Biersymbol in Sonderausstellung im jüdischen Museum München zu sehen
Zoiglstern auf Ausflug

"Bier ist der Wein dieses Landes", ist die Sonderschau zur jüdischen Braugeschichte im Jüdischen Museum München überschrieben. Zu sehen bis 8. Januar 2017 ist dort auch der "Kirschnerbiener"-Zoiglstern aus Eschenbach.
 

"Was hat denn der Judenstern mit dem Zoiglstern zu tun?" Diese Frage hören die Aktiven des Eschenbacher Heimatvereins öfter, wenn Besucher des Taubnschusterhauses die kleine Sammlung von Zoiglsternen im Eingangsbereich des alten Ackerbürger- hauses erblicken.

Das Jüdische Museum in München ist dieser Frage in seiner neuen Ausstellung "Bier ist der Wein dieses Landes" nachgegangen. Und dabei richtete es eine Anfrage an den Heimatverein Eschenbach, ob dieser nicht für die noch bis 8. Januar 2017 laufende Schau zur jüdischen Braugeschichte einen Zoiglstern ausleihen könnte. Die Veranstalter entschieden sich schnell für einen Metallstern mit Ausleger, der beim einstigen Kommunbrauer "Kirschnerbiener" (Wolfgang Reiß, Karlsplatz 19) den Ausschank anzeigte.

Und so hängt der Eschenbacher Braustern jetzt für etliche Monate an prominenter Stelle in der Landeshauptstadt. Das war Grund genug für eine Gruppe von Mitgliedern des Heimatvereins, die Reise nach München anzutreten, um dort der eigenen Geschichte nachzugehen.

Das Jüdische Museum am St.-Jakobs-Platz - unweit des Viktualienmarktes in der Münchner Innenstadt - ist ein Teil des jüdischen Zentrums mit Synagoge, Museum und Gemeindehaus mit Restaurant. Das JMM ist eine Einrichtung der Stadt München, und bietet neben regelmäßigen Sonderschauen auch eine interessante Dauerausstellung zur Kulturgeschichte des Münchner Judentums an.

Moderne Craft-Bier-Szene


In der aktuellen Schau zum Jahr des Bieres beschäftigt sich das Museum mit der jüdischen Kulturgeschichte des Bieres in Vergangenheit und Gegenwart und spannt dabei einen Bogen über 3000 Jahre Biergeschichte: ausgehend vom ersten Kontakt der Israeliten mit dem bierähnlichen Gebräu der alten Ägypter, deren kultureller Einfluss bis ins Heilige Land reichte, bis zur modernen Craft-Beer-Szene in Jerusalem und München. Deren Zusammenarbeit hat übrigens ein "Collaboration Brew" hervorgebracht, das im Cafe des JMM sowie in einigen Münchner Lokalen getrunken werden kann.

Einzelne Kapitel der Sonderausstellung sind den jüdischen Hopfenhändlern und Bierkrug-Produzenten sowie einer jüdischen Brauerfamilie aus München gewidmet, die vor den Nazis den Unionsbräu und die Schloßbrauerei Kaltenberg besaßen und im Vorstand der Löwenbräu AG tätig waren.

Oberpfälzer Bierdeckel


Die Mitglieder des Heimatvereins haben sich gefreut, dass "ihr Stern" in der Ausstellung und im umfangreichen Katalog gewürdigt wurde. Dort heißt es unter anderem: "In der Oberpfalz werden Häuser mit Braurecht in den Zeiten, in denen in ihnen Bier ausgeschenkt wird, mit einem 'Zoigl' angezeigt. Dieser Zoigl-Ausleger stammt aus dem Haus Kirschnerbiener am Karlsplatz 19 in Eschenbach."

Auch auf einer Reihe Oberpfälzer Bierdeckel ist der Braustern in der Ausstellung zu bewundern. Darunter sind die Filze bekannter Windischeschenbacher Zoiglbrauer und der Schlammersdorfer Brauerei Püttner.

Nach einer ebenfalls sehr interessanten Führung durch die Bayerische Staatsoper genossen die Mitglieder des Heimatvereins bei Augustiner Hell und einer anständigen Brotzeit im königlichen Hirschgarten, dem größten Biergarten der Landeshauptstadt, einen gemütlichen Abschluss ihrer München-Fahrt.

Zweifaches SymbolNicht abschließend geklärt ist die Frage nach der Beziehung zwischen Davidstern und Zoiglstern. Gemeinsam ist beiden wohl die Herkunft aus dem Orient. Über den böhmischen Raum kam der Stern als Brausymbol und als Davidstern in die Oberpfalz und das angrenzende Franken. Von hier aus verbreitete sich der Davidstern als Symbol für das Judentum über die ganze Welt, während der Braustern nur in Süddeutschland seine Bedeutung behielt. (hev)
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