Techno made in Eschenbach
30 Jahre NzNzNz

Andreas Wolter vor seinem Altar: Er schätzt, dass er inzwischen einen fünfstelligen Betrag in sein Equipment gesteckt hat. (Foto: hfz)

Stadtkapelle, Stodbergsaitn, die Liedertafel und natürlich der Malzhaus Jam: Eschenbach hat musikalisch eine Menge zu bieten - sogar einen Techno-Pionier.

Als Mitte der 80er Jahre in London, Detroit und Berlin eine neue Musik- und Jugendkultur entstand, war auch ein Eschenbacher hin und weg. "Das war von Anfang an meine Musik", erinnert sich Andreas Wolter an seine erste Begegnung mit dem Techno einer Marusha oder eines Westbams. Das Beste: Wolter musste sich nicht mehr aufs Konsumieren beschränken. Der VC 20 von Commodore bot als einer der ersten Personal Computer die Möglichkeit, selbst Musik zu machen. Man musste kein Instrument beherrschen, keine Noten lesen. Der 48-Jährige kann beides bis heute nicht - Musik macht er trotzdem noch immer.



Dass Clubs oder Szene in der Region fehlen, die Freunde ihre Begeisterung von damals längst verloren haben und stattdessen über seine nicht selten den Kopf schütteln - Wolter ist das egal. Er hat sich die Freude an Techno, House und anderer elektronischer Musik bewahrt, bastelt im Wohnzimmer an Beats und baut daraus Tracks. "Das ist mein Ding, zu der Musik kann ich entspannen, einfach abschalten." Manchmal tobe er sich aus, tanze alleine durch die Wohnung. Dass andere die Musik monoton und langweilig finden, kann Wolter nicht nachvollziehen. "Es ist mir aber auch egal. Jeder kann denken was er will, mir gefällt's."




Sein Hobby lässt sich Wolter einiges kosten: Auf "gut 10 000 Euro" schätzt er sein Equipment. "Allein die Software liegt bei 8000 Euro." Der Musiker findet das Geld gut angelegt, bietet ihm seine Ausrüstung doch professionelle Bedingungen: Sein Computer kann praktisch jedes Instrument nachahmen, die Töne mit allen erdenklichen Effekten bearbeiten und so bisher ungehörte Musik erzeugen: Für Wolter ein Traum. Trotzdem trauert er seinem VC 20 nach, den habe er irgendwann mal abgegeben. Sammler würden heute viel Geld für die digitale Antiquität bezahlen.



Manchmal findet Wolter es allerdings schade, dass er sine Musik praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit macht. "Es wäre natürlich schön, das alles mit anderen zu teilen." Im Städtedreieck fehlen dafür die Gesprächspartner, das Internet schafft etwas Abhilfe: Auf Soundcloud veröffentlicht Wolter seine Stücke. Wer will, kann sie kostenlos anhören, herunterladen und kommentieren. Noch mehr Rückmeldungen bekomme er auf seine Youtube-Videos. Bislang gibt es zwei, die jeweils zeigen, wie ein Wolter-Track entsteht. Dazu erklärt der Produzent, was er gerade weshalb tut. Obwohl er dabei tiefen Oberpfälzer Dialekt spricht, kommen die Rückmeldung vor allem von Techno-Fans aus den USA und anderen Ländern.



Ganz hat Wolter die Hoffnung nicht aufgegeben, auch in der Heimat Gleichgesinnte zu finden. "Mein Traum ist eine große Techno-Party." Am liebsten würde er dafür ein altes Fabrikgebäude anmieten und darin feiern, so wie nach der Wende in den Fabrikruinen Ostberlins. "Und wenn nur 20 Leute kommen, wäre es mir auch recht." Vielleicht bietet sich der nächste runde Geburtstag dafür an. Im Dezember 2017 ist es für Wolter so weit. Und eine Techno-Party zum 50. wäre mal was anderes.

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