Wie geht es weiter in der Flüchtlingskrise
Schaffen wir’s oder schafft es uns

Mit Deutschland-den-Deutschen-Parolen ist uns am wenigsten geholfen.

Schaffen wir's? Merkel glaubt ja, Seehofer nein. Was aber ist mit den Leuten, die die Arbeit leisten. Schaffen es die ehrenamtlichen Helfer, schaffen es die Gemeindeverwaltungen, wenn der Flüchtlingsstrom anhält?

Eschenbach/Kemnath. Leicht wird die Bewältigung des Flüchtlingsstroms nicht, da sind sich alle einig.

Gudrun Raab, Beauftragte des Landratsamtes und Leiterin des Helferkreises Asyl in Pressath:

Gudrun Raab betreut in Pressath 70 Flüchtlinge, dabei habe sie positive wie negative Erfahrungen gemacht. Eine Prognose traut sie sich nicht zu. "Ich bin keine Hellseherin." In einem Punkt ist sich Raab aber sicher: "Wenn wir es schaffen, dann durch viele kleine Schritte von Mensch zu Mensch." Ämter und Behörden können die eigentliche Integration nicht leisten. "Das müssen die Menschen direkt oder über Vereine machen." Raab wünscht sich, dass "wir Ureinwohner" stärker auf die Neuankömmlinge zugehen, Kontakte knüpfen, sie beim Sport oder anderen Vereinsaktivitäten mitmachen lassen. "Dann ist viel möglich."

Werner Roder, Bürgermeister in Vorbach (Freie Wähler):

"Wenn Sie eine kurze Antwort wollen: Nein, wir werden das nicht schaffen." Der Lokalpolitiker versteckt seine Sorge nicht: "Deutschland kann mit der Flüchtlingszahl des Jahres 2015 fertig werden." Aber dauerhaft ist das nicht möglich. Die Verwaltungen seien ihren Grenzen nahe, die Akzeptanz der Bevölkerung sinke. "Hierüber muss sich die hohe Politik Gedanken machen." In seiner Gemeinde leben keine Flüchtlinge. "Vielleicht lassen sich Plätze für ein, zwei Familien finden. Aber das ändert an der Situation wenig." Außerdem stelle sich die Sinnfrage: "Mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert der Weg zur Ausländerbehörde und zurückfahren länger als einen Tag."

Werner Walberer, Bürgermeister Pressath (SPD):

"Dass wir es derzeit schaffen, haben wir den Ehrenamtlichen zu verdanken." Pressaths Bürgermeister warnt aber: "Auch deren Belastbarkeit hat Grenzen." Die Grenzen einfach zu schließen, hätte nicht nur für die Flüchtlinge negative Folgen. "Es gibt keine einfache Lösung." Am besten wäre, die Fluchtursachen abzustellen. Wichtig sei, dass die demokratischen Parteien zusammenarbeiten, auch wenn AfD und andere radikale Parteien derzeit profitieren. "Mit Deutschland-den-Deutschen-Parolen ist uns am wenigsten geholfen."

Mit Deutschland-den-Deutschen-Parolen ist uns am wenigsten geholfen.Werner Walberer

Werner Nickl, Rathauschef in Kemnath (CSU):

Im Asylstreit zwischen CSU und Merkel sieht er weniger ein Ringen um Inhalte, eher um Worte. Ob Obergrenze, Begrenzung oder Umverteilung, es müsse etwas geschehen. "Es kann nicht sein, dass Deutschland mit den größten Teil der Flüchtlinge aufnimmt." Das könne die Bundesrepublik nicht schultern. Die EU habe aber keinen Sinn, wenn sich Länder zurückzögen. Dann gebe es sie nur "wegen des Geldes und nicht wegen der Menschen". Laut Nickl hat sich Merkel mit ihrer Quasi-Einladung "leichtsinnig verhalten". Sie sollte Mut haben einzulenken. "Die Kommunen können nur das Beste aus der Situation machen. Wir haben die Menschen, und damit müssen wir fertig werden." Die Entscheidungen müssten auf Bundes- und EU-Ebene fallen, sonst "werden wir noch mehr Probleme bekommen".

Den vom Neustädter Landrat Andreas Meier angedrohten Ausstieg aus der Koalition hält Nickl für ein realistisches Szenario: "So weit weg ist das nicht", sollte Merkel wegen der Flüchtlingspolitik nicht die Vertrauensfrage im Bundestag stellen. Der Großteil der Bevölkerung spreche sich laut Umfragen wohl für eine Begrenzung aus, und auch in den eigenen Reihen bröckle der Rückhalt.

Josef Etterer, Bürgermeister von Kastl (CSU):

"In dieser Dimension kann es nicht weitergehen", meint auch Josef Etterer. Er sieht zur Entschärfung der Situation die große Politik in der Verantwortung. Deutschland und Bayern haben an der Unterbringung einen großen Anteil. Für ihn ist es "ein Trauerspiel, was in der EU abgeht. Von Gemeinschaft keine Spur mehr". Es werden weiterhin Menschen kommen, die vor Krieg in ihrem Heimatland flüchten. "Diesen muss die Chance zum Bleiben gegeben werden." Es gebe aber solche, die unberechtigt Asyl beantragen wollten. "Wenn das nicht wäre, dann wäre das Problem leichter zu lösen."
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