90 Jahre Vinzenz Dachauer

Den Besuch örtlicher Feste betrachtet Vinzenz Dachauer (rechts) als angenehme Pflichtaufgabe. Beim Bockbierfest der "Pilots" im März dieses Jahres übernahm er sogar die Schirmherrschaft. Bild: rn

Mit Vinzenz Dachauer feiert am Dienstag, 9. August, ein Mann 90. Geburtstag, der in Eschenbach Wirtschaftsgeschichte geschrieben hat. Der Aufstieg der Firma Gossen zum ehemals größten zivilen Arbeitgeber im weiten Umkreis steht in engem Zusammenhang mit seiner Person. Und das war noch lange nicht alles.

Dachauer gehört zur Spezies jener Eschenbacher, die nach dem Krieg zugezogen sind und durch Wissen sowie Können einen erheblichen Beitrag zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Rußweiherstadt geleistet haben. Am 9. August 1926 in Sattelbogen im Landkreis Cham geboren, wuchs Dachauer mit sieben Geschwistern auf. Begünstigt durch regionale Wirtschaftsstrukturen erhielt er 1942 bei Gossen in Erlangen einen Ausbildungsplatz. Die Lehrzeit wurde jedoch unterbrochen, als er 1943 zum Reicharbeitsdienst und ein Jahr später zum Kriegseinsatz an der Ostfront einberufen wurde.

Nach der Flucht aus russischer Gefangenschaft war sein letzter Einsatz im Kessel von Königsberg-Pillau. Schwer verwundet, gelangte er über die Ostsee nach Stralsund. Ausgezeichnet mit dem Verwundetenabzeichen und dem Eisernen Kreuz II. Klasse, geriet Dachauer in amerikanische Gefangenschaft. Der weitere berufliche Lebensweg begann 1946 mit der Wiederaufnahme der Lehre bei Gossen. Nach einem Fachschulbesuch war er als Industriemeister und Techniker an der Entwicklung und Produktion der "Gossen-Tippa"-Schreibmaschine beteiligt, von denen im Jahr 1955 täglich 300 Stück das Werk verließen. Während einer Verwendung in der betriebwirtschaftlichen Abteilung bot ihm die Firma im Juli 1959 einen Wechsel nach Eschenbach an, wo er an den Aufbau von Gossen-Esba ging. Beginn der Ära Gossen in Eschenbach war in der ehemaligen Schulbaracke der Privaten Realschule.

Dem Verkauf der Firma Gossen an Siemens (1963) folgte nur drei Jahre später die Übernahme des Gebäudes der Oberrealschule. Den Ablauf der Produktion von Feinmessgeräten musste Dachauer damals in sieben verschiedenen Gebäuden in Eschenbach koordinieren. Als 1972 der Umzug in das neue Werk am Stadtwald erfolgte, gelang es dem Jubilar bald, die Anzahl der Beschäftigten auf circa 430 zu steigern. Als Dachauer 1991 aus der Firma Gossen ausschied und in den Ruhestand trat, war das Werk Eschenbach nicht mehr das, was es unter seiner Leitung einmal war. Nur fünf Jahren nach Vinzenz Dachauer wurde es geschlossen.

Nicht wegzudenken ist der "Bayerwäldler" aus dem örtlichen Vereinsleben, dem er sich noch immer widmet. Beim Sportclub war er lange zweiter Vorsitzender, 1990 übernahm er von Gründer Rudolf Morgenstern für 24 Jahre den Vorsitz des Stadtverbandes. Noch heute bearbeitet er die vierteljährlich erscheinenden Stadtverbandsnachrichten. Beim VdK übernahm er für zehn Jahre die Aufgaben des Vorsitzenden und wurde dafür mit der Ehrenmitgliedschaft belohnt. 2011 ernannte ihn auch die Krieger- und Soldatenkameradschaft zum Ehrenmitglied. Die Faschingsgesellschaft hob er 2006 mit aus der Taufe und initiierte die Faschingszüge. Von 1978 bis 1990 stellte er sich als Stadtrat zur Verfügung.

All sein Wirken blieb nicht ohne Folgen. 1986 ehrte ihn die Stadt mit der Bürgermedaille. 2008 folgte die Ernennung zum Ehrenbürger. Darüber hinaus ist er seit 1993 Träger der Landkreismedaille in Gold und seit 2005 des Ehrenzeichens des Bayerischen Ministerpräsidenten für besondere Verdienste im Ehrenamt.
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