Ehre für Robert Dotzauer
Verdienstkreuz statt Nachruf

Robert Dotzauer trägt ab Freitag das Bundesverdienstkreuz.

Ein großer Termin im Großen Sitzungssaal: Am Freitag hat Bayerns Sozialministerin Emilia Müller Robert Dotzauer in ihr Ministerium bestellt. In einer Feierstunde verleiht sie ihm ab 13 Uhr das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Wofür, das weiß der frühere Bürgermeister nicht, aber er hat einen Verdacht, verrät er im Interview mit dem "Neuen Tag".

Herr Dotzauer, wussten Sie, dass Sie für die Auszeichnung des Bundespräsidenten vorgesehen sind?

Robert Dotzauer : Nein, mich hat das Einladungsschreiben im Januar völlig überrascht. Erst danach ist mir eingefallen, dass Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht schon vor einigen Jahren einen Lebenslauf von mir haben wollte. Damals dachte ich, die Kreis-CSU arbeitet an meinem Nachruf.

Das heißt, dass Rupprecht Sie vorgeschlagen hat. Wissen Sie wofür?

Dotzauer : Ich gehe davon aus, dass Rupprecht verantwortlich ist. Eine Begründung habe ich aber nicht erhalten. Landrat Andreas Meier hat mir aber schriftlich gratuliert und dabei meine guten Beziehungen zur US-Armee und meine Rolle beim Bau der US-Siedlung am Netzaberg angesprochen. Vermutlich wird das auch der Grund für die Auszeichnung sein.

Sehen Sie ebenfalls im Bau der US-Siedlung Ihre größte Leistung?

Dotzauer : Die Newtown am Netzaberg war sicher wichtig und gut für die Stadt. Mir persönlich lag aber auch die Altstadtsanierung am Herzen. Hier habe ich mich schon in den 1980er Jahren als zweiter Bürgermeister eingebracht. Dass ich diese Alstadtsanierung bis zum Ende begleiten und gestalten konnte, bedeutet mir eine Menge.

Was ist Ihnen außerdem aus Ihren 18 Bürgermeister-Jahren in Erinnerung geblieben?

Dotzauer : Ich wollte die Stadt zukunftsfähig machen. Dafür waren mir gute Beziehungen zur Wirtschaft und genügend Bauland für neue Bürger wichtig. Der Spielraum war Anfang der 1990er Jahre nicht groß. Nach der Wiedervereinigung war kein Geld mehr für die Kommunen übrig. Heute schwimmt der Staat vergleichsweise im Geld, es gibt eine Menge Fördermöglichkeiten. Ich freue mich immer noch, dass wir manches Projekt damals dennoch umsetzen konnten.

Woran denken Sie?

Dotzauer: Die Sanierung des Malzhauses war sehr umstritten. Heute gilt es oberpfalzweit als einmalig, damals wollte niemand Geld in das Gebäude stecken. Ich bin der NT-Redakteurin Claudia Müller immer noch dankbar. Beim Bürgerfest hat sie damals mit Lissy Höller einen Prosecco-Stand zugunsten des Malzhauses betrieben. Am Schluss haben wir die Sanierung umgesetzt, auch weil wir doch 80 Prozent Fördermittel bekamen.

Gab es auch Niederlagen?

Dotzauer: Als ehemaliger AOK-Mann war mir der Gesundheitsstandort Eschenbach wichtig. Dass wir das Krankenhaus verloren haben, tut mir weh, auch wenn es erst nach meiner Amtszeit passiert ist.

Haben Sie selbst Fehler gemacht?

Dotzauer : Man hat mir immer nachgesagt, dass ich zu wenig kompromissbereit war. Anderseits ist etwas Sturheit nötig, wenn man etwas erreichen und nicht immer nur diskutieren will.

Sie erhalten das Verdienstkreuz, aus der Altbürgermeisterwürde wurde vergangenes Jahr nichts. Gibt es dazu Neuigkeiten?

Dotzauer: Ich habe nichts mehr dazu gehört und möchte das auch nicht überbewerten.

Wie läuft der Freitag für Sie ab?

Dotzauer : Eigentlich wollten meine Frau Agnes und ich mit dem Bayernticket nach München fahren. Allerdings hat mir nun Landrat Andreas Meier seine Limousine und den Fahrer angeboten. Er selbst kann nicht mitkommen, dafür begleitet uns sein Stellvertreter Albert Nickl. Wie die Verleihung selbst abläuft, weiß ich nicht, da lasse ich mich überraschen.

Zur PersonAm 24. Mai 1945 in Eschenbach geboren, wuchs Robert Dotzauer als Halbwaise auf und engagierte sich schon früh im öffentlichen Leben: als Pfarrjugendführer der Katholischen Kirchengemeinde, als Posaunist der Jugendblaskapelle, als Sänger der Liedertafel aber auch als Schiedsrichter auf dem Fußballplatz. Das Amtsgericht Weiden berufte ihn zum Jugendschöffen. Vier Perioden übte er das Amt des ehrenamtlichen Richters aus. Mit der Zeit kamen weitere Ämter und Mitgliedschaften hinzu: in Katholischen Kirchenverwaltung, bei der Gebietsverkehrswacht, beim Rettungszweckverband oder im BRK-Kreisverband.

Ebenfalls in jungen Jahren sammelte Dotzauer kommunalpolitische Erfahrungen. 1974 übernahm er den Vorsitz der Jungen Union Eschenbach. 1978 zog er in den Stadtrat ein, die CSU-Fraktion machte ihn gleich zum Vorsitzenden. 1984 wurde Dotzauer Stimmenkönig und zweiter Bürgermeister. Auch im Kreistag war er ab 1984 vertreten. Ab 1990 war er für drei Wahlperioden Bürgermeister. In seine Amtszeit fällt die Altstadtsanierung und der Bau der US-Siedlung am Netzaberg. Auch wirtschaftlich blühte Eschenbach auf.

Bevor er im Jahr 1990 das Bürgermeisteramt übernahm, war Dotzauer bei der AOK beschäftigt. 1972 heiratete er die Apfelbacherin Agnes Stopfer. 1974 wurde Tochter Doris geboren. 1976 kam Sohn Thomas zur Welt.
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