Notarztstandort Eschenbach
Zu 99,9 Prozent besetzt

In der Rettungswache in Eschenbach stehen zwei Rettungswägen bereit und praktisch immer auch ein Notarzt - obwohl die KVB keine Ärzte der Kliniken AG verpflichten will. Bild: Do
 
"Wir müssen mehr jonglieren als früher." Zitat: Dr. Thomas Arnold zur Planung des Notarztdienstes ohne Ärzte der Kliniken AG

Seit Juli stellt die Kliniken Nordoberpfalz AG keine Ärzte mehr für den Notarztstandort Eschenbach. Entgegen manch düsterer Prognose steht trotzdem dauerhaft ein Notarzt bereit. Die Diskussion geht dennoch weiter.

Seit zwölf Wochen läuft der Notarztdienst ohne Ärzte der Kliniken Nordoberpfalz AG (KNO) - und er läuft gut. "Am Notarztstandort in Eschenbach haben wir selbst im Ferienmonat August eine Besetzungsquote von 99,9 Prozent", sagt Michael Stahn von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB), die für den Notarztbesetzung zuständig ist. Damit liegt Eschenbach über dem bayernweiten Schnitt von etwas über 99 Prozent.

Dies bestätigt Dr. Thomas Arnold. Der Dienstplan sei nahezu voll erfüllt. An den zuvor von der KNO abgedeckten Donnerstagen und Freitagen übernehmen nun Kollegen aus dem Nürnberger Raum oder aus Waldsassen. Dennoch wünscht sich Arnold, dass das Klinikum zum Notarztdienst zurückkehrt. "Wir müssen mehr jonglieren als früher", sagt Arnold, der auch für den Dienstplan der Notärzte zuständig ist. Immer wieder lasse sich der Posten nur besetzen, weil Kollegen kurzfristig einspringen. "Die Kliniken AG hat seit der Schließung des Krankenhauses in Eschenbach eine moralische Verpflichtung", sagt Arnold. Er erwarte, dass sich deren Vertreter schnell mit der KVB einigen.

Hoffnung machen aber weder KVB noch KNO: "Die Situation ist unverändert: Der Ball liegt bei der KVB", sagt AG-Sprecher Stephan Landgraf. Die Kliniken sind bereit, Ärzte abzustellen, wollen dafür aber bezahlt werden, so wie an den Standorten in Kemnath und Tirschenreuth. Dazu wäre eine Verpflichtung durch die KVB nötig, denn diese ist rechtlich für die Besetzung der Notarztstandorte zuständig. Wenn sie das auf freiwilliger Basis nicht schafft, könnte sie die Kliniken AG zum Dienst verpflichten - muss dann aber die vollen Kosten für den Arzt übernehmen. Wenn die KNO sich wie bis Juli freiwillig beteiligt, bekommt sie lediglich die übliche Aufwandsentschädigung. Diese reicht aber nicht, um eine Stelle zu schaffen, so dass die Notärzte aus dem laufenden Krankenhausbetrieb abgezogen werden müssten. Dazu ist die Kliniken AG nicht mehr bereit und verweist auf die Patienten in ihren Krankenhäusern, denen diese Ärzte fehlen. Um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, man lasse den Standort im Stich, plant die AG wie bisher für Donnerstag und Freitag Notärzte ein und fragt jeweils am Mittwoch bei der KVB nach, ob sie diese kurzfristig anfordern möchte.

Bis heute hat die KVB dieses Angebot noch nie angenommen, "da keine Notwendigkeit bestand", erklärt KVB-Sprecher Stahn. "Der Standort Eschenbach wird weiterhin rund um die Uhr aus der Freizeit, also durch freiwillige (niedergelassene) Ärzte, besetzt. Neuerungen bzw. Veränderungen gibt es derzeit nicht." Es sieht also nicht nach einer Rückkehr der KNO in den Notarztdienst aus.

Keine Kritik gibt es von den Bürgermeistern aus Pressath und Grafenwöhr, Werner Walberer und Edgar Knobloch. "Bis heute habe ich noch nie von einem Fall gehört, in dem ein Notarzt gebraucht wurde, aber keiner bereitstand", erklärt Walberer. Auch Knobloch kennt keine solchen Fälle. Ob die Klinken AG Notärzte bereit stellt, ist für die Bürgermeister zweitrangig. Wichtig sei, dass im Notfall ein Arzt bereit steht.

Wir müssen mehr jonglieren als früher.Dr. Thomas Arnold zur Planung des Notarztdienstes ohne Ärzte der Kliniken AG


Runder Tisch im LandratsamtZufrieden mit der Situation in Eschenbach ist Landrat Andreas Meier. Schon als der Vertrag zwischen KVB und KNO Ende Juni auslief, hatte Meier Verständnis für die Kliniken bekundet und auf die Zuständigkeit der KVB verwiesen.

Weil "Gerüchte, Fehlmeinungen und Fehlinformationen" rund um den Notarztstandort und die Rolle der KNO nicht enden wollen, hat Meier am 5. Oktober zum Runden Tisch geladen. Daran sollen die Bürgermeister von Pressath, Eschenbach, Schwarzenbach, Kirchenthumbach und Grafenwöhr Platz nehmen. Auch Vertreter der KVB, der Kliniken Nordoberpfalz, des Rettungszweckverbands und der Integrierten Leitstelle sind geladen. Es gehe darum, die Situation, "sauber aufzuarbeiten und klarzustellen". Ausdrücklich betont Meier, dass nicht ein "bestehender Notstand" Grund des Treffens sei.

Meier möchte rechtliche Fragen und Zusammenhänge klären: Wer ist zuständig für den Notarztdienst? Welche Rolle spielen der Rettungszweckverband, die Kassenärztliche Vereinigung und die Kliniken Nordoberpfalz? Auch die Ausfallzeiten möchte Meier zum Thema machen. Weiter soll es um die Finanzierung bzw. die Kostenerstattung gehen. "Es sollen und können bei diesem Treffen alle Fragen gestellt werden, die im Raum stehen." (wüw)
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