Wirtschaft erarbeitet Positionspapier
Das Profil der Nordoberpfalz

Es würde zu kurz greifen, jedem Einzelhändler einfach nur einen Online-Shop zu verpassen.
Wirtschaft
Erbendorf
08.04.2016
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Ein "Regional-Profil" für die nördliche Oberpfalz will das IHK-Gremium Weiden-Neustadt-Tirschenreuth erarbeiten. Nachdem die Region den Wandel vor mehr als 25 Jahren mit einer "fast gefährlichen Monostruktur" von Porzellan, Glas und Textil "gut wegsteckte", will sich nun Vorsitzender Bernd Fürbringer auf die "hervorstechenden Merkmale" konzentrieren: wie etwa die Intralogistik. "Unsere Region hat kein Imageproblem, wir müssen uns aber besser verkaufen." Dabei richtet Fürbringer den Blick auf die hohe Lebensqualität in der Nordoberpfalz.

Der Sitzung des Gremiums in Erbendorf (Kreis Tirschenreuth) ging eine Besichtigung der hochmodernen Roboter-Fertigung in der Porzellanfabrik Seltmann voraus. Immer spürbarer schlägt bei den Unternehmen der Fachkräftemangel durch. Das Bemühen um Auszubildende zieht sich wie der berühmte "rote Faden" durch die Wirtschafts-Gremien. "Mit der jetzigen Berufsorientierung sind wir nicht zufrieden, besonders an den Gymnasien", meint Fürbringer. "Nicht jeder kann studieren." Es sei noch zu sehr in Köpfen verankert, dass nur mit einem Studium eine berufliche Karriere möglich sei. Gleichzeitig kritisiert Fürbringer bei vielen Auszubildenden "Defizite an sozialer Kompetenz": "Klassische Werte wie Freundlichkeit oder Pünktlichkeit lassen teilweise zu wünschen übrig." "Schaut euch die Unternehmen an", ermuntert Geschäftsführer Florian Rieder die jungen Leute. Im Hintergrund steht, dass es 2015 erstmals mehr Studierende als Auszubildende gab. Hoffnungen setzt die Wirtschaft auf die Initiative "Ausbildungs-Scouts": Junge Leute aus den Betrieben in der Region unterstützen potenzielle Azubi bei der Berufsorientierung. Fürbringer bedauert, dass noch nicht alle angeschriebenen Schulen reagiert hätten. Als "verfrüht" für ein erstes Fazit wertet Fürbringer die bisherigen Erfahrungen mit Flüchtlingen, die Arbeitskräfte-Notlage zu entschärfen.

Herausforderung E-Commerce"Höchste Zeit" ist es nach Überzeugung von Florian Rieder (Geschäftsführer des IHK-Gremiums Weiden), dass der Einzelhandel zu "individuellen Strategien" findet, das stationäre Geschäft "intelligent" mit E-Commerce zu kombinieren. Das IHK-Gremium Weiden will dafür im Mai einen eigenen Workshop auf die Beine stellen. "Es würde zu kurz greifen, jedem Einzelhändler einfach nur einen Online-Shop zu verpassen." Rieder erwartet gerade in den kleineren Städten der nördlichen Oberpfalz von den Kommunen ein "professionelles Leerstands-Management": "Sie müssen aktiv auf die Händler zugehen." Außerdem müssten die Kommunen für moderne, leistungsfähige Digital-Infrastruktur sorgen (Wlan). (cf)
Nicht jeder kann studieren.Bernd Fürbringer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Weiden
Es würde zu kurz greifen, jedem Einzelhändler einfach nur einen Online-Shop zu verpassen.Florian Rieder, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Weiden
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