Dr. Manfred Hausel thematisiert ethische und medizinische Aspekte der Organspende
Im Zweifel für das Leben

Mit spanischem Rotwein und Süßem bedankten sich Stadtpfarrer und Dekan Thomas Jeschner (rechts) sowie Manfred Neumann (links), der Vorsitzende des Katholischen Männervereins, bei Dr. Manfred Hausel für den spannenden Vortrag zur Ethik-Debatte bei Organspenden. Bild: do

Was gilt als sicheres Todeskriterium? Eine wichtige Frage, deren überzeugende Beantwortung viele Menschen von ihrer Bereitschaft zur Organspende abhängig machen. Als "Halbtoter" als Transplantationsobjekt zu dienen, ist für viele eine grauenhafte Vorstellung. Der Katholische Männerverein wollte deshalb Aufklärungsarbeit leisten.

Zu Gast war Dr. Manfred Hausel, der in seinem Vortrag die ethischen Gesichtspunkte eines Eingriffs in den menschlichen Körper zum Zweck der Organentnahme behandelte und die zentralen Aspekte der Organspende überzeugend thematisierte. "Die neuen Möglichkeiten der Transplantationsmedizin werfen nicht nur medizinische und juristische, sondern vor allem auch ethische Fragen auf", urteilte der Vorsitzende des Klinischen Ethikkomitees der Kliniken Nordoberpfalz.

Die Bereitschaft zur Organspende befindet sich in Deutschland im Sinkflug. Einen gewichtigen Anteil daran hat der Organspende-Skandal, bei dem Transplantationszentren Richtlinienverstöße nachgewiesen wurden. Unter diesem Blickwinkel und den damit verbundenen Zweifeln vieler Menschen daran, durch Organspende Kranken die Chance auf ein neues Leben zu eröffnen, warb der ehemalige Ärztliche Direktor des Klinikverbundes für eine offene und faire Diskussion.

Hirntod als Kriterium


Was den Tod eines Menschen betreffe, so komme laut Dr. Manfred Hausel eine Definition aus Sicht der Religion und Ethik in Frage. Andererseits entwickle die Medizin mit naturwissenschaftlichen Werkzeugen Todeskriterien und die dazugehörigen Testverfahren. Nach ihrem Denkmuster laufe die Definition des unumkehrbaren Todes auf das Kriterium des Ganzhirntodes zu: dem sogenannten irreversiblen Funktionsausfall des gesamten Gehirns. Das Todesverständnis früherer Zeiten gelte nicht mehr, betonte der ehemalige Chirurg: Die Apparate-Medizin könne Leben erhalten, aber niemals einen Hirntod rückgängig machen. Der Hirntod bedeute für die Medizin den klinischen Tod.

Patientenwillen ermitteln


Im Gegensatz dazu verwies der Mediziner auf die Aussage von Papst Benedikt XVI., die Entnahme von Organen nur "angesichts des wirklichen Todes" zu erlauben. Entscheidend sei jedoch bei allen Diskussionen, den Patientenwillen - soweit noch möglich - zu ermitteln. Es gelte in jedem Fall der Grundsatz "in dubio pro vita" - im Zweifel für das Leben. Die Organspende sei eine freiwillige Gabe und an keine Verpflichtung gebunden.

"Wir wollen nicht missionieren, sondern beraten und aufklären", stellte der Vorsitzende des Klinischen Ethikkomitees ferner klar. Als Beispiele nannte er das persönliche Gespräch mit den Patienten über Diagnostik und Therapie, über das menschenwürdige Maß beim Einsatz moderner Medizin und den Dialog zur Einschätzung der Lebensqualität. "Der Wille des Patienten und der Angehörigen ist uns wichtig", merkte Hausel an.

Wohlüberlegte Empfehlung


Ein solches zielgerichtetes "Ethik-Konsil" zur Ermittlung des Patientenwillens und zur Entscheidungsfindung eröffne sich jedem Kranken. Eine spannende Angelegenheit, wie der Mediziner verriet. Alle Beteiligten, auch Ärzte und Pflegepersonal, könnten ein solches Konsil beantragen. Am Ende der Beratung werde eine wohlüberlegte Empfehlung ausgesprochen - kein Schiedsspruch.

Abschließend stand Dr. Manfred Hausel bei Einzelgesprächen Rede und Antwort. Zu Beginn des Informationsabends hatte Manfred Neumann, der Vorsitzende des Katholischen Männervereins, eine - trotz frühzeitigen Eintrags des Referats in den Terminkalender des Stadtverbandes - zur selben Zeit stattfindende Veranstaltung des Heimatvereins bedauert.

Positive Haltung der christlichen KirchenIn seinem Vortrag ging Dr. Manfred Hausel auch auf das "Intensiv-Tagebuch", einen Flyer für Angehörige von Koma-Patienten und den Ablauf bei der Entnahme von Organspenden ein. Ethisch abzulehnen sei jeglicher Organhandel, egal, ob die Organe von Lebenden oder von Toten stammen. Hinzu komme die Pflicht zum pietätvollen Umgang mit dem Leichnam des Spenders, erklärte der Mediziner.

Ausdrücklich unterstrich er die grundsätzlich positive Einstellung der christlichen Kirchen zur Organspende. "Entgegen des verbreiteten Irrglaubens unterstützt vor dem Gesamthintergrund auch die katholische Kirche die Organspende", betonte er und zitierte als Beispiele Stellungnahmen der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Beide hätten Organverpflanzungen als "wahre Tat der Liebe" und "eine besondere Form des Zeugnisses der Nächstenliebe" definiert.

Zu Fragen aus den Besucherreihen über Altersgrenzen bei Organtransplantationen stellte der Referent fest: "Auch Organe älterer Menschen können, wenn auch seltener, hilfreich sein." Als Beispiele nannte der Komitee-Vorsitzende Hornhaut- und Pankreasspenden. (do)
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