70 Jahre "Der neue Tag": Hoffnungsschimmer „Lichtblicke“
NT-Hilfsaktion unterstützt neunjährigen Ahmad aus Syrien

Chiraza und Mohamed kümmern sich seit 2010 liebevoll um Ahmad. Seit Februar 2015 ist er nun auch offizielles Familienmitglied, das Adoptionsverfahren ist geglückt. Bilder: tsa (2)
 
Ahmad fährt gerne mit seinem Skateboard durch die Gegend.

Seit über 20 Jahren unterstützt die Aktion "Lichtblicke" Hilfsbedürftige in der Region. Für den neunjährigen Ahmad aus Syrien ist die Hilfsaktion etwas Besonderes: Sie stellte für ihn die Weichen für den Schritt in ein normales Leben.

Ahmad flitzt auf seinem Skateboard den kleinen Balkon vor der Haustüre entlang, stoppt und dreht eine Pirouette. Der Neunjährige - Lieblingsfach Sport - geht in die dritte Klasse der Markus-Gottwalt-Schule in Eschenbach. Seine Noten sind gut, er kann nach der Grundschule auf die Realschule wechseln. In der Pause spielt er mit seinen Freunden. "Ich mag Fußball. Mein liebster Verein ist der FC Bayern München." Man merkt es dem Jungen nicht an, aber er hat eine schwere Zeit hinter sich. Ahmad lebt erst seit 2010 in Eschenbach. Er wurde in der syrischen Stadt Aleppo geboren. Mit eineinhalb Jahren stürzt er schwer. Er verletzt sich am linken Arm, wird provisorisch eingegipst. Der Arm ist angeschwollen, eine Entzündung greift den Knochen an. Der Arzt im syrischen Krankenhaus spricht von Amputation.

Ahmads Eltern wissen nicht mehr weiter, also bitten sie Onkel Mohamed in Deutschland um Hilfe. "So einem kleinen Jungen den Arm amputieren, das geht doch nicht. Wir mussten helfen", macht Mohamed Abdo klar. Er wendet sich an die deutschen Behörden, will seinen Neffen nach Eschenbach holen, um ihn operieren zu lassen und die Hand zu retten. Abdos Frau Chiraza fliegt dreimal nach Syrien, um den Jungen zu holen. Zweimal scheitert sie. Sie hat nicht die nötigen Papiere dabei.

Die Aktion "Lichtblicke", das Landratsamt Neustadt und Chefarzt Dr. Thomas Neubauer-Gartzke vom Klinikum Weiden unterstützen Abdo bei der Mission. Der hat nicht die Mittel, um Ahmad im Alleingang zu helfen. Der Arzt und das Landratsamt kümmern sich um die notwendigen Unterlagen. Von der deutschen Botschaft in Aleppo erhält Ahmad schließlich ein Visum für drei Monate. Im Juli 2010 kommt er nach Eschenbach.

So einem kleinen Jungen den Arm amputieren, das geht doch nicht. Wir mussten helfen.Mohamed Abdo über seinen Neffen

Es gibt wieder Hoffnung für den inzwischen Dreijährigen. Doch die Diagnose im Krankenhaus Weiden ist niederschmetternd: Die Hand ist um 95 Grad nach innen gebogen. Im September 2010 wird Ahmad operiert. Neubauer-Gartzke säubert die Wunde, versucht zu retten, was zu retten ist. In einer aufwendigen Operation begradigt er den Arm wieder - kostenlos. Der Arzt verlangt kein Geld für den Eingriff. Sechs Wochen bleibt Ahmad in der Klinik, bis alle Schrauben entfernt werden können. Mohamed und Chiraza Abdo beantragen die Adoption, damit er bleiben kann. Das Verfahren zieht sich in die Länge. Das liegt an den syrischen Behörden, erklärt Abdo. Die Amtsgerichte Weiden und Nürnberg nehmen sich des Falles an. Das Neustädter Jugendamt besucht die Abdos regelmäßig und bestätigt, dass alles in Ordnung ist. Erst im Februar 2015 wird Ahmads Adoption rechtskräftig. Eine Familie, die zusammenhält, sind die drei da schon viel länger.

Die Aktion "Lichtblicke" hilft, seit Ahmad in Deutschland ist. Sie unterstützt die Abdos mit Lebensmittelgutscheinen und Kinderkleidung, bezahlt die Armschienen und übernimmt Kindergartengebühren. Mohamed Abdo ist dankbar für die unkomplizierten Zuwendungen: "Letztes Jahr war die Waschmaschine kaputt. Wir haben einen Gutschein für eine neue bekommen." Die Liste der Helfer der Abdos ist lang: von Dr. Neubauer-Gartzke über die Aktion "Lichtblicke" bis Barbara Mädl vom Landratsamt, an die sie sich jederzeit wenden konnten.

Alle sechs Monate muss Ahmad zu Neubauer-Gartzke ins Klinikum zur Untersuchung und zum Röntgen. Nach der Pubertät wird er noch mal operiert, wenn seine Knochen nicht mehr wachsen. Die Hand ist inzwischen wieder etwas gebogen, und der fehlende Knochen muss eingesetzt werden. In diesen Tagen steht die nächste Kontrolle an. Die ist Ahmad besonders wichtig: Er will den Arzt fragen, ob er in den Fußballverein eintreten und beim Training mitmachen darf. Mit leuchtenden Augen flitzt der Junge davon und holt ein Fußball-Stickeralbum. "Ich habe sogar die ganz seltenen Aufkleber", erzählt er stolz. Irgendwann will er selbst auf dem Fußballfeld stehen.
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