Dr. Holger Rupprecht
Genie ohne Starallüren

Dr. Holger Rupprecht
 
Für viele Patienten wurde der Oberpfälzer Arzt zum Lebensretter, wie hier bei einer Brustkorböffnung im Schockraum. Bilder: do (3)
 
In besten Händen: Der Patient hat das Glück, im Rettungswagen von Holger Rupprecht behandelt zu werden.

Ärzte können heilen - und dabei Erfüllung finden. Aber sie gehören auch zu den am meisten belasteten Menschen. Beides kennt Holger Rupprecht. Der Kirchenthumbacher ist Chefchirurg in Fürth, in der Welt der Medizin zu Hause und fühlt sich seiner Heimat verbunden.

Eschenbach/Kirchenthumbach. Seit 40 Jahren kennt Holger Rupprecht sein Fach. Seine Anekdoten ergänzen sich zur Geschichte seiner chirurgischen Tätigkeit. Allgemeinverständlich und packend erzählt der Mediziner von spektakulären Fällen. Eine ganze Schachtel an Patronen bis hin zur Munition aus Schnellfeuergewehren erinnern an seinen Studienaufenthalt im Groote Schuur Hospital in Kapstadt. "Unvergesslich", bemerkt er.

Bei Barnard und Colley


Noch heute schwärmt er vom Zusammentreffen mit Professor Dr. Christian Barnard. Der Herzchirurg war 1967 für die erste Herztransplantation verantwortlich. Mit ihm und seiner Assistenz stand Rupprecht im OP-Saal. Unvergessen bleibe die Sammlung an Munitionsresten. Im Trauma-Zentrum des berühmten Klinikums hat sie Rupprecht aus den Teilen angelegt, die er Schießerei-Opfern aus dem Körper operiert hat. Die Erlebnisse in Südafrika seien Souvenirs für die Ewigkeit, sie erinnern an nächtliche Notoperationen am Kap der guten Hoffnung.

Im Blick bleiben dem Mediziner auch andere Aufenthalte in Übersee. Rupprecht erzählt von den Erfahrungen als Operateur bei Professor Dr. Denton Colley, dem Leiter des größten Herz-Zentrums der Welt im texanischen Houston. Der Herzchirurg sorgte für Aufsehen, als er das erste Kunstherz implantierte. Gerne erinnert sich Rupprecht auch an die "Horizonterweiterungen" im thorax-chirurgischen Bereich des Brigham-Hospitals der Harvard-University in Boston und bei Aufenthalten in Moskau und San Antonio.

Besonders strahlt der immer gut gelaunte Doktor, wenn er auf die Notfallmedizin zu sprechen kommt. "Meine Kongresse für Notärzte und für das Rettungspersonal kommen gut an und genießen einen hervorragenden Ruf", weiß Rupprecht. Zudem sei er bei der Bayerischen Landesärztekammer Prüfer für zukünftige Notärzte und für angehende Lungen- und Allgemeinchirurgen. Rupprecht berichtet von fünf Facharztanerkennungen als Allgemeinmediziner, als Chirurg für Viszeral-, spezielle Viszeral- und Thorax-Chirurgie sowie in der Notfallmedizin.

Die Rettungskräfte des Standortes Eschenbach wissen um diese Fähigkeiten und machen sie sich zunutze. Die Eschenbacher BRK-Wache schätzt den Mediziner als Experten und Idealisten. Seit 1976 ist Holger Rupprecht für die Wache aktiv, seit 1980 als erster Notarzt. Der Professor überlegt und schätzt: "Da werden wohl circa 30 000 Stunden mit über 2500 Einsätzen zusammen kommen". Schon lange vor der offiziellen Einführung des Notarztstandortes sah Rupprecht Handlungsbedarf. Viele freie Wochenenden gehörten deshalb nicht der Familie, sondern als ehrenamtlicher Notarzt der Rettung von Menschenleben.

Noch heute nimmt der Arzt jeden Monat an zwei Wochenenden am Notarztdienst in Eschenbach teil. "Durch die Schließung des Eschenbacher Krankenhauses haben sich die Einsatzzeiten etwa vervierfacht, ein Transport von Eschenbach nach Weiden dauert etwa durchschnittlich zwei Stunden", sagt Holger Rupprecht. Ein gutes Rettungsteam sei mehr denn je der Garant zur Menschenrettung. Deshalb fühle er sich bei den Eschenbacher Rettungskräften in guter Gesellschaft und nehme gerne am Notarztdienst teil. "Die Eschenbacher BRK-Familie ist ein eingeschworenes Team und für die medizinische Versorgung des westlichen Landkreises unentbehrlich."

Ein fachliches Genie und gleichzeitig ein Wunder an Menschlichkeit.Rettungswachenleiter Reinhard Maul über Holger Rupprecht


"Ein fachliches Genie und gleichzeitig ein Wunder an Menschlichkeit", nennt den Chefarzt auch Reinhard Maul, Leiter der Eschenbacher BRK-Rettungswache. Während der nun schon jahrzehntelangen Tätigkeit habe der Professor in so manchem spektakulären Notfall-Einsatz Todgeweihte ins Leben zurückgeholt, verrät der Rettungsdienstleiter aus persönlichen Beobachtungen. Deshalb hofft vor allem das Rettungsdienst-Personal der Wache Eschenbach und mit ihm viele Menschen in der Region, dass der Professor aus der Oberpfalz dem Notarztstandort Eschenbach treu bleibt. Das verspricht Rupprecht. Der Dienst in Eschenbach sei für ihn ein Stück Lebenselixier. "Ich möchte einfach helfen und das zurückgeben, was ich an Zuneigung und Dankbarkeit erlebt habe."

Herzlich und zufrieden


Und auch Rupprecht selbst bleibt herzlich, zufrieden und dankbar: "Wenn Menschen mir ihr Vertrauen schenken, ist das ein Privileg." Eine weitere Feststellung ist ihm wichtig: "Alle medizinische Kunst hängt vom Oberchirurgen ab", sagt Rupprecht und deutet auf das silberne Kreuzchen am dünnen Halskettchen. Der Professor schwört auf diese höhere Kraft. Das "Wunder Mensch" werde vom lieben Gott beschützt, davon ist der Professor überzeugt.

Durch die Schließung des Eschenbacher Krankenhauses haben sich die Einsatzzeiten etwa vervierfacht, ein Transport von Eschenbach nach Weiden dauert etwa durchschnittlich zwei Stunden.Holger Rupprecht


Zwischen Tod und LebenHolger Rupprechts spektakulärste Fälle: ein Luftröhrenschnitt nach einem Kehlkopfabriss bei einem landwirtschaftlichen Unfall in Filchendorf, ein beinahe Todgeweihter bei einem Unfall in Schlammersdorf, den er im Club-Stadion wieder getroffen hat, eine Nagel-Schussverletzung mitten ins Herz oder ein Herzschuss mit einer 45er Magnum.

Das Herz hat es ihm angetan Holger Rupprecht ist weit herum gekommen. Geboren 1954 in Kirchenthumbach, zieht es ihn nach dem Abitur in Eschenbach zum Studium nach Erlangen. Nach dem Staatsexamen arbeitet er an der Chirurgischen Universitätsklinik und macht seinen Doktor in der Herzchirurgie bei Prof. Dr. von der Emde. Lebensrettende Operationen in der Herzscheidewand war das Thema. Mit seiner Habilitationsschrift über angeborene Brustwanddeformierungen, zum Beispiel einer sogenannten Trichterbrust kann er neue Erkenntnisse zur Ursachenentstehung liefern. Die Konsequenz: Holger Rupprecht wird Professor. Den Titel verleiht ihm 1996 der bayerische Kultusminister Hans Zehetmair.

Schließlich übernimmt der "Prof. Dr. med. habil." in Hof und danach in Fürth Verantwortung als chirurgischer Chefarzt. "Ich würde den Arztberuf immer wieder wählen", sagt Holger Rupprecht. Wenn er über seinen Werdegang und seine tägliche Arbeit spricht, wirkt er zufrieden, ja glücklich.

Die Kindheit war kein Honigschlecken, das Studium schwer und später, als junger Assistenzarzt sind Nacht- oder Wochenenddienste oft stressig. Trotzdem: "Es ist ein toller Beruf, wunderbar und erfüllend", findet der Vater von vier Kindern. Die Belastung durch Stress und viel Verantwortung nehme er dafür gerne in Kauf, wenn er nach einem Eingriff feststellen könne: "Operation gelungen, der Patient wird wieder gesund". Zu den wichtigen Genesungsfaktoren zählt der Mediziner auch das gute Wort. "Zuwendung ist oft die beste Therapie".

Preise, Artikel BücherHolger Rupprechts Name genießt internationale Anerkennung. Viele Preise medizinischer Fachgesellschaften würdigen seine Leistung. Mit sieben Preisen, unter anderem der Deutschen Gesellschaft für Thorax-Chirurgie und drei ersten Preisen der Vereinigung Bayerischer Chirurgen ausgestattet, gehört er zu den Sternen am Chirurgenhimmel. Veröffentlichungen seiner wissenschaftlichen Arbeiten sind begehrt. Insgesamt finden sich 214 Artikel in internationalen Fachjournalen.

75 Buchbeiträge verweisen auf ihn als Autor oder Mitherausgeber. Für großes Echo sorgte erst jüngst eine Expertise im Standardwerk der Deutschen Gesellschaft für Thorax-Chirurgie. Holger Rupprecht ist auch ein organisatorisches Naturtalent, kümmert sich um Fachkongresse. Große Anerkennung fanden seine Beiträge bei 70 wissenschaftlichen Ausstellungen. Seit 2009 trägt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Herz schägt für den ClubDer "Doc" ist Fan des 1. FC Nürnberg. "Einmal Clubberer, immer Clubberer." Mit dieser Philosophie hat er auch schon seinen Kinder angesteckt. "Beide Burschen sind Clubfans durch und durch." Auf die nervenzehrenden sportlichen Berg- und Talfahrten seines Clubs angesprochen kennt der "Doc" ein gutes Rezept: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."
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