900 Tage Stadtratsarbeit: Korbinian Dunzer und Peter Nasser von der ÜCW legen Zwischenbilanz vor
Bald kostenloses WLAN

900 Tage Stadtpolitik hieß das Thema des ÜCW-Abends in der Pfarrheim-Kegelbahn von Günther Porsch. Dabei zogen die Stadträte Korbinian Dunzer (links) und Peter Nasser eine Zwischenbilanz ihrer Stadtratsarbeit. Bei einer "Jetzt-red-I"-Runde kamen zudem Anregungen aus den Reihen der Zuhörer. Bild: do
 
In Eschenbach herrscht akute Baulandnot. Die Stadt verfüge nur noch über zwei Plätze, die zudem keiner wolle, teilten die ÜCW-Stadträte mit. Sie fordern deshalb eine sofortige Erschließung des Baugebiets westlich des ehemaligen Bahnhofs. Dort bestehe seit mehr als zehn Jahren Baurecht. Bild: do

900 Tage Stadtratsarbeit: In einer Zwischenbilanz berichteten die Stadträte Korbinian Dunzer und Peter Nasser beim ÜCW-Stammtisch über spannende Stunden, den kommunalpolitischen Alltag und eine manchmal vogelwilde Streitkultur. "Was uns umtreibt ist, Steine ins Rollen zu bringen", sagen die "jungen Wilden".

Die anfängliche Euphorie sei der Ernüchterung gewichen, bilanzierten Dunzer und Nasser bei der Veranstaltung in der Kegelbahngaststätte von Günther Porsch die ersten Monate ihrer Stadtratsarbeit. Neue Köpfe und viele Themen: "Da musste man hineinschnuppern, um Erfahrungen zu sammeln", gaben die Jungspunde im 16-köpfigen Gremium zu. Doch was die Sachlichkeit der Debatten betrifft, seien schon bald Zweifel gekommen, merkte Korbinian Dunzer an.

"Ein faires Streitgespräch um der Sache Willen fällt einigen Ratskollegen schwer", bedauerte der 26-Jährige, der mit Peter Nasser und der CSU-Mannschaft eine Fraktion bildet. "Ein vorurteilsloser Verbesserungsvorschlag oder eine Anfrage enden oft mit persönlichen Angriffen", ergänzte Nasser. Mit der oft beteuerten Harmonie zwischen Fraktionen und Personen sei es nicht weit her - im Gegenteil. Der ÜCW-Mann, der zudem für die CSU dem Kreistag angehört, schilderte die Sitzungsarbeit als oft frustrierend, anstrengend und mühevoll. Er empfahl den Zuhörern, sich einmal selbst ein Bild von der manchmal vogelwilden Debattenkultur zu machen.

Tourismuskonzept


In der folgenden zweistündigen Diskussion standen Sachthemen im Vordergrund. Dabei interessierten sich nicht nur viele ÜCW-Mitglieder für die Informationen der jungen Räte. Bei dem kommunalpolitischen Dämmerschoppen entwickelte sich ein lockerer Gedankenaustausch zur Stadtpolitik. Dieser begann mit einer guten Nachricht: Peter Nasser berichtete, dass in Kürze kostenloses W-LAN auf dem Karls- und dem Marienplatz zur Verfügung stehen werde. Dies gehe auf einen Antrag der CSU/ÜCW-Fraktion zurück.

Zum Schwerpunktthema erhoben die beiden Stadträte ein Vermarktungskonzept für den Obersee und den Kleinen Rußweiher. Ein Antrag ihrer Fraktion sehe eine selbstbewusstere Vermarktung vor, erklärte Peter Nasser. Es gehe darum, eine Analyse der touristischen Alleinstellungsmerkmale der Rußweiherstadt und in der Folge ein ganzheitliches Konzept zu erarbeiten.

Dabei setzt der Absolvent der Hotelfachschule Pegnitz auf Experten: Er hat eine Projektgruppe mit vier Tourismusschülern organisiert, die das Freizeitangebot in Eschenbach analysiert. Für die Stadt eine sehr kostengünstige Regelung, merkte Nasser an. Mit ihm hofft Korbinian Dunzer auf Synergieeffekte. "Eine Steigerung der Besucherzahlen bedeutet eine Stärkung der Gastronomie und belebt die Stadt."

Nicht los lässt die ÜCW-Vertreter auch die Idee einer Stadthalle. "Wir brauchen eine Location für mindestens 400 Gäste", urteilten Teilnehmer. Einfach und kostengünstig mit Küche, Bühnenbereich und variabler Bestuhlung ausgestattet, sei eine Gemeinschaftshalle für das gesellschaftliche Leben das Gebot der Stunde, betonten die Stadträte.

"Ein Neubau muss her"


Die vorhandenen Räumlichkeiten - zum Beispiel die Aula des Gymnasiums, die Mehrzweckhalle, die Aula der Markus-Gottwald-Schule, das Malzhaus, das Taubenschusterhaus und die SCE-Halle - seien keiner Multi-Nutzung zugänglich oder es fehle an der Ausstattung, machte Peter Nasser deutlich. Auch das alte Feuerwehrhaus sei nur ein Notnagel für Feste und mit seiner mangelhaften Bausubstanz vor allem im Winter für Veranstaltungen ungeeignet. Deshalb gebe es keine Alternative: "Ein Neubau muss her", sind die ÜCW-Stadträte überzeugt.

Eine Mahnung an den Bürgermeister durfte zum Schluss nicht fehlen. "Als Stadtrat kann man Ideen einbringen, unterstützen, mitentscheiden, aber auch etwas verhindern." Schubkraft verleihen könne einer Stadtpolitik allerdings nur der Bürgermeister, stellten Nasser und Dunzer klar.

Mit der Ausweisung von Bauland Ernst machenAls erfreulich bezeichneten die ÜCW-Stadträte Korbinian Dunzer und Peter Nasser die Erschließung weiterer Gewerbeflächen nördlich des Industriegebiets am Stadtwald. Beide drängen auf eine zeitnahe Realisierung. Gleichzeitig warnten sie vor einer Geisterlandschaft, wie sie im Osten der Republik vielerorts zu beobachten sei. Wichtig sei eine aktive Bewerbung der Gewerbeflächen.

"Ein Trauerspiel" sehen die ÜCW-Leute dagegen in der mangelnden Verfügbarkeit städtischer Bauplätze. Peter Nasser sprach von Lippenbekenntnissen, wenn von einer lebendigen und jungen Stadt die Rede sei. "Viele junge Familien wandern wegen der Bauplatznot in die Nachbargemeinden ab oder kommen erst gar nicht nach Eschenbach", erklärte er. Korbinian Dunzer forderte, endlich mit der Ausweisung von Bauland Ernst zu machen. Beide Räte nervt die Langsamkeit der städtischen Aktivitäten in diesem Bereich.

Deshalb sprachen sie sich für eine unverzügliche Erschließung des Geländes westlich des ehemaligen Bahnhofs in Fortsetzung des von der Raiffeisenbank in Eigeninitiative ausgewiesenen Baugebiets Raiffeisenplatz aus. "Baurecht wurde am Bahnhof schon lange geschaffen. Jetzt heißt es, mutig anpacken, um den vielen interessierten Häuslebauern eine Chance zu geben, in ihrer Heimat Eschenbach zu bleiben." (do)
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