Musikschule zeigt Musical Schach 2.0
Karierte Lovestory

Zu den Hauptdarstellern gehörte die resolute und in feinsinniger Diplomatie bewanderte Königin (Teresa Trummer, links), die sich mit diplomatischem Geschick im Verkuppeln ihrer Tochter Luna (Anna Ott, Bildmitte) mit dem schwarzen Prinzen Zero (Lina Händel, rechts) versuchte. Bild: do
 
Verschiedene Chorgruppen inszenierten ein temperamentvolles Spektakel. Bild: do

Das Leben ist ein Spiel, ein Blick aufs Schachbrett beweist es: Bauern und Dame, Türme, Läufer, Springer und König. Ein raffiniertes Spiel, das die Musikschule im Vierstädtedreieck als Musical "Schach 2.0" einem begeisterten Publikum präsentierte.

Der weiße König bringt einfach nichts zustande. "Und das in einem Land, euch wohlbekannt, da wird regiert, mit harter Hand. Es gibt keine Freiheit, no, no, no in diesem Land" behaupten die Bauern. In "Schach 2.0" hat die Queen das Zepter fest in der Hand. Der König ein wankelmütiges Weichei, die Tochter "voll auf Shopping programmiert". "Das Volk beklagt sich, weil es kein Brot hat? Die sollten erst mal vier Sahnetorten essen, dann wüssten sie, was wirkliche Bauchschmerzen sind", sagt die Prinzessin. Selbst an ihrem Geburtstag ist Luna schlecht gelaunt, und das nicht wegen der Bauernaufstände, sondern wegen ihrer Langeweile.

Schwarz gegen Weiß


Dabei haben die Weißen durchaus Probleme. Die Schwarzen an der Grenze wollen Krieg. Da hat die weiße Königin, die mächtigste Figur auf dem Brett, eine Idee: Wozu hat man Kinder, wenn nicht, um sie geschickt zu vermählen? Doch da hat sie die Rechnung ohne den Nachwuchs gemacht. Selbstverständlich hält die Prinzessin nichts davon, Prinzen Zero zum Gatten zu nehmen. Und der Prinz? "Die Ehe ist der Liebestod auf dem Sofa", urteilt er und will keinesfalls mit dem "Pfannkuchen-Gesicht verheiratet werden. Beide jungen Leute nehmen reißaus, mit der Amme und mit Zeros Freund Valerio. Die weißen Türme sollen die Flüchtigen einfangen.

Aktuelle Themen


Nach Motiven aus Georg Büchner "Leonce und Lena" entwickelt sich eine Geschichte, in der es um Krieg und Frieden, Liebe und Langeweile geht. Die Geschichte von "Bauer sucht Frau" wird beim Schachspiel 2.0 zum Liebesdrama "Bauer sucht Dame". Dabei geraten zwei junge Menschen ins Visier der Mächtigen. Aber die Prinzessin in Weiß und der schwarze Prinz sind nicht gewillt, ihr Schicksal der Staatsmacht zu überlassen. Verdächtig realitätsnah erinnert das Musical an aktuelle Ereignisse. Der Überwachungsstaat, leere Konsumhaltung, Gleichgültigkeit in der Partnerschaft, Rollenbilder von Mann und Frau. Es prallen mit viel Esprit und Humor preisverdächtige Gesangsbeiträge aufeinander. Und das mit Songs von Latin Pop, Klassik, Schlager bis Disco und Rock.

Mit bemerkenswerter Kreativität beeindruckt die Musikschule in zwei Aufführungen das Publikum. Die insgesamt rund 1000 Besucher in der Aula des Gymnasiums, unter ihnen viele Eltern, Omas und Opas, verzückt das schauspielerische und gesangliche Niveau. Eindrucksvoll agieren die Kinder und Jugendlichen unter der Leitung von Joachim Steppert. Dabei stechen besonders die Hauptdarsteller hervor: die diplomatische weiße Königin (Teresa Trummer), die verwöhnte Königstochter Luna (Anna Ott), deren Freundin Mona (Mona Püttner) und Prinz Zero (Lina Händel), sein Diener Valerio, (Klara Schuster) und der unbedarfte König (Rebecca Danzer).

Ein Augenschmaus die Kostüme. Mitreißend auch die Musik der Lehrer-Combo Georg Obermaier, René Bauer, Patrick Oroudji, Hartmuth Gebelein, Klaus Bäuerlein, Joachim Steppert, Fabian Bertelshofer und Stefan Brunner. Ganz zu schweigen von der peppigen Choreographie von Klara Schuster und der umsichtigen Regie von Martina Steppert.

Exzellente Tanzeinlagen, Projektionen, Zeichnungen und Filmbeiträge werten das Musical zusätzlich auf. Köstlich besonders Szenen zur "Sommerliebe am Rußweiher-Strand" und "Eisvariationen". Nicht zuletzt tragen Bühnenbilder, Maske und Beleuchtung bei, dem Publikum ein begeisterndes Musical zu bieten. Der stürmische Beifall belohnte die 30 jungen Künstler und weitere Schüler der dritten Klasse. Mit Blumen und Gutscheinen dankt Fördervereins-Vorsitzender Günther Dilling.

Mit Happy End


Natürlich hat Schach 2.0 ein Happy End. Luna und Zero, die Königskinder, lernen sich auf der Flucht kennen und lieben. Nicht die Eltern, sondern das Schicksal bestimmt über Liebe und Glück des Prinzenpaares.
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