Eschenbachs neuer Pfarrvikar im Gespräch
Fußball und "Fufu"

Dr. Chinedu Paul Ezenwa, neuer Vikar in der Pfarrgemeinde Eschenbach. Bild: do

"Schön ist es hier", sagt der neue Pfarrvikar. Freundliche Leute, interessante Arbeit in der Seelsorge, eine schöne Wohnung und gutes Essen. Wenn Pfarrer Paul über Eschenbach spricht, gerät er ins Schwärmen.

Schon nach einigen Wochen hat sich Dr. Chinedu Paul Ezenwa eingelebt. Auch die Chemie zum "Chef" stimmt. Stadtpfarrer Thomas Jeschner übertrug dem neuen Mann für die nächsten Wochen Verantwortung für St. Laurentius. Jeschner ist auf Romreise. Für den Seelsorger aus Nigeria Wochen der Bewährung. Gerne beantwortet Dr. Chinedu Paul Ezenwa ergänzend zur Einführung und Vorstellung vor drei Wochen unsere Fragen.

Welche Entwicklung nimmt der christliche Glaube in Nigeria?

Dr. Chinedu Paul Ezenwa: Wir haben besonders im Süden und Osten eine starke katholische Glaubensgemeinschaft, irische Missionare haben sie geprägt. Besonders das Ibo-Land mit vielen Pfarreien und Priestern nennt man afrikanisches Irland.

Welchen Einfluss hat die Terrororganisation Boko Haram?

Die islamistischen Rebellen terrorisieren besonders den eher muslimischen Norden. Ihr Ziel ist die Einführung der Scharia. Eine Rolle spielen die muslimischen Nachbarstaaten. Leider lähmt der Terror die Entwicklung des gesamten Landes. Aber es nicht nur die Boko Haram, die die Bevölkerung verarmen lässt.

Wie ist das zu verstehen?

Nigeria ist nicht nur das größte afrikanische Land. Es ist auch reich an Bodenschätzen und natürlichen Ressourcen. Doch das Geld von Öl, Edelsteinen oder dem Kakao- und Gemüseanbau kommt nicht bei den Menschen an. Wie so oft sind korrupte Regime schuld. Die politische Führung bereichert sich. Das Wirtschaftswachstum ist im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten ansehnlich. Trotzdem lebt ein Großteil der Bevölkerung in extremer Armut.

Wie kamen Sie nach Deutschland?

Unser Bischof schlug mir nach einigen Jahren in der Seelsorge in verschiedenen Bistümern meiner Heimat eine Fortbildung im Ausland vor. Ein Stipendium der Diözese Würzburg machte mich neugierig.

Studierten Sie acht Jahre in Würzburg?

Ja und nein. Ich schloss in Würzburg mein Studium ab und machte den Doktor. Darüber hinaus paukte ich Deutschunterricht. Selbstverständlich lernte ich auch viele Pfarreien in der Diözese Würzburg kennen. Vertretungen und Aushilfen gehörten zu meiner Aufgabe.

Gibt es für Sie eine seelsorgerische Perspektive?

Ich hoffe, noch einige Jahre in Deutschland bleiben zu dürfen. Ich fühle mich wohl. Aber auch für Zuhause habe ich Verantwortung. Das ist ein Spagat. Jetzt muss ich schauen, was die Zukunft bringt. Ich vertraue auf Gott und die Güte meiner Priesterkollegen. Selbstverständlich gehört auch Optimismus dazu.

Haben Sie sich in der Wohnung im Dammbauernhaus eingelebt?

Schön ist es hier und sehr zentral. Die Pfarrkirche habe ich immer im Blick. Und auch die Stadt gefällt mir. Klein, überschaubar, alles ist fußläufig erreichbar. Ich bin wunschlos glücklich!

Und wer kocht für Sie?

Selbst ist der Mann. Da falle ich mit meinen Gewohnheiten niemand zur Last.

Welche Schmankerln gehören dann zu Ihren Leibspeisen?

Die Gerichte der Heimat kann man auch in der Fremde nicht vergessen. Deshalb ist öfter ein Stammesschmaus in Topf und Teller. Die Spezialität heißt "Fufu" und besteht aus Haferflocken und Gries. Aufgekocht mit Rindfleisch, Fisch, Gemüse, rotem Palm-Öl und einer Erdnussnote ist es mein Leibgericht. Es ist ein typisches Essen aus der schwarzafrikanischen Küche und vergleichbar mit Rindfleisch-Eintopf. Ich mag aber auch die bayerischen Schmankerln. Schweinebraten oder Schweinshaxe sind lecker. Nur selber kochen kann ich diese deftigen Genüsse nicht.

Tag und Nacht nur Seelsorger sein, ist wohl zu einseitig. Gibt es Hobbys?

Nigeria ist zu einer starken Fußballnation geworden. Die Spiele der Nationalmannschaft aber auch die Spiele der deutschen Mannschaften interessieren mich. Auch Tennis ist ein schöner Sport. Zudem bin ich viel zu Fuß unterwegs und entdecke bei Wanderungen die landschaftlichen Schönheiten dieser Gegend. Als christlicher Sozialwissenschaftler neige ich natürlich auch dazu, mich in Büchern zu vergraben.

Zur PersonAus dem Stamm der Igbo
Dr. Chinedu Paul Ezenwas Lebensweg ist geprägt vom Bekenntnis zum christlichen Glauben. Geboren und aufgewachsen im Stamm der Igbo in Akokwa im nigerianischen Bundesstaat Imo, besucht er als ältester von sieben Geschwistern das katholische Gymnasium des Bistums Orlu. Vater und Mutter sind beide Lehrer. Sie ermutigen ihn, Priester zu werden. Er geht ins Priesterseminar.
Nach vier Jahren Philosophie- und vierjährigem Theologiestudium sowie zwei Jahren Praktikum wird er am 19. August 2000 zum Priester geweiht. Es folgen vier Jahre Seelsorge in Lagos, der größten Stadt des Landes und im Heimatbistum. Auf Wunsch des Oberhirten nimmt der Vikar ein Stipendium der Diözese Würzburg an. Es folgen acht Jahre Studium christliche Sozialwissenschaft und Deutsch-Unterricht. Die Pfarrseelsorge in Eschenbach und die Bereitschaft, in der Diözese als „Springer“ eingesetzt zu werden, sind für den des 48-Jährigen besondere Anerkennung.
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