Raiffeisen-Vorstand kritisiert Niedrigzinspolitik
Sparer als Opfer

Wirtschaft
Erbendorf
05.07.2016
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Kemnath/Erbendorf. Insgesamt 46 neue Mitglieder wurden in die neue Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Kemnather Land - Steinwald eG gewählt. Aus diesem Grund informierte als Novum bei einer solchen Versammlung Vorstand Robert Haubner über die Geschichte und vor allem den Aufbau und die Besonderheiten einer Genossenschaft. Aufsichtsratsvorsitzender Hubert Kellner und Oberrevisor Michael Kippes vom Genossenschaftsverband Bayern berichteten über das Prüfungsergebnis und stellten den Jahresabschluss fest.

Haubner ging auf die Ursprünge der Genossenschaften ein, indem er von deren Entstehung im 19. Jahrhundert durch die Gründung von "Darlehensvereinen" durch Friedrich Wilhelm Raiffeisen berichtete. Oberste Maxime war dabei immer das Schlagwort "Hilfe zur Selbsthilfe", sowie das "Geld aus der Region für die Region" zu verwenden. Diese Treue zur Dezentralität und Nachhaltigkeit sorgten auch im Jahre der europäischen Finanzkrise 2008 dafür, dass die Genossenschaftsbanken die Kreditversorgung in ihrem Geschäftsgebiet aufrecht erhalten konnten und vor allem keine staatlichen Hilfen benötigten, betonte Haubner.

Der Vorstand zeigte auf, worin die Unterschiede einer Genossenschaftsbank zu Großbanken und anderen Instituten liegen. Die Mitgliederförderung stehe dabei im Mittelpunkt und nicht Wachstum um jeden Preis. Anhand des Aufbaus einer Genossenschaft skizzierte er die Funktionen und Verantwortlichkeiten von Vorstand, Aufsichtsrat und der Vertreterversammlung, dem "Parlament der Genossenschaft".

Was einer nicht schafft, das schaffen viele gemeinsam, lautete das Fazit des Redners. Nicht die Gewinnmaximierung (Shareholder-Value), sondern der größtmögliche Erfolg für die Mitglieder ist Sinn und Zweck einer Genossenschaft, was so sogar in Paragraf 1 des deutschen Genossenschaftsgesetzes steht. Den Bericht des Aufsichtsrats gab deren Vorsitzender Hubert Kellner. Er informierte, dass das Gremium in sieben Sitzungen über die Entwicklung der Bank umfassend informiert wurde. Er verlas das Prüfungsergebnis des Genossenschaftsverbandes. Dabei lobte er, dass sich das deutliche Kreditwachstum gesund und organisch entwickelt habe.

Die Risikolage der Kreditgeschäfte wurde als geordnet und angemessen bezeichnet. Kellner konnte über keine nennenswerten Forderungsausfälle in den vergangenen Jahren berichten. Der Oberrevisor des Genossenschaftsverbandes Michael Kippes schlug vor, aus dem Ergebnis wie im Vorjahr eine Dividende von 3,25 Prozent zu zahlen. Die verbleibende Summe werde den Rücklagen zugeführt. Die Vertreter folgten diesem Aufruf. Ebenso wurden der Vorstand und der Aufsichtsrat einstimmig entlastet.

Deutliche Kritik übte der Vorstand an der anhaltenden Niedrigzinspolitik. Die Deutsche Bundesbank belaste die Guthabensalden mit einem Negativzins zu 0,40 Prozent, "das heißt, wir zahlen mittlerweile Zinsen dafür, dass wir Guthaben bei der Deutschen Bundesbank unterhalten. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen rutschte sogar ins Minus." Die einfachen Sparer sowie die Sparkassen und Genossenschaftsbanken bezeichnete Vorstand Geyer als Opfer der EZB-Politik. "Der Zins wurde de facto abgeschafft. Die Märkte werden regelrecht mit Liquidität geflutet", kritisierte der örtliche Raiffeisenbankchef.

Die EZB setze aber bei der Reformbereitschaft der maroden Staaten die falschen Anreize. So lag die Zinsersparnis seit dem Jahr 2012 für den spanischen Staatshaushalt bei 21 Milliarden Euro und in Italien gar bei 53 Milliarden Euro. Die Länder mit dem größten Reformstau profitierten also am stärksten von der Niedrigzinspolitik, setzten aber kaum Reformen in Gang.
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