Angriffe auf Sanitäteer
Vom Retter zum Opfer

Einmal ungestraft auf einen Polizisten einschlagen? Mit Hauptkommissar Marcus Gradl war das möglich. Der Übungsabend hatte allerdings einen ernsten Hintergrund. Immer häufiger müssen sich Retter selbst verteidigen. Bild: do

Es war nur eine Übung, aber solche Vorfälle sind kein Einzelfall mehr. Ein Sanitäter kommt, um zu helfen. Doch am Einsatzort wird der Retter angegriffen. Anstatt einen Patienten ins Krankenhaus zu bringen, muss er selbst dorthin.

Zirka 50 ehrenamtliche und hauptamtliche Retter nutzten am Freitag in der Sporthalle der Markus-Gottwalt-Schule ein Angebot der Rettungswache und der Polizeiinspektion Eschenbach, das angemessene Verhalten im Umgang mit "auffälligen" Patienten zu üben.

Im ersten Teil diskutierte Kommissar Holger Jodlbauer mit dem Rettungspersonal, unter ihnen Notärzte und Reinhard Maul, Leiter der Rettungswache, über entsprechende Erfahrungen. Der Gesetzeshüter legte Wert darauf, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu erklären. Besonders der "erlaubte Selbstschutz" im Rettungsdienst stand im Mittelpunkt des Vortrags "Vom Retter zum Opfer". Jodlbauer erläuterte das "abgestufte Eingreifverhalten", ging auf verbale Attacken ein und beleuchtete die Notwehr im Sinne des Strafgesetzbuchs.

Daraus zitierend, warnte Holger Jodlbauer vor der Komplexität möglicher Szenarien. Zum Beispiel definierte der Experte eine "Verteidigungshaltung" des Retters auch als einen Eingriff ins Grundrecht des Angreifers. Besonders bei Angriffen durch erkennbar schuldlose Angreifer, etwa von psychisch Kranken, von Intoxikierten oder bei Rauschzuständen sei Vorsicht geboten. Zu beachten sei bei der sogenannten Trutzabwehr auch die Verhältnismäßigkeit.

"Fixieren erlaubt" hieß ein weiteres Kapitel, das die Voraussetzungen zum Festhalten renitenter Patienten aufzeigte. Weiter ging es um richtiges Verhalten bei Ermittlungsverfahren. "Keine Panik vor der Staatsanwaltschaft", empfahl der Beamte. "Auch wir Polizisten werden immer wieder angezeigt, das ist ganz normal." Jodlbauer riet zudem, sich mit der Polizei abzustimmen.

Mindestens genauso spannend entwickelte sich die praktische Unterrichtung, zum Beispiel bei tätlichen Angriffen im Einsatz. Mit Hauptkommissar Marcus Gradl und weiteren Beamten der Polizeiinspektion probten die Retter dann den Selbstschutz im Rettungsdienst-Alltag. Vom einfachen Handgriff, über Abwehrhaltungen bei Schlagangriffen bis zum effektiven technischen Schutz reichten die Demonstrationen. Manchmal sei wohl auch die Flucht die bessere Entscheidung, "denn weglaufen ist in solchen Situationen keine Schande", bemerkte Marcus Gradl abschließend.
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