Barrierefreies Privathaus
Bei Lingls kann das Alter kommen

Bei der "Einweihung" der barrierefreien Außen- und Gartenanlagen lobten die Vertreter des VdK, der Stadt und des Stadtverbandes die vorbildliche und weitblickende Neuanlage des Wohnumfeldes der Familie Angelika und Thomas Lingl. Unser Bild zeigt die Familie Lingl, Rosa Hollfelder und ihre Gäste. Bild: do

Nachhaltig bauen, um für alle Lebensphasen gewappnet zu sein. Für Angelika und Thomas Lingl ein großes Anliegen. Bei den Eheleuten reifte der Entschluss, im Zweifamilienhaus am Eschenbacher Rosenweg Barrierefreiheit herzustellen.

"Bei einem Neubau ist das viel einfacher zu planen und zu realisieren", erklärt Thomas Lingl. Aber bei einem Altbau? Der Aufwand war groß, doch alle Stufen sind weg, freut sich Angelika Lingl und zeigt Vertretern des öffentlichen Lebens und des Sozialverbandes VdK ein bisschen stolz die sanierten Außenanlagen ihres Wohnhauses am Rosenweg. Trotz Hanglage gibt es kein Treppensteigen mehr. Handläufe sichern die Wege bis zum Hauseingang. Und auch die Schritte in die Wohnung sind barrierefrei. Keine Stufen, keine Schwellen. "Ich glaub, wir sind das erste Privathaus in Eschenbach, das sich derart auf ein behindertengerechtes Wohnen eingestellt hat", vermutet Thomas Lingl.

Seine Frau verrät: "Den letzten Anstoß gab der Unfall von Mama". Nach ihrem Beinbruch waren für Rosa Hollfelder die vielen Stufen unüberwindbare Hindernisse. Diese Probleme merkt man erst bei einer schweren Behinderung, bestätigt sie. Ohne Familie wäre buchstäblich nichts mehr gegangen, erzählt die 84-jährige Witwe. Deshalb war bei der Sanierung der Außenanlagen klar: weg mit den Barrieren. Eine Gartenbaufirma aus Auerbach schuf nach den Wünschen der Familie eine Lösung ohne Hindernisse.

Da staunten auch die Gäste, denen Angelika und Thomas Lingl ihre Ideen und ihr Werk als beispielhaft präsentierten. Bestätigt sahen sich die Vertreter des VdK. Mit Kreisvorsitzendem und Barriere-Berater Josef Rewitzer, Kreisgeschäftsführer Sigmund Bergmann und den örtlichen Vertretern Klaus Lehl, Vinzenz Dachauer und Hilde Hasenkopf überzeugte sich die regionale Führungsmannschaft des Sozialverbandes von der 21 000 Euro teuren behindertengerechten Neugestaltung.

Rewitzer nahm das Vorzeigeprojekt zum Anlass, auf die VdK-Kampagne für ein barrierefreies Deutschland hinzuweisen. Barrierefreiheit sei Menschenrecht. Derzeit bleibe Millionen von Menschen die Teilhabe verwehrt. Mit der Kampagne "Weg mit den Barrieren" mache sich der VdK stark, im privaten und im öffentlichen Bereich alle Dienstleistungen endlich so zu gestalten, dass sie für alle Menschen zugänglich seien, sagte Rewitzer.

Dieser Weg ohne Barrieren zahle sich für alle aus, rechnete der VdK-Vertreter vor. Ein Investitionsprogramm könne die Wirtschaft ankurbeln und sei gleichzeitig ein Sparprogramm zur Vermeidung von Heimpflege mit Sozialausgaben in Milliardenhöhe. VdK-Ortsvorsitzender Klaus Lehl verwies ergänzend auf die Unterstützungsmöglichkeiten des Sozialverbandes.

Interessenten sei der VdK mit Anregungen und bei Förderanträgen hilfreich. Lob und Anerkennung kamen auch von der Stadt und dem Stadtverband. Zweiter Bürgermeister Karl Lorenz und Stadtverbandsvorsitzender Dieter Kies würdigten die vorausschauenden Überlegungen der Familie Lingl ebenso wie den damit verbundenen finanziellen Aufwand. Dieser wird durch einen bescheidenen staatlichen Zuschuss von zehn Prozent versüßt.
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