Beringung des Fischadlernachwuchses
Zu Besuch bei Familie Adler

Um die Jungalder zu beringen musste Baumkletterer Dr. Daniel Schmidt-Rothmund hoch hinaus. Bilder: rn (2)

Der Fischadlernachwuchs am Obersee ist beringt. Ornithologe Dr. Daniel Schmidt-Rothmund steckte ihnen die "Taufringe" mit den Nummern AI 46 bis 48 an. Weil er dies direkt im Horst tat, ist die gesamte Prozedur auch für die Nachwelt festgehalten.

Mit ihren "Obersee-Nummern" sind die drei Tier nun beim NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen registriert. Zusätzlich erhielten sie Ringe mit den Nummern 168, 169 und 170. Diese sind vergleichbar mit den fortlaufenden Nummern in den deutschen Personalausweisen.

Auf der Adlerinsel im Obersee bewies der Leiter des Vogelschutzzentrums Klettertalent. Dann beringte, wog und vermaß er die Tiere im Adlerhorst. Während der Aktion kreisten die Altvögel über dem Geschehen und behielten ihre Jungen im Blick. In den vergangenen Jahren hatte Schmidt-Rothmund die Jungvögel für die Arbeit auf den Boden geholt. Weil über dem Horst eine Webcam filmt, gab es von der Aktion eine Liveübertragung im Internet. Auf Youtube ist davon ein Mitschnitt zu sehen.


Zwei Männchen


Die jungen Adler wogen 1384, 1344 und 1404 Gramm. Die beiden leichteren sind laut Schmidt-Rothmund Männchen, der schwerere ein Weibchen. Erwachsene Männchen bringen es meist auf weniger als 1600 Gramm, weibliche wiegen bis zu 2000. Mit dem Zustand der Tiere war der Experte zufrieden, das Gefieder sei gut ausgeprägt, die Horstanlage sei stabil.

Der Diplombiologe war vor Jahren "wegen einer großen Besonderheit" in die Oberpfalz gelockt worden und erhielt von der Bezirksregierung den Auftrag, hier das Fischadlermanagement zu organisieren. Mit Forstamtsrat Martin Gottsche verfügt der Schwabe über einen ständigen "vorgeschobenen Beobachter", der über alle Bewegungen in der Luft und am Boden wacht.

Tiere nicht stören


Schmidt-Rothmund warnte Neugierige erneut davor, sich dem Horst zu nähern. Das wäre ein Verstoß gegen das Naturschutzrecht, könnte dies doch leicht zur Aufgabe der Brut führen. Das Spektiv am Oberseedamm und die Webcam bieten hervorragende Möglichkeiten, die Vögel störungsfrei zu beobachten. Seit 2009 schlüpften nun 20 Adlerküken am Obersee. Schmidt-Rothmund ist zuversichtlich, dass der Eschenbacher Horst für die Fischadler auf lange Sicht eine "sichere Heimat" bleibt.

Durch die vor drei Monaten installierte Webcam erhielt der Horst bundesweite Beachtung. Bisher wurde die Homepage der Stadt mit Informationen zum Adlerhorst samt Live-Stream circa 40 000 Mal abgerufen. Wie beliebt die Webcam ist, zeigte sich wenn einmal nicht funktionierte. Hinweise auf den Ausfall kamen sofort und gehäuft. Die Webcam kurbelt sogar den Tourismus an. Erst diese Woche meldete sich ein Naturfreund aus Bremerhaven, der für vier Tage eine Unterkunft in der Region sucht. Er möchte die Fischadler vor Ort beobachten. Martin Gottsche weiß auch von Speinshart-Besuchern und Campern, für die die Fischadler Grund sind, auch Eschenbach anzufahren.
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