Ortsumgehung Eschenbach
Bohrende Fragen

(Foto: dpa)

Zu teuer, zu groß, zu wenig Nutzen: In Eschenbachs Osten hält sich die Begeisterung für die dort geplante Ortsumgehung sehr in Grenzen. Besonders die Informationspolitik der Stadt steht in der Kritik.

Gegen die Ortsumgehung im Osten der Stadt regt sich Widerstand, Anwohner und die Eigentümer der landwirtschaftlichen Flächen zwischen Thomasreuth und der B 470 organisieren sich derzeit, "wenn es sein muss auch zu einer Bürgerinitiative", heißt es aus dem Kreis der Betroffenen.

Sie zweifeln, ob es tatsächlich Bedarf gibt für diese Verlegung der Staatsstraße 2168, die Eschenbach als Sonderbaulast mit Unterstützung des Freistaats schultern will. Der Stadtrat hat den Bau beschlossen, aber stimmen die Entscheidungsgrundlagen? Die Grundbesitzer zweifeln daran. Werden tatsächlich so viele Autofahrer Eschenbachs Innenstadt und die Ampelkreuzung dort meiden, wenn es die Umgehung gibt? Die Anlieger glauben nicht, dass die Entlastung die Kosten rechtfertigt. Von 7,8 Millionen Euro sprach ein Vertreter des Staatlichen Bauamts im Frühjahr 2016 im Stadtrat. Der staatliche Zuschuss könnte demnach bei 80 bis 85 Prozent liegen. Die Anlieger kritisieren weiter die Größe des Brückenbauwerks, das nötig wäre, um die Straße nahe des Birschling Wegs in die B 470 einmünden zu lassen.

Weil sich dort auch der Verlauf der Bundesstraße ändern müsste, warnen sie vor zusätzlicher Lärmbelästigung. Die Landwirte weisen darauf hin, dass die Straße die letzten stadtnahen zusammenhängenden landwirtschaftlichen Flächen zerschneide würde. Es gebe keine Ausgleichsflächen in der Umgebung. "Wir können mit dem Traktor ja schlecht bis Weiden fahren", merkt einer der Betroffenen an.

Vor allem sorgen aber Schreiben vom August 2016 für Unruhe. Die Stadt forderte darin Grundstückseigentümer auf, Probebohrungen zuzustimmen. Dabei gab es keine Infos, wo, wann oder wie viele Bohrungen geplant sind. "Wir sollten einen Blankoscheck ohne Rücktrittsrecht unterschreiben", klagt einer der Eigentümer. Die Bitte um ein Informationsgespräch habe die Stadt abgelehnt, stattdessen seien die Eigentümer auf die Stadtratssitzungen verwiesen worden, die seien schließlich öffentlich.

Mehr Aufmerksamkeit habe das Anliegen der Bauern beim Bürgerstammtisch der CSU am Dienstagabend gefunden. Ein erster Schritt sei nun eine erneute Verkehrszählung auf der Staatsstraße am Ortseingang in Richtung Eschenbach. "Wir haben das Gefühl, dass inzwischen einige Stadträte umgedacht haben", bilanziert ein Landwirt das Treffen. Bürgermeister Peter Lehr war am Mittwoch allerdings terminlich verhindert und deshalb nicht für eine Stellungnahme zu dem Straßenbauprojekt zu erreichen.
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Autor MOR aus Grafenwöhr | 07.11.2016 | 14:06  
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