Erinnerungen an die Kindheit
Drei-Quartl-Maß und Keverloher

Der "Sporer-Keller" stand einst an der schönen Sandstein-Fassade des jetzt als Wohnhaus genutzten ehemaligen Gasthauses "Kellerwirt". Eine dazu gehörende Kegelbahn wurde nach dem Krieg abgerissen.
 
80 Jahre alt ist der "Keverloher" der Brauerei "Pesch Kirchenthumbach" (vorne, Mitte), aus der Brauerei "Bischofshof" Regensburg (rechts) und vom "Würzburger Hofbräu" (links) sind die übrigen Biergefäße. Oben von links ein gebräuchlicher Humpen mit Zinndeckel, ein Ehrenkrug des SC Kirchenthumbach und ein wertvoller Geschenkkrug aus Zinn. Bilder: gpa (2)


"Feuchtfröhliches" Opfer"Bierselig" ging es auch zu Zeiten des Josefshauses bei Faschingsbällen zu, bei denen hauptsächlich Bier im Ausschank war. Für die Damen gab es Cola, Mineralwasser und Bordeaux. Weil die Vereine den Ausschank selbst übernahmen, mussten Restbestände noch vor Ort "verzehrt" werden.

Als während eines Faschingsballs der Kolpingfamilie überraschend starker Schneefall einsetzte und viele Besucher früher aufbrachen, blieben Getränke übrig. Da gerade erst ein neues Fass gezapft worden war, gab es vor allem noch Bier in Mengen. Die Verantwortlichen mussten sich "opfern". Damit dieses "Opfer" nicht zu schwer wurde, suchte man "Verstärkung": Die Musiker beteiligten sich gerne am "Restetrinken".

Weil der Pfarrhof dieses nächtliche Unternehmen nicht mitbekommen sollte, wurden der Eingang dicht- und die Saal-Beleuchtung ausgemacht. Dann wurde das noch fast volle Fass mitsamt der "Nöigerln" an hochprozentigen Spirituosen auf der Bühne deponiert und der Vorhang zugezogen. Es begann die "feuchtfröhliche" Versteigerung, bei der Dank der trinkfesten Musikanten nichts übrig blieb. Nie hat unser Geistlicher Rat, Herr Pfarrer Bollmann, als Hausherr von dieser "Resteverwertung", die für einige Teilnehmer erst am frühen Morgen endete, etwas erfahren. (gpa)

500 Jahre Reinheitsgebot: Es ist das Jubiläum, das mit großen und kleinen Festen ein Jahr landauf, landab gefeiert wird. Es ist auch das Motto mancher Kindheits- und Jugenderinnerungen ans bayerische Nationalgetränk.

Meine ersten Bier-Erfahrungen gehen in die Zeit zurück, als ich als Abc-Schütze viele Nachmittage bei meiner Piehl-Oma verbrachte. Die "Danihansn"-Oma wohnte drei Häuser von meinem Elternhaus entfernt neben der Brauerei Dobmann. Das nutzte sie oft, um sich von mir Bier holen zu lassen. "Jetzat nimmst den Krouch und gäist iwi zum Dobmann, laost da vom Koarl a Drei-Quartl-Maoß ei'schenk'n und bringst mas", lautete ihr Auftrag. Mit Kleingeld und dem Krug machte ich mich auf.

Der "Koarl" war der Schustermeister Karl Lautner, Wirt des Bauereigasthofs, der in einem Raum neben der Schenke und dem Gastzimmer seine Werkstatt hatte. Er sah mich mit dem Krug kommen und schenkte mir das bestellte Quantum ein, ich bezahlte, grüßte und ging. Obwohl ich hie und da auf dem Rückweg einen Schluck Bier aus dem Krug nahm, merkte es die Oma nicht, da vom "Koarl" statt der drei bestellten Quarteln Bier fast immer eine Maß im Krug war. Außerdem hat die Großmutter das Bier an heißen Sommertagen gestreckt.

Kaltes Bier, warmes Küchel


"Dass ma bei der Hitz koan Rausch z'samma bringt", sagte sie. Unverdünntes Bier gab es für sie immer nach dem Backen der Kücheln für die Kirchenthumbacher Kirwa. Während sich meine Mutter nach getaner Arbeit zu ihrem ersten noch warmen Küchel lieber eine Tasse Kaffee gönnte, trank die Oma stets ein kaltes Bier. Geschadet hat es ihr nicht, Bier war scheinbar für sie ein Lebenselixier.

Der Begriff "Bier" war für mich auch mit dem Begriff "Kegeln" verbunden. Auf der Kegelbahn im Garten des Gasthofs von Baptist Sporer war an schönen Sommer-Sonntagnachmittagen viel los. Für uns Buben war damals das Bahnhofsgelände ein idealer Spielplatz, von dem wir neugierig auch das Geschehen auf der Kegelbahn beim "Trolln-Hansn" beobachteten. Unsere Neugierde wurde eines Tages mit einem lukrativen Job belohnt: Wir wurden "Kegelbuben".

Unsere Aufgabe war, nach jedem Wurf die Keile wieder aufzustellen und den nächsten Wurf abzuwarten. Weil die Kegler zwischendurch zu ihren Keverlohern griffen, um sich mit einem Schluck kühlen Bieres zu stärken, war für uns die Arbeit leicht und mit Fünferln und Zehnerln, die man uns zugeworfen hat, reichlich belohnt. Weil aber ein "Kranz" und "alle Neune" sogar ein Fuffzgerl brachten, drückten wir den Kegelbrüdern kräftig die Daumen.

Wenn sich die Herren Handwerksmeister eine Pause leisteten, um eine Zigarre zu rauchen und sich eine frische Maß einschenken ließen, wurden auch wir eingeladen, einen Schluck aus den schweren Steingut-Krügen zu nehmen. "Braucht's eich fei net schenier'n, ihr orbeit's ja fleißig", ermunterten sie uns, die wir daheim kaum Bier zu sehen bekamen. Den "Kegellohn" setzten wir aber nicht in Bier um, sondern kauften uns bei der Frau Pesch (Biemichl) für 20 Pfennige lieber ein "Windsheimer" mit dem charakteristischen viereckigen Schnappverschluss.

Das Entstehen des Gerstensaftes konnte ich dank der Freundschaft mit meinem Schulkameraden und den Söhnen der Familie Dobmann teilweise mitverfolgen. Es war der besondere Duft, der beim Betreten der Braustätte spürbar war, wo ich fasziniert beim Abfüllen der Fässer und Flaschen zusah. In kurzer Hose unerlaubt im Eiskeller, in der warmen Mälzerei mit ihrem herrlichen süßen Aroma, im Kesselhaus der Brauerei und das alljährliche "Auspichen" der großen Bierfässer, das in der Färbergasse geschah, waren viele spannende, unvergessliche Abenteuer, die ich in meiner Kinderzeit erlebt habe.

Altes weicht Neuem


Das kleine Häuschen meiner Oma musste in den 1980er Jahren einem Einfamilienhaus weichen, Ende der 1970er Jahre schlug schon für die Kegelbahn beim "Trolln-Hansn" das letzte Stündchen, als der Neubau der Gastwirtschaft Sporer entstand.

Ein gleiches Schicksal erlitten die Brauerei Dobmann und als erstes nach dem Krieg die Freiluft-Kegelbahn beim Kellerwirt. Selbst der "Nickelseeweiher", aus dem früher die Brauerei Dobmann das Eis zur Kühlung ihres Bieres bezogen hatte, musste weichen. Auf ihm wurden Ende der 1960er und zu Beginn der 1970er Jahre die Sportanlagen des im Dezember 1959 gegründeten SC Kirchenthumbach errichtet.
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