Erste Kreistagswahl nach dem Krieg
Junge CSU als großer Sieger

Mit der Landkreisgebietsreform wurde 1972 der Landkreis Eschenbach zerschlagen. Wenige Monate später trafen sich Kreisräte des Altlandkreises mit Landrat a. D. Josef Decker (links) im Gasthof Burger.

Auf Kreisebene begann die Normalisierung des kommunalpolitischen Lebens am 26. Juli 1945 mit der Ernennung von Josef Prüschenk aus Kirchenthumbach zum Landrat. In einem Aufruf am 20. Oktober appellierte Prüschenk an die Menschen, zum Wiederaufbau beizutragen. "Die Not derer, die als Flüchtlinge bei uns weilen müssen, erfordern harte Maßnahmen", schrieb Prüschenk im Amtsblatt.

Zwischen Anordnungen und Bekanntmachungen für die Höchstpreise für das Holzrücken, der Ladenverkaufspreise für Fleisch- und Wurstwaren war im Amtsblatt des Landkreises auch von den Vorbereitungen zur ersten freien Kreistagswahl am 28. April 1946 die Rede. Die Wahlberechtigten wurden aufgefordert, Wahlvorschläge für 27 Kreistagsmitglieder einzureichen.

Die "rote" Resi


Am 19. April stellte Prüschenk als Kreiswahlleiter die Einreichung von drei Wahlvorschlägen fest. Eingereicht von Vertrauensmann Alfons Schupfner aus Pressath kandidierten für die SPD 14 Landkreisbürger zwischen Finstermühle bei Neuhaus/Pegnitz bis Grafenwöhr. Die CSU startete angeführt von Vertrauensmann Josef Ficker aus Eschenbach mit 25 Kandidaten. 10 Bewerber mit Vertrauensmann Emil Horschelt aus Grafenwöhr standen auf dem Wahlvorschlag der Kommunistischen Partei. Bemerkenswert war der Anteil der Frauen: 2 von 49 Kandidaten. Frieda Schindler aus Grafenwöhr und Resi Kürzinger aus Degelsdorf kandidierten für die KPD.

Der große Wahlsieger hieß am 28. April 1946 CSU. Von den 10 179 Stimmen entfielen auf sie 6916, auf die SPD 3124 und die KPD-Kandidaten wählten nur 139 Landkreisbürger. Dieses Wahlergebnis bedeutete 19 Sitze für die CSU und 8 Sitze für die SPD. In den ersten Kreistag nach dem "Dritten Reich" waren vertreten von der CSU Josef Ficker (Eschenbach), Ulrich Fritzner (Auerbach), Hans Neuser (Wollau), Hans Potzel (Neustadt am Kulm), Karl Meiler (Grafenwöhr), Josef Prüschenk (Kirchenthumbach), Leonhard Lehner (Preißach), Hans Michel (Pressath), Gottfried Deiml (Michelfeld), Gereon Motyka (Speinshart), Hans Höllerer (Krottensee), Michael Schatz (Oberbibrach), Sebastian Eichermüller (Pressath), Michael Bäumler (Grafenwöhr), Ludwig List (Eschenbach), Hans Haslbeck (Welluck), Johann Schecklmann (Kirchenthumbach), Franz Kormann (Auerbach) und Josef Maul (Treinreuth). Die SPD stellte folgende Kreistagsmitglieder: Adolf Schnödt (Auerbach), Andreas Österreicher (Pressath), Adolf Bausenwein (Grafenwöhr), Hans Kreuzer (Neustadt am Kulm), Johann Benaburger (Neuhaus a.d.Pegnitz), Georg Heringklee (Kirchenthumbach) und Hans Blendinger (Eschenbach).

Schnell aufgestockt


Nach einer Regierungsentschließung wurde nur wenige Wochen später die Zahl der Kreistagsmitglieder von 27 auf 32 erhöht. Hintergrund waren die steigenden Einwohnerzahlen. Aus dem CSU-Wahlvorschlag wurden die Ersatzleute Fritz Brandt (Grafenwöhr), Josef Rieger (Gunzendorf) und Michael Kopp (Eschenbach) zu Nachrückern. Für die SPD zogen Michael Kugler (Auerbach) und Georg Wiesner (Pressath) ein.

Am 4. Juni 1946 fand in der Gaststätte Rohrer in Eschenbach die konstituierende Sitzung statt. Nach einem Rechenschaftsbericht von Josef Prüschenk bestätigte der Kreistag ihn in geheimer Wahl als Landrat. Für den Bauunternehmer stimmten 30 der 32 Kreistagsmitglieder.
Die Not derer, die als Flüchtlinge bei uns weilen müssen, erfordern harte Maßnahmen.Landrat Josef Prüschenk im Eschenbacher Amtsblatt
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