Nur Gott alllein kann den Tod überwinden
Christus ist auferstanden

Von Thomas Jeschner, Dekan und Stadtpfarrer in Eschenbach

Der Dirigent Enoch von Guttenberg, Vater des ehemaligen Verteidigungsministers, hat in einem Zeitungsartikel erklärt, er sei mit der katholischen Kirche "zutiefst verbunden". Allerdings kritisierte er seine Kirche scharf. Sie gehe zu sorglos mit ihrem spirituellen wie liturgischen Erbe um. Die alte Messe sei ein "großes Kunstwerk mit großem Inhalt " gewesen. Dagegen werde die nachkonziliare neue Messe "schnell zum Event". Sie habe nicht mehr die Kraft und Stärke der alten Liturgie. In der Kirche habe ein schlimmer Bildersturm gewütet, "und Bilderstürme sind immer falsch, immer" (in: "Christ in der Gegenwart". Extraseiten der "Zeit").


___ Eine Herausforderung
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Und dann kommt der Bruch: "Ich schließe komischerweise ein Leben nach dem Tod aus." Also gut traditionell katholisch: Ja. Auferstehung: Nein. Er begründet das damit, das er sich zu lange mit der Evolutionslehre beschäftigt habe, um noch diesen Kern der christlichen Offenbarung ungebrochen glauben zu können.

So hat Rüdiger Safranski mit seiner Diagnose doch Recht, der einmal im "Spiegel" behauptet hatte, das Christentum heute sei in Europa eine "Kalte Religion" geworden, weil es im Grunde den Glauben an die Auferstehung der Toten zum ewigen Leben aufgegeben hat. Demgegenüber ist der Islam eine "heiße Religion". Denn dort spiele der Glaube an die Auferstehung der Toten eine zentrale Rolle. Eine unglaubliche Herausforderung.

Genau das wäre die Frage, die wir heute zu stellen hätten: Kann ein heutiger Christ, wenn er alle Ereignisse der Wissenschaft zur Kenntnis nimmt, nicht mehr an die Auferstehung der Toten glauben? Viele Menschen würden ja gerne glauben, wenn sie nur glauben könnten, wenn Gott nur ein bisschen plausibler wäre. Aber: Niemand hat Gott je gesehen. Niemand von uns hat die Auferstehung jemals erlebt.

Über Gott wissen wir nicht so ohne weiteres Bescheid wie über alles andere. Gott ist über all unsere Vorstellungsmöglichkeiten hinaus. Er ist der ganz andere. Der im unzugänglichen Licht wohnt. Wir können uns Gott nicht vorstellen. Auch ein Leben nach dem Tod nicht. Wir können darüber auch nichts "wissen". Das alles vorausgesetzt: Wir können trotzdem an ihn glauben. Wir brauchen nur die Bibel beim Wort zu nehmen, wie sie von Gott spricht, von einem Gott, der über alle unsere menschlichen Erfahrungen hinaus ist, von dem wir nur noch in Bildern und Symbolen denken und sprechen können. Was heißt hier "nur"? Die Bilder und Symbole bringen uns Gott nah, wir müssen sie nur zu lesen verstehen.


___ Bilder und Symbole
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Werfen wie einen Blick in das Neue Testament. Das Buch ist alt - fast 2000 Jahre. Natürlich weiß es von Evolution absolut nichts, aber hat es uns deswegen nichts zu sagen? Natürlich spricht das Neue Testament, wenn es von Auferstehung Jesu spricht, in Bildern und Symbolen. Wie anders könnte es die ganz andere Dimension beschreiben, in der der Auferstandene lebt? Jesus ist einfach nicht mehr der "Alte". Er ist nicht mit Glanz und Gloria in das irdische Leben zurückgekehrt, so dass seine Jünger ihm hätten krachend auf die Schultern klopfen können und sagen können: "Du bist ja ganz der Alte". Nein, das gerade nicht. Er ist in die ganz andere Wirklichkeit Gottes gegangen. Und darüber kann man nur noch in Bildern und Symbolen sprechen. Papst Benedikt XVI. hat in seinem Jesus-Buch genau das betont. Über die Auferstehung Jesu, über Gottes Welt können wir nur in Bildern und Symbolen reden. Es geht nicht anders.

Wenn das Neue Testament von der Auferstehung Jesu spricht, dann gebraucht es eine Fülle von Bildern. Wenn man mal zusammenträgt, wie die ältesten Texte des Neuen Testaments von Auferstehung sprechen, wird das ganz deutlich: Christus ist auferstanden - aber eben anders, als wenn ich morgens aus dem Bett aufstehe. Christus wurde auferweckt - hier ist Gott der Handelnde.

Einige Beispiele, wie das Neue Testament die Auferstehung Jesu aus dem Tod bekennt. "Er ist auferstanden, er wurde auferweckt, er wurde erhöht, er wurde in den Himmel aufgenommen, auf den Platz der rechten Gottes erhoben, er hat einen Namen, größer als alle Namen, der Tod hat keine Macht mehr über ihn."


___ Nicht sinnlos gestorben
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Jesu Auferstehung: Übergang in die Transzendenz Gottes. Lauter biblische Aussagen, sehr unterschiedlich, in unterschiedlichen Gegenden des damaligen Römischen Reiches entstanden, aber sie kommen alle im entscheidenden Punkt überein: Jesus ist am Kreuz nicht sinnlos verblutet. Er ist in seinem Sterben in das ewige, ganz andere, verborgene, transzendente Leben bei Gott aufgenommen worden, in ein Leben, das keinen Tod mehr kennt. Er lebt seit seiner Auferstehung im Himmel, in der endgültigen Welt Gottes, in einer Dimension der Wirklichkeit, die unserer menschlichen Erfahrung nicht mehr zugänglich ist, die wir Gott nennen. Und diesen Glauben fassen die damaligen Christen in ganz unterschiedliche Bilder und übersetzen ihn so in unsere menschlich begrenzte Sprache.

Das ist symbolische Sprache. Aber ohne bildliche, symbolische Aussagen können wir gar nicht über Gott sprechen. Unserer Sprache reicht nicht hin, die Wirklichkeit Gottes angemessen auszudrücken. Aber in eben solcher symbolischen Sprache sagen wir eine Wirklichkeit aus, die all unser Denkvermögen weit übersteigt: die Wirklichkeit Gottes, der allein den Tod überwinden kann.

Und daran versuchen wir zu glauben. Ganz besonders an Ostern.
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