.2016
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"Hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben." Für den emeritierten Professor der Uni Würzburg, Dr. Karlheinz Dietz ist es aber wahrscheinlich, dass es sich beim Turiner Grabtuch tatsächlich um das Abbild Jesu handelt. Drei Tage war ein Faksimile des Tuchs in der Pfarrei ausgestellt, der Experte hielt dazu einen Vortrag in der Pfarrkirche.

"Er ist ein ausgewiesener Kenner", stellte Pfarrer Martin Besold bei der Eröffnung fest. "Mein ganzes Leben habe ich mit Griechen und Römern verbracht", begann Dietz dann, während die Kopie des Tuches hinter ihm zu sehen war. 4,4 Mal 1,1 Meter misst das Leichentuch in seltener Webart. Bevor Dietz auf das Tuch einging, blickte er in die Geschichte. So sei das Grabtuch um 1355 erstmals im französischen Lirey ausgestellt worden. 1453 ging es als Geschenk an den Herzog von Savoyen, ab 1506 wurde es in der Schlosskapelle von Chambery aufbewahrt. Von einem Feuer im Jahr 1532 stammen einige Brandflecke und -löcher.

1578 gelangte das Grabtuch in den Dom von Turin, wo es jährlich am 4. Mai ausgestellt wurde. "Dass das Antlitz eines Menschen zu sehen ist, zeigte sich erst 1898 bei der ersten Fotografie." Bestätigt worden sei dies 1931. "Damals ist auch die Medizin auf das Turiner Grabtuch aufmerksam geworden." Neben Wasserflecken lasse sich Blut auf dem Tuch nachweisen. "Verfärbungen entstanden durch Körperkontakt", so der Professor. "Eine einmalige Darstellung eines Menschen von hinten und vorne." Der Abdruck sei ein Negativ, ohne Fotografie zu sein.

Belegt sei, dass der Abdruck einen 25- bis 40-jährigen Mann zeigt, der im Gesicht Verletzungen aufweist. "Diese stammen von einer Dornenhaube." Des Weiteren sei ein Mund-Kiefer-Gesichts-Trauma belegbar. "Dazu zählt ein Nasenbeinbruch, eine Verschiebung des Kiefers, Beschädigungen des Skelettbereichs und ein ausgehängtes Schultergelenk." Am Rücken finden sich Geißelwunden. "Unter UV-Licht wurden auch Kreuzigungsspuren an der Handwurzel festgestellt." Erkennbar sei eine vier Zentimeter lange Seitenwunde, aus der Blut geflossen ist.

Dietz merkte weiter an, dass dem Mann nicht die Beine zerschlagen wurden, wie es bei Kreuzigungsopfer früher üblich war. Die Bibel verweist ausdrücklich darauf, dass dies bei Jesus unterblieb. Zudem wurde er ehrenvoll bestattet, eine Besonderheit. Der Professor schloss, dass kein Zweifel bestehe, dass es sich um einen Gekreuzigten handelt.

Wie das Tuch nach Frankreich und weiter nach Turin kam, konnte Dietz zumindest teilweise erklären. "Der Weg führte von Jerusalem über Edessa nach Konstantinopel." Dann verliere sich die Spur. Eine Erklärung für das Bild gebe es trotz aller Forschung nicht. "Bei diesem Tuch mit seiner Negativität des Bildes spielt Licht keine Rolle." Es kam nicht fototechnisch auf das Leinentuch. "Es ist keine Malerei, in diesem Tuch hat tatsächlich ein Mensch gelegen."

Nicht glauben möchte Dietz an die Aussagekraft der erfolgten Radiokarbon-Tests, die die Entstehung zwischen 1260 und 1390 datieren. "Dies ist nicht haltbar." Gemessen wurde nur an einem ausgeschnittenen kleinen Stück Stoff an der Ecke. "Genau an jener Stelle, an der das Tuch bei der Zurschaustellung gehalten wurde." Zudem seien Verunreinigungen aus späteren Jahrhunderten auf dem Stoff. "Alle Erkenntnisse treffen nur auf einen zu, auf Jesus Christus", stellte Dietz abschließend fest. "Das Bild zeigt vermutlich Jesus von Nazareth." Hundertprozentige Sicherheit wird es aber nie geben.
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