Wiederansiedlung des Habichtskauz läuft 2017 an
Kauz kehrt heim

Habichtskauz
Vermischtes
Erbendorf
03.11.2016
287
0
 
Junge Habichtskäuze in freier Wildbahn. Bisher hat es das in Deutschland kaum gegeben. Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz Bayern möchte die Tiere in der Region wieder ansiedeln. Bild: hfz

Ein Mammutprojekt für einen Vogel: Der Habichtskauz soll nach Nordbayern heimkehren. Naturschützer arbeiten seit Jahren mit viel Einsatz und einem sechsstelligen Etat daran.

Der letzte in der Region musste vermutlich 1926 im Böhmerwald sein Leben lassen. Gut 90 Jahre später soll es im Steinwald ein Comeback geben: Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz Bayern (VLAB) arbeitet an der Rückkehr des Habichtskauz ins bayerisch-böhmische Grenzgebiet. Im Sommer 2017 sollen die ersten jungen Tiere freigelassen werden, berichtet VLAB-Vorsitzender Johannes Bradtka. Das Projekt ist zeitaufwendig und teuer. Alleine für die ersten fünf der zehn geplanten Jahre sieht das Konzept einen Etat von 650 000 Euro vor.

Über den Winter wird der Verein nun mülltonnengroße Nistkästen und Volieren für die Tiere in Auftrag geben. Drei Volieren von vier mal fünf Metern sollen nach der Schneeschmelze an einem geheimen Ort aufgebaut werden. Im Sommer ist es dann so weit: Nach einigen Wochen in den Volieren werden die Tiere freigelassen. "Wir haben die Genehmigung für jährlich 20 Tiere", erklärt Bradtka. Wie viel es tatsächlich werden, hänge auch von der Verfügbarkeit ab. "Es gibt nicht so viele Züchter." Wenn der Verein im ersten Jahr zehn junge Tiere bekommt, wäre er zufrieden, erklärt der Vorsitzende.

Bis zu 50 Kilometer


Mit dem Auswildern ist die Arbeit nicht erledigt. Über Sender sollen die Tiere verfolgt werden. Sie wandern bis zu 50 Kilometer im Umkreis. An den neuen Brutstätten, möchte es der Verein den Tieren leichter machen. "Wir wollen dort dann bessere Lebensräume schaffen." Die Helfer haben unter anderem vor, Tümpel anzulegen, weil der Habichtskauz auch Frösche, Kröten und größere Insekten frisst. Das Projekt wird zudem wissenschaftlich begleitet. Ziel sei, dass die Tiere ohne menschliche Hilfe überleben können. Bis dahin sei es ein langer, arbeitsreicher Weg.

Eine Menge ist aber bereits erledigt. Am Anfang stand Überzeugungsarbeit. Ein solches Projekt habe es in Deutschland bislang kaum gegeben, entsprechend aufwendig war das Werben um Unterstützung. Inzwischen kann der Verein nicht nur auf alle nötigen Genehmigungen, sondern auch auf ein breites Bündnis von Unterstützern verweisen. Unter anderem fördern die Deutsche-Wildtier-Stiftung, der Deutsche Falkenorden und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt die Wiederansiedlung. Prominentester Unterstützer dürfte die Heinz-Sielmann-Stiftung sein. "Das Projekt leistet einen guten Beitrag zur Förderung der biologischen Vielfalt in Deutschland", begründet Heiko Schumacher das Engagement der Stiftung, die eine eigene Spenden-Homepage betreibt und aus eigener Tasche 25 000 Euro beisteuert. Dafür verspricht sich der Projekt-Betreuer der Stiftung einiges: "Neben dem Artenschutzaspekt wird die Aufmerksamkeit für eine ökologisch gute Forstwirtschaft deutlich erhöht."

Hohes Niveau


Die Förderung der Stiftung ist zudem Beleg für die Seriosität: "Entscheidend ist für die Heinz-Sielmann-Stiftung bei jeder Projektförderung, dass die Projektpartner vor Ort über die erforderliche Erfahrung bei der Umsetzung solcher Naturschutzprojekte verfügen. Bei diesem Projekt ist die Fachkunde über die Einbindung zahlreicher erfahrener Projektbegleiter des VLAB gewährleistet", erklärt Schumacher. Unter anderem bringt Professor Dr. Jörg Müller vom Nationalpark Bayerischer Wald sein Wissen ein. Auch die Bayerischen Staatsforsten sind mit im Boot. Darüber ist Bradtka besonders glücklich, weil es zeige, dass das Projekt nicht im Widerspruch zur Wirtschaftlichkeit steht. "Wir sind überzeugt, dass sich ein artenreicher Wald eher im Gleichgewicht befindet und deshalb auch wirtschaftlich Vorteile bringt", erklärt Staatsforst-Sprecher Philipp Bahnmüller. Deshalb sei der Betrieb bereit, die Forstarbeit an Brutzeit und -orte anzupassen. Langfristig verspreche sich das Unternehmen Hilfe bei der Schädlingsbekämpfung. Denn der Habichtskauz frisst vor allem Mäuse und andere Nager.

Weil er sich von Fischen, Wild und Nutztieren fernhält, ist Bradtka überzeugt, dass er Landwirten oder Jägern keinen Ärger macht. Dies zeige ein ähnliches Projekt, das seit 2008 in der Nähe von Wien läuft. Das fotogene Tier entwickelte sich dort sogar zu einem Maskottchen der Region und zum Zugpferd für sanften Tourismus. Dass es solche Effekte auch in Nordbayern gibt, will Bradtka nicht ausschließen. Im Vordergrund stehen sie nicht. "Uns geht es um die Artenvielfalt." Außerdem verfolge der Verein pädagogische Ziele. Bei der Aussiedlung sollen Schulen eingebunden werden. Über den Kontakt zu den putzigen Tieren möchte der Verein Kindern ein positives Verhältnis zur Natur vermitteln. Nur was man mag, empfinde man als schützenswert.

Der HabichtskauzDer Habichtskauz gilt als eine der größten Eulenarten. Die Tiere werden bis zu 60 Zentimeter groß und 1,3 Kilogramm schwer. Sie erreichen eine Spannweite von bis zu 125 Zentimetern.

Mehr Informationen gibt es im Internet und bei einem Infoabend, zu dem der VLAB am 18. November in die Schlossschänke nach Friedenfels (Kreis Tirschenreuth) einlädt. Dabei sollen zunächst Wiedereinbürgerungen von Tierarten mit Beispielen, Vorarbeiten, Projektziele, Biologie des Habichtskauzes, Kooperationen und die Finanzierung des Projektes vorgestellt werden. Weiter geht es um die zeitlichen Phasen der Wiedereinbürgerung. Experten beantworten Fragen.

___



Weitere Informationen:

www.sielmann-stiftung.de/habichtskauz
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.