Abitur 2016
Wachsam und kritisch sein

Der Abiturjahrgang 2016 mit Schulleiter Dr. Knut Thielsen und den Oberstufen-Koordinatoren Dagmar Mense und Robert Kreuzer. Bilder: do (2)
 
Die Besten des Abi-Jahrganges 2016 (von links): Michael Lang, Lukas Baier, Sarah Wolf, Benedikt Zeitler, Hannah Schedl, Felix Pollak, Annika Traßl-Wilterius, Ramona Lang, Eva-Maria Rodler mit Schulleiter Dr. Knut Thielsen (Zweiter von links) und den Oberstufen-Koordinatoren Robert Kreuzer (Fünfter von rechts) und Dagmar Mense (rechts).

Das Gymnasium Eschenbach verabschiedete am Freitag 86 Abiturienten. Heiß war's und doch erfrischend angenehm bei so viel Lob des Schulleiters und den überragenden Abschlusszeugnissen. Neun Schüler schafften einen Notendurchschnitt zwischen 1,1 und 1,5.

Bei der Abschlussfeier legte Oberstudiendirektor Dr. Knut Thielsen den jungen Leuten das Beispiel des "Auszuges aus Ägypten" ans Herz. Der Schulleiter interpretierte diesen "Exodus" vor 3000 Jahren als eine Flucht nach vorn, als Ausdruck von größtem Mut und als eine Demonstration eines unbesiegbaren Freiheitsdranges. "So mögen Sie, liebe Abiturienten, bei Ihren Wanderungen durchs Leben nach nomadischen Irrungen und Wirrungen eines Tages in einem gelobten Land ankommen", wünschte der Schulleiter seinen Schützlingen.

Es war nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Bergkirche mit Dekan Thomas Jeschner und Pfarrer Dirk Grafe am Freitagabend in der Aula des Gymnasiums ein Abschied ohne Wehmut, dafür aber mit starkem Optimismus, mit viel Harmonie und guten Ratschlägen. Den musikalischen Rahmen setzten die Solistinnen Marion Klausfelder (Gesang), am Flügel begleitet von Hartmut Klausfelder, sowie Sarah Wolf und Johanna Baumann (Geige).

Historischer Irrtum


Brandaktuell eröffnete Dr. Knut Thielsen seine Abschiedsrede. Der Schulleiter fand nach dem nur wenige Stunden vorher feststehenden Austritt der Briten aus der Europäischen Union den Fixpunkt für ein leidenschaftliches Plädoyer zu einem vereinten Europa. Den Brexit bezeichnete Thielsen als historischen Irrtum. Daraus folgernd empfahl der Chef-Pädagoge des Gymnasiums den jungen Leuten, wachsam und kritisch zu sein, zu beobachten und zu differenzieren und mutig und entschlossen für Kompromisse einzutreten: "Lernen Sie zu unterscheiden zwischen Lebenssituationen, die es auszuhalten gilt, dem Durchhalten, dem Standhalten und dem Mut, zu Neuem aufzubrechen."

Gespickt war die Rede des Oberstudiendirektors mit einem weiteren "Fixpunkt". Auf das Thema Flucht eingehend nannte er Flucht oftmals als durchaus lebensrettenden Sprung zu neuen geistigen Ufern und zu einem Aufbruch, auf neuen Wegen Freiheit zu wagen. In diesem Sinne sei Flucht nichts Schlechtes, sondern als "beherzte Vorwärtsbewegung" zu verstehen. Davon handelten in der Folge auch die weiteren Ratschläge an die jungen Menschen, ihr Leben in Verantwortung für das Ganze in die eigene Hand zu nehmen. Der letzte große Wunsch des Schulleiters schließlich: "Lassen Sie es gelegentlich auch die Schule und die Eltern spüren, dass das gemeinsame Bemühen um Sie nicht umsonst war."

Möglichkeiten nuten


Stellvertretender Landrat Albert Nickl zeigte sich in seinem Grußwort davon überzeugt, dass die Region mehr denn je den Abiturienten eine berufliche Zukunft bieten zu könne. "Nutzen Sie diese Möglichkeiten als künftige Akteure eines lebenswerten Landstriches", appellierte er. In Anspielung auf den Fiesta-Titel der Abiturzeitung empfahl Nickl eine Lebenseinstellung mit Herz und Leidenschaft, "dann machen auch weitere Fiestas Freude". Auch im Namen seiner Kollegen gratulierte Eschenbachs Bürgermeister Peter Lehr. Für den weiteren Lebensweg gab der Kommunalpolitiker den Schülern frei nach Konfuzius den Ratschlag: "Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den Anderen."

Für die Abiturienten sprachen Sarah Wolf und Tan Dat Truong. Ein "letzter Rück- und Einblick" von Wolf auf die Schulzeit mit vielen Schmankerln aus dem Schulalltag gab viel Anlass zum Schmunzeln. Truong dankte noch einmal den vielen Unterstützern auf dem Weg zum Abschluss. Namentlich würdigten die Abiturientensprecher vor allem die Oberstufen-Koordinatoren Dagmar Mense und Robert Kreuzer.

Truong verriet: "Jetzt genießen wir erst einmal unseren gemeinsamen Urlaub." Der Höhe- und Schlusspunkt war die Überreichung der Reifezeugnisse durch Schulleiter und Oberstufen-Koordinatoren. Der Trost Thielsens war allgegenwärtig: "Schule ist weit mehr als Unterricht - und Unterricht ist weit mehr als Noten." Das Ergebnis eines Lernerfolges sei mehr als eine Note, relativierte er die nüchternen Zeugnisnoten.

Die BestenMit einem Notendurchschnitt von 1,1 glänzten die Abiturientinnen Sarah Wolf aus Wollau und Hanna Schedl (Grafenwöhr). Ramona Lang aus Kastl jubelte über die Gesamtnote 1,2. Sechs weitere Schüler erzielten einen Notendurchschnitt bis 1,5. Wolf und Schedl durften nach ihrem überragenden Abschluss auch an der Hochbegabten-Prüfung beim Ministerial-Beauftragten für Gymnasien teilnehmen. (do)
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