Feste am Rußweiher
Wie viel Risiko darf sein?

Der Rußweiher in Eschenbach. (Foto: ma)

Die einen warnen vor zu viel Risiko, die anderen vor zu viel Angst: Im Streit um Feste am Rußweiher geht es um eine Grundsatzfrage.

Es ging hoch her im Stadtrat, als "Festivitäten am Rußweiher" auf der Tagesordnung standen. Quer durch die Fraktionen gab es keine Einigung, ob sich das Naturfreibad für Feste und Partys eignet. Bürgermeister Peter Lehr hatte dafür von Anfang an wenig übrig. Ein Gutachten der Münchener Anwaltskanzlei Meidert bestärkt ihn. Dieses verweist auf "kaum überschaubare Haftungsrisiken" für die Stadt. Schon jetzt sehen die Juristen Probleme: Schließlich liege der Kinderspielplatz dort nahe am Wasser. Lehr hat bereits Konsequenzen gezogen: "Außerhalb der Badesaison bleibt das Gelände geschlossen" und der Spielplatz damit unzugänglich.

"Zu viel Vorsicht", findet CSU-Fraktionssprecher Marcus Gradl. Risiken gebe es immer, etwa den Bach am neuen Spielplatz im Generationenpark. "Wollen wir den auch sperren?" Gradl setzt darauf, Risiken überschau- und planbar zu machen. Die Stadt habe die Möglichkeit, über Satzung und Auflagen die Veranstaltungen steuern. Für weitere Risiken gebe es eine Veranstalterhaftpflicht.

"Ich hätte mir gewünscht, dass wir vor dem Anwaltsgutachten das Gespräch mit Ordnungsamt und Polizei suchen." Deren Spezialisten haben Erfahrungen. Zudem hat Gradl in Grafenwöhr nachgefragt und sich die Auflagen-Liste für Veranstaltungen im Waldbad besorgt.

Peter Lehr wehrt sich jedoch gegen die Gleichsetzung mit den Partys und Feiern der Nachbarstädte. "Die Situation am Rußweiher ist anders als am Kiesi-Beach in Pressath oder dem Waldbad in Grafenwöhr." Lehr verweist dazu auf die Bundesstraße, die direkt am Rußweiher vorbeiläuft.

Die Situation am Rußweiher ist anders als am Kiesi-Beach in Pressath oder dem Waldbad in Grafenwöhr.Bürgermeister Peter Lehr

Auch wenn es in Grafenwöhr regelmäßig Feste im städtischen Waldbad gibt: Edgar Knobloch kann die Bedenken seines Kollegen schon nachvollziehen. "Es ist tatsächlich ein juristischer Graubereich, wenn man so ein Fest zulässt", sagt Grafenwöhrs Bürgermeister. Seit der Duisburger Loveparade sind alle Seiten vorsichtiger geworden. Allerdings weiß Knobloch auch, dass etwa das Waldbadfest hervorragend ankommt. "Die Leute wollen diese Veranstaltungen." Es sei ein Balanceakt zwischen wenig Risiko und viel Lebensqualität.

Die Stadt Grafenwöhr setze darauf, die Risiken zu minimieren, um Gefahren zu minimieren, aber auch um sich im Schadensfall nichts vorwerfen lassen zu müssen. "Wir machen Runde Tische, mit Polizei und Veranstalter." Solche Maßnahmen schweben auch Marcus Gradl für Eschenbach vor. Das juristische Gutachten sei sehr abstrakt. "Wir brauchen für eine der nächsten Sitzungen eine Liste von Auflagen, die wir erfüllen müssen." Wenn diese vorliege, kann der Stadtrat entscheiden: "Können wir das leisten oder nicht."

Es gibt genug PlätzeBürgermeister Peter Lehr sieht in Sachen Raum für Freiluft-Veranstaltungen wenig Handlungsbedarf in seiner Stadt. "Wir haben Möglichkeiten", findet er und verweist exemplarisch auf die Italienische Nacht, die vor einiger Zeit alle Besucher begeistert hat. Am Platz vor dem alten Feuerwehrhaus habe es wunderbare Feiern gegeben. Und auch die SC-Anlage biete sich für Feiern an. "Was dort möglich ist, hat zuletzt das Jubiläum des FC-Bayern-Fanclubs gezeigt."

Marcus Gradl möchte nicht widersprechen. Allerdings ist für den CSU-Fraktionssprecher auch klar: "Ein Ambiente wie das Rußweiher-Freibad bietet kein anderer Platz in der Stadt." Er stelle sich ein gediegenes Fest mit Feuerkörben und Blick aufs Wasser vor, schwärmt der Stadtrat. Wichtig ist ihm, dass es nicht um dauerhafte Veranstaltungen mit tausenden Leuten geht. "Das passt gar nicht dorthin." Zudem sollte es eine Hauptauflage geben: Am Tag nach dem Fest muss der Badebetrieb gewährleistet sein. "Wenn das nicht funktioniert, war es das sowieso." (wüw)
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