Neue Pläne für Traditionsgaststätte
Asyl im Weißen Roß

Im Weißen Roß ist kein Leben mehr: Seit Anfang Februar hat Familie Burger den Betrieb eingestellt. Nun plant sie, die Räume der Regierung der Oberpfalz für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen - stößt aber in der Stadt auf Widerstand. Bild: do

Das Aus fürs Weiße Roß als Gasthof und Hotel ist besiegelt. Die Eigentümer haben neue Pläne für das traditionsreiche Haus am Eschenbacher Marienplatz. Die Widerstände dagegen überraschen sie nun.

Das Weiße Roß soll Asylbewerberunterkunft werden. Leicht fällt es Eigentümerin Liane Burger nicht, über ihre Beweggründe zu sprechen. Sie sagt aber auch, dass sie zu den Plänen steht. "Ich muss mich nicht schämen."

Seit Anfang Februar ist der Gasthof geschlossen, und viele Eschenbacher trauern. Er war das letzte Wirtshaus, das auch wochentags durchgehend Mittagstisch bot. Burger hätte das gerne so beibehalten, "aber es geht einfach nicht". Die Familie führte das Haus zuletzt als Zwei-Personen-Betrieb: Liane Burger an Empfang und im Service, ihre Mutter in der Küche. Die Arbeitsteilung funktioniert nun nicht mehr, weil die Augen der Mutter nicht mehr mitspielen. "Sie sieht kaum mehr", sagt Liane über die 74-Jährige. Der Lebensgefährte ist berufsbedingt viel unterwegs, die Tochter studiert und Angestellte komme aus finanziellen Gründen nicht in Frage. "Sehen sie sich doch in Eschenbach um: Es gibt kaum mehr Gasthäuser, oder die Pächter wechseln ständig." Das klassische Gastgewerbe sei in der Krise.

Eine Asylbewerberunterkunft biete sich als Alternative an. Dass es dabei zunächst um wirtschaftliche Aspekte geht, gibt Burger zu. "Natürlich muss ich schauen, wo wir finanziell bleiben." Allerdings denke sie auch daran, dass sich ihr Hotel gut für den Zweck eignet, besser als Zelte oder Turnhallen. Das habe ihr auch die Regierung der Oberpfalz bestätigt. Deren Mitarbeiter waren von ihrem Haus begeistert.

Allerdings erfuhr Burger schnell, dass die Stadt nichts von ihren Plänen hält. Bürgermeister Peter Lehr habe klar gemacht, dass der Stadtrat einer Nutzungsänderung nicht zustimmen wird - zur Überraschung Burgers. In Eschenbach gebe es bereits genug Asylbewerber, habe Lehr gesagt. "Ich hatte immer den Eindruck, dass Eschenbach offen und aufgeschlossen ist", sagt Burger, die darauf verweist, dass es in der Stadt noch nie Probleme mit Asylbewerbern gab. Deshalb fehlt ihr das Verständnis für die Ablehnung. "Ich möchte mein Haus nicht leerstehen lassen", andererseits könnten Flüchtlinge in einer menschenwürdigen Umgebung auf die Entscheidung über ihren Antrag warten.

Bürgermeister Peter Lehr äußerte sich nur kurz zu den Plänen der Familie Burger: "Der Stadtrat wird den vorliegenden Bauantrag zu gegebener Zeit im öffentlichen Teil der Sitzung behandeln. Mehr ist hierzu nicht zu sagen." Ob der Rat die Nutzungsänderung verhindern könnte, scheint aber fraglich. Das Stadtzentrum ist als Mischgebiet ausgewiesen und das letzte Wort dürfte ohnehin beim Landratsamt liegen.
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