Briefe an Pfarrei und Bistum
Minis mahnen Pfarrer ab

Ein Brief sorgt für Aufregung in der Pfarrei Sankt Laurentius: Empfänger war Eschenbachs Pfarrer Thomas Jeschner, Absender eine Gruppe von Ministranten-Eltern. Auch ans Bistum ging ein Schreiben mit der Forderung: "Mehr Wertschätzung für die Arbeit unserer Kinder".

Auslöser des anonymen Elternbriefs war eine Entscheidung des Pfarrers kurz vor Weihnachten: Am 23. Dezember verwies er eine Gruppe Ministranten aus deren Gruppenraum. Die jungen Leute spielten dort Playstation, Ältere tranken auch Bier. Jüngere waren gar nicht anwesend. Einige Tage später stellten die Ministranten fest, dass das Schloss ausgetauscht war. Künftig kann den Raum nur nutzen, wer sich zuvor den Schlüssel im Pfarrbüro holt.

Dass seine Entscheidung solche Wellen schlägt, überrascht Pfarrer Jeschner. Auf Nachfrage möchte er nicht viel sagen. Nur: "Ich trage die Verantwortung, deshalb will ich wissen, wer den Raum nutzt, und was dort passiert." Dass Ministranten Alkohol trinken, könne nicht sein, auch wenn sie älter als 16 sind. "Das geht in der Jugendarbeit einfach nicht."

Den Eltern geht es aber weniger um die Entscheidung selbst, mehr um die Art und Weise. Dass der Pfarrer ohne Absprache Schlösser auswechselt, sei typisch: Er spreche nicht mit den Kindern, binde sie nicht ein, zeige keine Wertschätzung. Von vielen kenne er nicht einmal den Namen. Für die Jüngeren sei das Ministranten-Amt mehr als der Dienst am Altar. In Eschenbach gibt es keinen Jugendtreff, die Ministranten verbringen viel Freizeit gemeinsam. Dafür fehle nun der Platz. Die Eltern sorgen sich, dass es bald auch keine Betreuer mehr gibt. Vor allem ältere Ministranten seien schlecht auf den Pfarrer zu sprechen, überlegen aufzuhören. Damit fehlen dann die Gruppenleiter für die Kleinen, erklärt eine Mutter, die ebenfalls ihren Namen nicht nennen will. In den vergangenen beiden Jahren sei die Zahl der Ministranten von 80 auf deutlich weniger als 60 gefallen.

Auch in anderen Pfarreien


Einen solchen Rückgang gibt es aber nicht nur in Eschenbach. Bistums-Sprecher Clemens Neck verweist auf den demografischen Wandel, der vielen Pfarreien Probleme macht. Dazu komme das G 8. Das verkürzte Gymnasium koste Kindern die Freizeit. "So mancher Pfarrer hat schon berichtet, dass es immer schwieriger wird, Ministranten zu finden, die an einem Wochentag dienen können." Neck sieht die Entwicklung deshalb weit weniger kritisch: "Wenn man solche Rahmenbedingungen bedenkt, zeugt eine Zahl von 52 Ministranten von einer lebendigen und ansprechenden Ministrantenarbeit."

Das sieht Pfarrer Jeschner ebenso: "Wir haben tolle Ministranten, die hervorragenden Dienst leisten. Ich bin stolz auf sie." Die Kritik nehme er trotzdem ernst, er wolle sie mit den Pfarrgremien besprechen. Dann soll es Vorschläge geben. Darauf hoffen die Eltern auch bei anderen Punkten: "Die Ministranten haben keinen Einblick in ihre Kasse. Keiner weiß, wie viel Geld da ist und was damit gemacht wird." Auch über die jüngste Wahl zum Oberministranten wollen sie reden: Das Ergebnis habe der Pfarrei nicht gepasst. Die Wahl wurde für ungültig erklärt und der Wunschkandidaten eingesetzt.

Dass die Wahl unglücklich gelaufen ist, gibt Gemeindereferentin Gabriele Gabriel zu: "Was wir für die Ministrantenarbeit brauchen und im Moment nicht haben, ist eine tragfähige Wahlordnung." Das Verfahren sei vielen unverständlich gewesen. "Wir werden heuer eine Wahlordnung im Pfarrgemeinderat diskutieren und verabschieden." Unter den Räten ist auch ein Ministrant. "Ich bitte weitere Ministranten, sich als Berater einzubringen."

Das sollen die Eltern ebenfalls tun. Auch Bistumssprecher Neck sagt, dass die Verantwortlichen gerne mit den Eltern gesprochen hätten. "Die Beschwerde wurde uns als anonymer Brief zugeschickt. Ross und Reiter sind nicht genannt. Anonyme Briefe bearbeiten wir nicht. Wenn nicht bekannt ist, wer welche Beschwerde führt, kann man keinen gemeinsamen Weg einer Lösung gehen."

Sicher eine Lösung


Dass es dennoch eine gibt, dafür will Marcus Gradl sorgen. Der Pfarrgemeinderat hat sich auf Wunsch der Eltern als Vermittler eingeschaltet. Mit Pfarrer Jeschner habe er schon gesprochen, der habe zugesichert, dass in der nächsten Pfarrgemeinderatssitzung über die Probleme gesprochen wird. "Spätestens im März haben wir eine Lösung", sagt Gradl. Er habe Verständnis für beide Seiten, sei sich aber auch sicher, dass sie zueinander finden. "Da gibt es nichts, was sich nicht lösen ließe."
1 Kommentar
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Istdoch Egal aus Eschenbach in der Oberpfalz | 10.02.2016 | 08:26  
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