Anton Schwemmer sammelt Krawatten
König der Krawatten

Zu breit, zu schmal, zu bunt? "Macht nichts, irgendwann wird jede Krawatte wieder modern", ist sich Anton Schwemmer sicher. Bilder: esm (2)

Genau weiß es Anton Schwemmer nicht mehr, aber vermutlich hat er sie beim Tanzkurs entdeckt: Seine Leidenschaft für Krawatten. Seitdem haben es über 150 Stück in den Schrank des Eschenbachers geschafft.

Von schweinchenrosa Seidenbindern bis hin zu gehäkelten aus Wolle besitzt er alles. "Ein paar Unikate aus Rom hab' ich auch", sagt der Pensionär stolz und hält sich Krawatten mit Blumen, Knöpfen und handgemalten Mustern vor den Hals.

Diese eigenwilligen Stoffteile stachen schon so manchem ins Auge. "Darauf haben mich schon ehemalige Schülerinnen oder der Bürgermeister angesprochen." Er selbst achte auch bei anderen darauf, ob und welche Krawatte sie tragen. Da schmeichle es natürlich, wenn andere die seine ebenfalls bemerken.

Als Sammler sieht sich der ehemalige Direktor des Elly-Heuss-Gymnasiums nicht. Für ihn sind es Gebrauchsgegenstände, die er eben gern hat. "Es ist doch schön, wenn man zu jedem Hemd passende Krawatten hat." Schon als Student habe er sie gerne getragen, als Schuldirektor sowieso.

Dem Anlass entsprechend


Die richtige Kleidung im richtigen Moment ist wichtig - und das will Schwemmer auch jungen Leuten vermitteln. "Ich würde ihnen aber nie Gebote oder Verbote machen, was sie tragen sollen", betont er. Er wolle nicht missionarisch wirken, freue sich aber, wenn seine Botschaft ankommt. "Wie bei meinem Sohn. Er hat irgendwann von allein angefangen, Krawatten zu tragen." Fein säuberlich hat der Pensionär seine Schlipse über Kleiderbügeln aufgehängt. Viele trägt er heute nicht mehr, will sie aber auch nicht wegwerfen. "Wenigstens habe ich zu Elly-Heuss-Zeiten jedes Jahr an Weiberfasching eine geopfert", lacht er.

Trendfrage


Nicht jede Krawatte ruft bei Schwemmer nostalgische Gefühle auf. "Von manchen weiß ich gar nicht mehr, woher ich sie habe." An andere erinnert er sich noch gut. So wie an ein Einzelstück aus Referendariats-Zeiten. "Produziert hat es meine damalige Schule in Cham, das Geld wurde gespendet." Seinen Teil hat auch Schwemmers Bruder, Erzbischof Hans Schwemmer, zu dem Sammelsurium beigetragen. Um genau zu sein, ein Drittel: "Er war ein weltoffener Mensch und hat gerne Anzug und Krawatte getragen." Nach seinem Tod habe er Anton Schwemmer seine Binder hinterlassen. "Man muss sich aber auch im Klaren sein, dass die eigene Einstellung irgendwann überholt ist", gibt der Ruheständler zu.

Krawatten, die vor 20 Jahren modern waren, sind es heute nicht mehr. Bei Trends müsse man schon mitgehen, und der gehe aktuell zur mittleren Schlipsbreite. Beim Knotenbinden bleibt Schwemmer seiner Technik aber treu: "Ich habe schon immer meinen Standardknoten."

Ich würde ihnen aber nie Gebote oder Verbote machen, was sie tragen sollen.Krawatten-Liebhaber Anton Schwemmer
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